﻿Glaswolle

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Glimmer

gestellte Schleifpapier, welches zum Abschlei-
fen von Holz, Leder u. a. benutzt wird. Zum
Abschleifen von Metall nimmt man an Stelle
von Glas und Flintstein, Schmirgel, in Form
von Schmirgelpapier und -leinen. Alle
vorstehenden Sorten werden, je nach der
Körnung des Grundstoffes in verschiedenen
Feinheitsgraden hergestellt. — Zoll: Glas-
papier u. a. Papiere: S. Tarif Nr. 662, aus
Leinen hergestellt s. Nr. 507.

Glaswolle. Unter diesem Namen kommt
ein außerordentlich lockeres und leichtes, im
Äußeren der gereinigten Baumwolle ähnliches
Material in den Handel, das aus äußerst
feinen Glasfäden besteht und zum Filtrieren
von starken Säuren, Laugen, Silberbädern usw.
benutzt wird. Man hat die' G. in verschie-
denen Feinheitsnummern, von Nr. 0 bis Nr. 3
im Preise von 150—160 M. pro 1 kg. Die
Gewinnung der G. geschieht in der Weise,
daß man von einem fortwährend im Glühen
erhaltenen Glasstabe das dünn ausgezogene
Ende auf die Peripherie eines sich schnell
umdrehenden großen Rades wirft. Das rotie-
rende Rad zieht dann den Glasfaden von dem
glühenden Glasstück immer nach sich. Beim
Abnehmen des Fadens vom Rade zerbricht
derselbe, und die einzelnen Stücke rollen
sich lockenartig zusammen. — Zoll: 18 M.

Glaubersalz (Natriumsulfat, schwefel-
saures Natrium, lat. Natrium sulfuricum,
frz. Sulfate de soude, engl. Sulphate of so-
dium, Sodium sulphate). Das Salz hat seinen
populären Namen von dem Arzt und Alchi-
misten Glauber, der es 1658 als ein eigen-
tümliches Salz erkannte und als Glaub ersches
Wundersalz (Sal mirabile Glauberi) in die
Chemie einführte. Der Stoff kommt in zweier-
lei Zuständen vor, als kristallisiertes Salz,
die gewöhnliche käufliche Form oder das
eigentliche G., in großen farblosen, schief
rhombischen, längsgestreiften Säulen, und als
wasserfreies Salz. Das erstere enthält in
100 Teilen 19,36 Natron, 24,81 Schwefelsäure
und 25,83 Kristallisationswasser, das letztere
besteht aus 43,82 Natron und 56,18 Säure.
Beim Liegen an trockener warmer Luft ver-
wittert das kristallisierte Salz, indem sich
die Kristalle durch allmähliches Verdunsten
des Wassers mit einer weißen Schicht be-
decken und endlich in eine pulverförmige,
nahezu wasserfreie Masse verwandeln. In
der Hitze schmilzt das Salz anfänglich in
seinem eigenen Wasser, bis dieses verjagt
ist und das wasserfreie Salz zurückbleibt.
Das schwefelsaure Natron ist ein weit ver-
breitetes Naturprodukt. Es findet sich auf-
gelöst im Meerwasser, in den Salzsolen und
verschiedenen anderen Mineralquellen (Karls-
bad, Friedrichshall, Püllna usw.), als Aus-
blühung am Erdboden, namentlich in Steppen
in der Nähe von Seen, in Rußland, Ungarn
usw. Fertig gebildet als festes Mineral in Be-
gleitung von Gips, Ton, Steinsalz wird das G.
ebenfalls nicht selten angetroffen, z. B. in
der Baseler Gegend nesterweise im Gips,
in Oberösterreich als Adern in Salzstöcken, in
großen Lagern in mehreren Gegenden Spa-

niens mit Gips und Ton. Auch der Pfannen-
stein der Salzsiedereien besteht hauptsäch-
lich aus Gips und G., und außerdem ent-
steht es als Nebenprodukt bei der Bereitung
von Jod und Brom aus Meerpflanzenasche.
Größere Mengen des Salzes werden erzeugt
bei verschiedenen chemisch-technischen Pro-
zessen, namentlich bei Darstellung von Sal-
petersäure aus Chilisalpeter. Der hierbei er-
haltene Rückstand enthält jedoch stets mehr
Schwefelsäure als das G., da man einen Über-
schuß der letzteren anwendet, und ist daher
gewöhnlich als anderthalb schwefel-
saures Natron, zuweilen auch als doppel-
schwefelsaures Natron (Natriumbisul-
fat) anzusprechen. Er wird unter dem Namen
Weinsteinsurrogat von den Färbern als
Beize benutzt. — Die größten Mengen von
G. wurden bisher bei der Fabrikation von
Soda aus Kochsalz, bei welcher letzteres zu-
nächst in G. verwandelt wird, gewonnen.
Diese Ware, aus wasserfreiem G. bestehend,
wird in Fabrik und Handel gewöhnlich als
Sulfat bezeichnet. Aus diesem Sulfat läßt
sich durch Auflösen in heißem Wasser und
Kristallisieren leicht das gewöhnliche G. her-
stellen. Für manche Zwecke braucht man es
aber wie es ist, ohne Wassergehalt, nament-
lich zur Glasbereitung, wenn auch nur für
ordinäre Gläser. Das G. dient außerdem
als Reagens in der Chemie, technisch bei Be-
reitung des Ultramarins, als Bestandteil von
Kältemischungen usw., medizinisch als Ab-
führmittel. Es muß für diesen Zweck durch
mehrmaliges Umkristallisieren gereinigt und
von fremden Stoffen, wie Metallsalzen, Gips,
Bittersalz, Kochsalz, befreit sein. Wird die
Kristallisation einer Glaubersalzlösung durch
Umrühren gestört, so fällt es in kleinen nadel-
förmigen Kristallen zu Boden. — Zollfrei.

Glidin ist ein Nährpräparat der Firma
Dr. Klopfer in Leubnitz bei Dresden, wel-
ches im wesentlichen aus Weizenkleber be-
steht und daneben noch Lezithin enthalten
soll. —- Zoll: S. Tarif Nr. 217.

Glimmer (frz. Verre de Muscovic, Mica,
engl. Glist), ein weitverbreitetes Mineral,
bildet einen wesentlichen Gemengteil mehrerer
Massengesteine, besonders des Granits, Gneiß
und Glimmerschiefers, in welchen es in Form
kleiner Schüppchen vorhanden ist. Seltener
findet sich der Gl. auf Gängen im Granit
in großen Blättern und Platten, die eine
technische Verwendung gestatten. Seiner che-
mischen Zusammensetzung nach ist Gl. ein
Doppelsilikat von Tonerde mit Alkalien oder
Magnesia und enthält als unwesentliche Bei-
mengungen bisweilen etwas Mangan, Eisen
und Kalk. Die wichtigste Art, der Kali-
glimmer oder Muskovit besitzt meist eine
helle Färbung. Er läßt sich in außerordent-
lich dünne Blätter spalten, welche völlig’
durchsichtig sind und an Stelle von Glas be-
nutzt werden. Vor letzterem hat er den Vor-
zug der größeren Elastizität und Biegsam-
keit, sowie der größeren Widerstandsfähigkeit
gegen Hitze und dient daher zur Herstellung
von Scheiben in Maschinenwerkstätten,