﻿Gold

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Gold

macht worden. Europa, welches im Schwemm-
sande einiger Flüsse minimale Goldmengen
führt, kommt für die Goldgewinnung nicht
in Betracht. Das metallische Gold wird nur
selten, wie in Australien, in größeren Stücken
gefunden und ist dann meist von hoher Rein-
heit bis zu 991/20/0 Feingehalt. Meist findet
es sich in feinster, oft mikroskopisch feiner
Verteilung in Felsarten wie Quarz, Gneiß,
Glimmer- und Talkschiefer als sog. Berg-
gold eingesprengt, oder auf sekundärer
Lagerstätte als sog. Seifengold oder
Waschgold im Schwemmsande der Flüsse.
Das sog. Berggold tritt bisweilen als Frei-
gold auch in Form größerer Schüppchen,
Blätter und Bleche, oder haar- oder moos-
artig, oder endlich kristallisiert in Würfeln
und Oktaedern auf. Seltener zeigt es sich
schlackenförmig, wie geflossen oder getropft,
oder in größeren Massen als Ausfüllung von
Klüften und Rissen. In sehr geringen Men-
gen, die aber doch bisweilen eine Verarbei-
tung lohnend erscheinen lassen, findet das
Gold sich in manchen Schwefelkiesen, die
dann Goldkiese genannt werden, ferner in
Kupfer- und Arsenikkies, Zinkblende, Grau-
spießglanzerz und Bleierzen. In Siebenbürgen
tritt es mit Tellur verbunden als sog. Schrift-
erz auf. Auch waren früher die russischen
Kupfermünzen so goldhaltig, daß sie im Aus-
lande auf Gold verarbeitet wurden. — Die
Gewinnung des Goldes erfolgt am einfachsten
aus den Schwemmsanden (Seifen), indem man
diese durch Schlämmen anreichert und dann
das Gold mit Quecksilber auszieht. Gold-
haltige Gesteine werden, wenn sie schwefel-
haltig sind, zunächst geröstet und dann zer-
kleinert, oder sonst direkt gepocht und ge-
mahlen. Aus dem Pulver zieht man das
Gold durch Amalgamation, oder durch Be-
handlung mit Chlor, oder endlich mit Hilfe
von Cyankalium aus. Letzteres Verfahren ist
auch auf ungeröstete Kiese direkt anwendbar.
Aus dem Goldamalgam destilliert man dann
aus eisernen Retorten einfach das Quecksilber
ab. Aus der beim Chlorierungsprozeß er-
haltenen Lösung von Chlorgold fällt man das
Gold mit Eisenvitriol und aus der beim
Cyanidverfahren von Mac Arthur und Forrest
entstehenden Goldkaliumcyanidlösung mit Zink
oder nach dem neueren W. Siemensschen
Verfahren mit Hilfe des elektrischen Stromes
aus. Aus Blei- und Kupfererzen endlich, wenn
sie neben Silber etwas Gold enthalten, stellt
man zunächst in üblicher Weise das Silber
dar, welches das gesamte Gold festhält und
von diesem durch die Scheidungsarbeit ge-
trennt wird. Alles hüttenmännisch aus an-
deren Erzen gewonnene Gold enthält meist
^as Antimon, Zinn, Blei usw., von denen
« Befreit werden muß, da schon 0,05 °/o dieser
unedlen Metalle die Dehnbarkeit stark beein-
trachtigen. Man schmilzt es daher mit Borax
und Salpeter, wobei die Verunreinigungen in
die Schlacke gehen. Nur das Silber bleibt
zurück und wird in besonderen Scheide-
oder Af fnieranstalten, die auch alte
Silbermünzen und Geräte verarbeiten, abge-
Mercks Warenlexikon. 5. Anfl.

trennt. Die Affination erfolgte früher durch
Behandlung mit Salpetersäure, in welcher
das Gold unlöslich ist. Jetzt schmilzt man die
Gold-Silber-Legierung, verwandelt sie durch
Eingießen in kaltes Wasser in Körnerform
und erhitzt dann mit konz. Schwefelsäure,
wobei das Gold als braunes Pulver zurück-
bleibt. In neuerer Zeit trennt man Silber
und Gold auch durch Einleiten von Chlor
in die geschmolzene Legierung oder durch
Elektrolyse. — Das Gold ist ein stark glän-
zendes, äußerst geschmeidiges und dehnbares
Metall. In der Härte steht es zwischen dem
Blei und dem Silber. Das spez. Gew. des
gegossenen Metalls beträgt 19,250, des ge-
hämmerten 19,550, das Atomgewicht 197,2.
Das Gold schmilzt bei ungefähr 1060° zu einer
meergrün leuchtenden Flüssigkeit und zieht
sich beim Erstarren stark zusammen. An der
Luft ist es völlig unveränderlich und wird
auch von Säuren, mit Ausnahme des Königs-
wassers, nicht gelöst. Aus der mit Königs-
wasser erhaltenen Lösung schlagen Eisen-
vitriol oder Oxalsäure das Gold als ein feines
braunes Pulver nieder, das durch Reiben
mit dem Polierstahl Metallglanz annimmt.
Mit Quecksilber vereinigt es sich leicht zu
Goldamalgam. Ganz reines Gold wird
meist nur zur Herstellung der feinsten Sorte
Blattgold verwendet, da es sich zu den
feinsten, grün durchscheinenden, Folien aus-
walzen oder schlagen läßt. Im allgemeinen
benutzt man es wegen seiner Weichheit und
leichten Abnutzbarkeit in Form von Legie-
rungen mit Silber oder Kupfer. Durch'
einen Zusatz von Kupfer erhält man die sog.
rote, durch einen Zusatz von Silber die
weiße und durch einen Zusatz beider Metalle
die gemischte Karatierung. Eine wenig
gebrauchte Legierung mit Eisen heißt Grau-
gold. Im Handel erscheinen diese Legie-
rungen meist in gegossenen Zainen oder
Barren verschiedener Größe, oft von der
Form der Siegellackstangen. Der wirkliche
Feingehalt jedes Barrens ist durch einen
Wardein ermittelt und durch Stempelung be-
glaubigt. Als Münzeinheit diente früher ein
halbes Pfundgewicht, die Mark, die in 24
Karat zu je 24 Grän eingeteilt war. Ein
14karätiges Gold war demnach eine Legie-
rung von 14 Teilen Gold und 10 Teilen
Zusatz. Jetzt wird der Feingehalt nur noch
nach Tausendteilen angegeben, d. h. wieviel
Teile Gold in 1000 Teilen enthalten sind. Der
Feingehalt der meisten Goldmünzen, insbe-
sondere auch der deutschen, ist 900 Tau-
sendstel. Das Gold ist in erster Linie Münzen-
metall. Außerdem dient es zur Herstellung
von Schmuckgegenständen, in Form von
Blattgold für Galanterie- und Buchbmder-
arbeiten, ferner zu galvanischen Vergoldun-
gen, zur Verzierung von Glas- und Porzellan-
waren und als Chlorgold für photographische
Zwecke. Zur Feuervergoldung bedient man
sich (des Amalgams, zur galvanischen Ver-
goldung einer Cyangold - Cyankaliumlösung,
welche durch Vermischung von Goldchlorid
mit Cyankalium entsteht. Der Preis des Gol-