﻿Granatbaum

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Graphit

Schnüre gereiht und so in den Handel ge-
bracht werden können. Außerdem werden in
Böhmen auch auswärts gesammelte G.,
namentlich Tiroler aus dem Zillertal, ver-
arbeitet. Das Anschleifen der Flächen an
die Steine geschieht meist nur auf das Un-
gefähr hin. Große und schöne Stücke, wie
sie in Böhmen und überhaupt selten sind,
werden dagegen nach den Regeln der Kunst
hn Brillant-, Rosetten- oder Cabochonschnitt
behandelt und können bei völliger Reinheit
sehr ansehnliche Edelsteinpreise erreichen.
Die böhmischen G. sind meistens dunkel- bis
blutrot, ausländische, aus Kleinasien, Hinter-
indien, Ceylon, Grönland, die man gewöhn-
lich mit dem Namen Almandin oder orien-
talischer Granat belegt, kirsch-, karmin-,
bräunlichrot, auch violett. Rötlichgelbe Varie-
täten, die besonders schön und teilweise in
größeren Stücken auf Ceylon, in Graubünden
und am St. Gotthard gefunden werden, heißen
Hessonit oder Kaneelstein (Zimtstein),
während man unter Vermeil im Handel
manchmal die hochroten bis pomeranzen-
gelben Steine versteht. Ganz schwarze heißen
Melanite und dienen bisweilen zu Trauer-
schmuck. Grüne Varietäten werden als
Grossulare (Stachelbeerstein) bezeichnet.
Der G. wird jetzt als Schmuckstein wieder
häufiger verwendet, als vor einigen Jahr-
zehnten, namentlich in Form von Broschen,
Ketten und Armbändern; Böhmen liefert sehr
viele, zum Teil sehr geschmackvoll gefertigte
Waren. Übrigens wird der G. durch farbige
Glasflüsse täuschend nachgeahmt. — Zoll:
S. Tarif Nr. 235. Zu vergleichen: Edelsteine.

Granatbaum (lat. Punica granatum). Dieser
Baum oder Strauch wächst überall in Süd-
europa und Nordafrika teils kultiviert, teils
verwildert und dient bei uns wegen der schön
hochroten Blüten als Ziergewächs. Die Früchte
schmecken süß und werden im Süden als
Obst genossen, die Fruchtschalen sind sehr
reich an Gerbsäure und werden deshalb in
Südeuropa häufig zum Schwarzfärben verwen-
det. —- Die Granatäpfelblüten (lat. Flores
granati, frz. Fleur de grenadier, engl. Gra-
nata-flowers), die von gefüllten Exemplaren
genommen werden, sind auch getrocknet noch
lebhaft rot gefärbt und werden im Aufguß
als Gurgelwasser und gegen Durchfall ver-
wendet. — Die Wurzelrinde (lat. Cortex
radicis granatorum, frz. Ecorce de racine
de grenadier, engl. Pome granate root barlc)
ist ein bekanntes und sehr wirksames Band-
wurmmittel, während der Holzkörper der
Wurzel unwirksam ist. Sie enthält erhebliche
Mengen Gerbsäure und 0,5—l°/o Alkaloide,
namentlich Pelle tierin und einige Derivate
aesselben. Die Rinde schmeckt beim Kauen
nerb und bitter und färbt den Speichel gelb,
solange sie nicht zu alt und dadurch unwirk-
s^r?. geworden ist. Gewöhnliche Ware be-
stent ganz oder größtenteils aus röhrigen
Stucken, die nicht von Wurzeln, sondern von
Asten genommen sind, und gilt für weniger
wirksam. Wegen echter Wurzelrinde hat man
sich an eine sichere Quelle zu wenden und

bezieht sie meist aus Italien und Griechen-
land. — Zoll: Granaten, frische, s. Tarif
Nr. 51 u. 54. Granatblüten und Granatrinde
sind zollfrei.

Granatbraun (frz. Grenat soluble), ein jetzt
ziemlich veralteter Farbstoff, wird durch Ein-
wirkung von Cyankalium auf Trinitrokresyl-
säure erhalten und besteht aus dem Kali-
oder Ammoniaksalz der Kresylpurpursäure;
das dunkelrotbraune, in kochendem Wasser
mit braunroter Farbe lösliche Pulver wird
nur noch selten zum Färben von Wolle, Seide
und Baumwolle benutzt. — Zollfrei.

Granit, ein weitverbreitetes Eruptivgestein,
besteht aus einem Gemenge von Quarz, Glim-
mer und Feldspat mit bald gröberem, bald
feinerem Korn und ziemlich gleichmäßiger
Verteilung der Gemengteile. G. ist in der
Regel sehr hart und nimmt dann eine schöne
dauerhafte Politur an und wird daher trotz
der schwierigen Bearbeitbarkeit häufig von
Handwerkern und Künstlern verwendet. Im
frisch gebrochenen Zustande ist er etwas
leichter zu behandeln. Auch läßt man zum
Behauen bestimmte Steine gern unter Wasser
liegen. Das Gestein widersteht um so besser
der mechanischen Abnutzung und der Ver-
witterung, je mehr in ihm der fast unverwüst-
liche Quarz vorherrscht. Feldspatreicher G.
verwittert dagegen leichter. Außer den ge-
wöhnlicheren Verwendungen als Baumaterial
zu Gründungen, Stufen und Schwellen, Trot-
toirs und Pflaster dienen Varietäten von ge-
fälliger Zeichnung und Färbung von alters
her auch zu feineren, mit Politur versehenen
Arbeiten, wie Säulen und Sockeln, Grab- und
anderen Denkmälern, zu verzierten Simsen
und anderen Ornamenten. — Zoll: Granit roh
oder nur behauen s. Tarif Nr. 234. 680.
Granitplatten, Steinmetzarbeiten usw. s. Tarif
Nr. 682/83. 685/87. 690/92.

Grape nuts, ein Nährmittel amerikanischen
Ursprungs, besteht aus einem zerkleinerten,
doppelt gebackenen Erzeugnis aus Mehl und
Wasser, nach Art der Kakes oder Biskuits.
— Zoll: S. Tarif Nr. 198/9.

Graphit (Reißblei, Wasserblei, Pott-
lot, lat. Plumbago, Graphites, frz. Graphite,
engl. Blacklead). Diese durch ihre vortreff-
lichen Eigenschaften ausgezeichnete, wegen
ihrer mannigfachen Verwendung wichtige, in
Form von Bleistiften unentbehrliche mine-
ralische Substanz steht insofern mit dem
Diamant in naher Verwandtschaft, als sie
wie dieser aus kristallinischem Kohlenstoff
besteht, allerdings von ganz anderer Kristall-
form. Der G. bildet teils aus sechsseitigen
Kristallen zusammengesetzte Tafeln, meistens
aber kugelförmige Massen von schuppig
blätteriger, oder auch mehr körniger Struk-
tur. Er ist grauschwarz, stark glänzend und
abfärbend. Der G. findet sich teils lager-,
teils nesterweise als Ausfüllung von Höh-
lungen und Gängen in Gneis-, Ton- und
Glimmerschiefer, und muß bei dem nicht
zahlreichen Vorkommen seiner Fundorte zum
Teil aus weiter Ferne herangeholt werden.
Er enthält gewöhnlich mehr oder weniger