﻿Glyzerin

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Gold

kerzenfabrikation gewonnen. Bei der letz-
teren findet die Zerlegung der Fette sowohl
durch Kalkmilch als auch durch Schwefel-
säure statt. Die beste Ausbeute gibt aber
die Verseifung durch überhitzte Wasser-
dämpfe. Talg oder Palmöl werden in Destil-
lierblasen mittels überhitzter Wasserdämpfe
auf ca. 300°/o erhitzt, wobei die Spaltungs-
produkte, Glyzerin und Fettsäuren mit den
Wasserdämpfen übergehen. Das erkaltete
Destillat zeigt auf der Oberfläche die er-
starrte Fettsäure, welche abgehoben wird,
während aus der wässrigen Lösung das Gl.
durch Eindampfen gewonnen wird. Das auf
die eine oder andere Weise gewonnene Roh-
glyzerin stellt eine mehr oder minder
sirupöse, gelb bis braun gefärbte Flüssig-
keit dar, welche unter anderem noch Fett,
Fettsäuren und anorganische Salze enthält.
Es kommt in großen Mengen aus Holland,
Frankreich und Rußland zur Einfuhr und wird
verschiedenen Reinigungswäschen unterwor-
fen. Das sog. raffinierte oder gereinigte
Gl. erhält man, indem man die ita Roh-
glyzerin vorhandenen Verunreinigungen mög-
lichst auf chemischem Wege entfernt, hier-
auf die Flüssigkeit mittels Knochenkohle
entfärbt und schließlich im Vakuum konzen-
triert. Zur Darstellung des destillierten
oder reinen Gl. wird das konzentrierte Roh-
glyzerin zunächst bei 100—110° mit Wasser-
dämpfen bei 180° der Destillation unterworfen
und schließlich in einem System von Konden-
satoren verdichtet. Das kristallisierte*G1.
endlich ist das reinste Produkt des Handels
und wird durch Kristallisation des destillier-
ten Gl. bei 0° gewonnen. Das reine Gl.
(Glycerinum bisdestillatum purum D. A. B.)
hat ein spez. Gew. von 1,225—1,235 und ent-
hält zirka 15°/o Wasser, während das reinste
Gl. von spez. Gew. 1,269 wasserfrei ist. Es
stellt einen färb- und geruchlosen dickflüssi-
gen Sirup dar, der mit Wasser und Alkohol
in allen Verhältnissen mischbar ist, sich aber
in Äther, Chloroform und Benzin nicht löst.
Mit Wasserdämpfen, besonders mit über-
hitzten ist Gl. flüchtig, ohne daß eine Zer-
setzung stattfindet. Diese tritt aber ein, wenn
Gl. in der Luft erhitzt wird, indem sich Akro-
lein, ein stechend riechendes, die Augen und
Nase heftig angreifendes Gas bildet. Bei
gewöhnlicher Temperatur ist das Gl. nicht
brennbar, dagegen lassen sich die aus heißem
Gl. entwickelten Dämpfe mit nicht leuchten-
der Flamme entzünden. Für viele anorga-
nische und organische Stoffe ist Gl. ein aus-
gezeichnetes Lösungsmittel und besitzt ferner
die Eigenschaft, begierig Feuchtigkeit auf-
zunehmen. Infolgedessen reizt es in konzen-
triertem Zustande die Haut. Ein gutes reines
Gl. muß farblos, klar und neutral sein. Es
darf weder Arsen noch Kupfer und Blei ent-
halten und soll auch frei sein von Sulfaten,
Chloriden und Zucker. Besonders ist auf die
Abwesenheit von Akrolein und niedern Fett-
säuren zu prüfen. 5 ccm Gl. mit 5 ccm Am-
moniak und 5 Tropfen Silbernitratlösung ge-
mischt, dürfen innerhalb 15 Minuten nicht

dunkel gefärbt werden (Akrolein). 1 ccm Gl.
soll, mit verdünnter Schwefelsäure erwärmt,
keinen ranzigen Geruch entwickeln (Butter-
säure, Kapronsäure). Für Toiletteseifen wird
kalkfreies Gl. verlangt, welches in wäßriger
Lösung mit oxalsaurem Ammonium keine
weiße Trübung geben darf. Hinsichtlich der
Konzentrationsgrade führt man im Handel
Gl. von 16—30°. Am gangbarsten sind die
Sorten von 24 und 28°. Gl. findet eine außer-
ordentlich mannigfache Verwendung. Die
größten Mengen werden zum Füllen der Gas-
uhren und zur Nitroglyzerin- und Dynamit-
fabrikation verbraucht. Weniger reine Sorten
benutzt man zur Anfertigung der Buch-
druckerwalzen, die aus Gl. und Leim be-
stehen. In der Gerberei dient es zum Ge-
schmeidigmachen des Leders und in der
Musselinweberei, Zeugdruckerei und in Appre-
turanstalten zur Behandlung der Garne. Auch
zu medizinischen Zwecken wird Gl. vielfach
benützt, namentlich äußerlich zum Einreiben
aufgesprungener Hände und als Zusatz zu
Toiletteseifen, und schließlich bildet es das
Ausgangsmaterial zur Bereitung von künst-
lichem Senföl und von Ameisensäure mittels
Oxalsäure. Der früher beliebte Zusatz zu
Wein ist zurzeit durch Reichsgesetz verboten.
Wegen seiner Neigung, aus der Luft Wasser
anzuziehen, muß Gl. in gut verschlossenen
Gefäßen aufbewahrt werden. Der Versand
geschieht in Fässern aus Holz oder Eisen-
blech oder in Glasballons. — Zoll: Gl. und
zur Bereitung dienende Lauge sind zollfrei.

Gofelgummi, eine Art Kautschuk, wird in
Ostindien aus dem eingetrockneten Milch-
säfte der Calatropis gigantea gewonnen
und wie gewöhnlicher Kautschuk verwendet.
— Zoll: S. Tarif Nr. 97. 98.

Gold (lat. Aurum, frz. Or, engl. Gold), das
schönste und bekannteste der Edelmetalle,
kommt infolge seiner geringen Verwandt-
schaft zu Sauerstoff und Schwefel in der
Natur fast nur gediegen vor, jedoch meist
nicht chemisch rein, sondern mit kleinen Men-
gen Silber, bisweilen auch Kupfer und Eisen
vermengt. Das kalifornische G. ist etwas
iridiumhaltig und zeigt infolgedessen einen
schwach grünlichen Schimmer, oder es ist auch
oft mit erheblichen Mengen, bis zu fast glei-
chen Teilen Silber legiert. Ein mehr als 20°/o
Silber enthaltendes G., wie es zu Schlangen-
berg im Altai auftritt, wird als Elektrum
bezeichnet. Palladiumhaltiges G. nennen die
Bergleute faules G., die Mineralogen Por-
pezit. Die wichtigsten Goldländer sind Kali-
fornien und Australien. Die früher sehr er-
tragreichen russischen Goldwäschereien am
Ural und im östlichen Sibirien, in denen das

G.	sich neben den Platinmetallen im Sande
findet, werfen nicht viel mehr ab. Unter-
geordnete Bedeutung nur haben Kanada,
Neuseeland und Brasilien, welches früher an
der Spitze der Produktion stand. Hingegen
liefert Afrika, wie schon im Altertum, auch
jetzt noch erhebliche Geldmengen. Die wich-
tigsten Funde sind neuerdings im Fluß-
gebiete des Yukon in Alaska (Klondyke) ge-