﻿Goldchlorid

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Granat

des beträgt zurzeit etwa 2700 M. — Zoll: S.
Tarif Nr. 769—771.

Goldchlorid (Chlorgold, lat. Aurum chlo-
ratum, frz. Perchlorure d’or, engl. Chloride
of gold) enthteht bei Behandlung von Gold
mit Königswasser als eine braune Masse,
welche aus der Luft leicht Feuchtigkeit an-
zieht und in Wasser, Alkohol und Äther lös-
lich ist. Mit Natriumchlorid vereinigt es sich
zu einem kristallisierenden Doppelsalze Na-
triumgoldchlorid. Beide Salze werden in
der Medizin, ferner in der Photographie, zur
Malerei auf Glas und Porzellan, zur galva-
nischen Vergoldung und zum Färben von
Glasflüssen benutzt. — Zollfrei.

Goldlacke (Goldfirnisse) hellfarbige
Lacke, die durch irgendeinen löslichen gelben
Farbstoff, Gummigutt, Orlean, Drachenblut
usw. gefärbt sind. Sie dienen zum Lackieren
von Gegenständen aus Tombak und Messing
usw., auch von abgeschliffenem Holz, be-
sonders aber bei der Herstellung unechter
Goldleisten. Diese haben eine Belegung von
Blattsilber, welcher der aufgesetzte gelbe
Lack alsdann das Aussehen von Gold ver-
leiht. Auch auf wirkliches Blattgold finden
diese Lacke Anwendung, um der Vergoldung
mehr Dauer, Glanz und Feuer zu geben. —
Tarif Nr. 342/3.

Goldpurpur (Cassius Purpur), die be-
rühmte, zum Rotfärben des Goldrubinglases
benutzte Farbe, wird durch Vermischen einer
durch Eisenchlorid teilweise oxydierten Zinn-
chlorürlösung mit Goldchlorid dargestellt als
ein mehr oder weniger rotes Pulver mit einem
Goldgehalt von 20—75 °/o. In chemischer Hin-
sicht ist es nach neueren Forschungen als
ein Gemenge von feinverteiltem (kolloidalem)
Gold mit Zinndioxyd anzusehen. — Zollfrei.

Gomutifaser, die von der Arenga sac-
charifera, einer auf allen Sunda-Inseln
wachsenden Palme, abstammende pferdehaar-
ähnliche Faser, wird zu Tauwerk, zum Kal-
fatern der Schiffe usw. verwendet. — Zollfrei.

Gonorol, ein Mittel gegen Tripper, be-
steht aus Santalol, dem Hauptbestandteil
des Sandelholzöles. — Zoll: S. Tarif Nr. 389.

Gose, ein helles, schäumendes, in echter
Form zugleich ober- und untergäriges Bier
von süßsäuerlichem Geschmack, wurde ur-
sprünglich in Goslar am Harze gebraut, wäh-
rend es jetzt auf dem Rittergute Döllnitz
bei Halle hergestellt, in Leipzig-Gohlis und
anderen Orten, allerdings meist nur als ober-
gäriges Bier nachgeahmt wird. Obschon die
Vorschrift zur Herstellung geheim gehalten
wird, so scheint es doch keinem Zweifel zu
unterliegen, daß die G. aus Weizen, mög-
licherweise auch etwas Hafer und aus Gersten-
malz gebraut wird. Sie enthält ferner etwas
Kochsalz und Weinsäure. Für weiteren Trans-
port in Fässern ist die G. nicht geeignet.
Auf Flaschen gefüllt (Stöpselgose) läßt
sie sich aber ziemlich gut versenden. Die
echte Döllnitzer G. wird in Leipzig und Um-
gegend in eigentümlich gestalteten, sehr lang-
halsigen, nicht verkorkten Flaschen aufbe-
wahrt und zum Verschank gebracht. Der

größte Teil der Hefe setzt sich am Boden
der Flaschen ab, der kleinere oben im Halse.

—	Steuer: S. Bier.

Gottesgnadenkraut (Purgierkraut, wil-
der Aurin, lat. Herba gratiolae, frz. Gra-
tiole, engl. Hedge-Hyssop), ein auf feuchten
Wiesen vorkommendes ausdauerndes Gewächs
mit gegenüberstehenden, sitzenden, lanzett-
förmigen, etwas eingesägten Blättern und
einzeln in den Blattwinkeln stehenden Blüten
mit weißer oder fleischroter Blumenkrone und
gelblicher Röhre. Die Pflanze, in die Familie
der Scrophulariaceen gehörig, ist ge-
ruchlos, hat aber einen scharfen, widrigen,
zusammenziehenden Geschmack. Das Kraut
wird mit der Blüte gesammelt und getrocknet.
Es enthält zwei abführende Glukoside, Gra-
tiosolin und Gratiolin, und wird als Ab-
führmittel, sowie bei Wassersucht verwendet.

—	Zollfrei.

Goudron, ein Surrogat für Asphalt, wird
entweder aus den Destillationsprodukten des
Braunkohlenteers oder durch Zusammen-
schmelzen von Asphalt mit natürlichen zähen
Naphtasorten (Bergteer) dargestellt und an
Stelle des reinen Asphalts zur Straßen-
bedeckung und ähnlichen Zwecken verwendet.

—	Zollfrei.

Granat (frz. Grönat, engl. Gamet), ein in
zahlreichen Varietäten vorkommendes, zu den
wasserfreien Doppelsilikaten gehöriges Mine-
ral, kristallisiert im tesseralen Systeme, am
häufigsten in Kombinationen mit vorherr-
schendem Rhombendodekaeder. Je nach der
Art der Basen, mit denen die Kieselsäure ver-
bunden ist, pflegt man die Varietäten in zwei
Reihen zu bringen, nämlich in Tongranaten
und Eisengranaten. In den ersteren ist
Tonerde, in den letzteren Eisensilikat vor-
handen. Von den Tongranaten unterscheidet
man wieder: Eisenoxydultongranaten,
Kalktongranaten und die selteneren Man-
gantongranaten. Die Eisenoxydgranaten
sind meist Kalk-Eisengranaten. Einige
G. enthalten auch etwas Magnesia und Chrom-
oxyd. Im Handel versteht man unter G. ge-
wähnlich nur die feurigdunkelroten Varie-
täten, welche am häufigsten als Schmucksteine
geschliffen werden. Doch benutzt man öfter
auch andere farbige, grüne, gelbe, braune und
schwarze, sowie farblose G. als Schmucksteine.
Die roten G. werden zuweilen auch Kar-
funkel genannt. In Deutschland verwendet
man vorzugsweise böhmische G., die auch
Pyropen heißen, jedoch von den ostindischen
und grönländischen an Reinheit und schöner
Färbung übertroffen werden. Die Pyropen
finden sich gewöhnlich auf zweiter Lager-
stätte, in Schwemm- und Schuttland, im
Sande von Flüssen und Bächen. Am Fuße
des böhmischen Mittelgebirges sind bei Pod-
sedlitz, Trziblitz, Maronitz und in der Gegend
von Gitschin ergiebige Fundorte, welche schon
seit alten Zeiten reiche Erträge, besonders
an kleinen Steinen, liefern. Die G. werden
an mehreren Orten Böhmens in besonderen
Schleifereien fassettiert und, soweit sie nicht
sofort gefaßt werden, gebohrt, damit sie auf