﻿Graphit

164

Graupen

fremde Bestandteile, besonders Eisenoxyd,
Ton und Kalk beigemengt. Sehr rein er-
scheint der seit den dreißiger Jahren be-
kannte G. von Ceylon mit fast 99% Kohlen-
stoff und kleinen Resten von Kalk- und
Tonerde, während gerade der englische,
der die berühmten englischen Bleistifte lie-
ferte, sich jetzt weit unreiner zeigt und nur
etwa 54% Kohlenstoff neben 8% Eisen und
36% Ton und Kalk enthält. Die Fundgruben
dieses englischen Graphits, durch welche die
Engländer lange Zeit das Privilegium als
Lieferanten der besten Bleistifte hatten, und
in welchen zuweilen einzelne Nester eine
Ausbeute von mehr als 3000 Pfd. St. ergaben,
liegen bei Barrowdale in Cumberland, haben
aber gegenwärtig keine besondere Bedeutung
mehr, da die gute Sorte zur Neige gegangen,
und England jetzt selbst den Stoff von aus-
wärts einführen muß. Später hat sich sehr
guter G. in Südsibirien gefunden, dessen
gesamter Ertrag an die Fabersche Bleistift-
fabrik in Nürnberg abgeliefert wird, sowie
auch an den Ufern des Jenissei. Auch
Spanien, Ostindien und Kanada liefern guten

G.	In Deutschland findet sich G. besonders
in der Passauer Gegend in Bayern am
reichlichsten bei den Orten Pfaffenreuth und
Leuzenberg, dann bei Wunsiedel. Öster-
reich hat in mehreren Provinzen Lager, in
Niederösterreich, Böhmen, Mähren, Steier-
mark, Kärnten. Die beste Qualität findet sich
im südlichen Böhmen im Budweiser Kreis.
In Preußisch-Schlesien sind zwei Gruben, eine
kleine bei Sakrau und eine bei Jauer mit
mächtigem Lager eines guten, besonders zu
Schmelztiegeln tauglichen Graphits. 1878 hat
man auch auf Neuseeland (Provinz Welling-
ton) große Lager von trefflichem G. entdeckt.
— Die hauptsächlichste Verwendung findet
der G. zur Fabrikation der Bleistifte (s. d.).
Außerdem dient er in Verbindung mit feuer-
festem Ton zur Herstellung von Schmelz-
tiegeln, in Vermischung mit Fett als Schmiere
für Achsenlager, jetzt auch in Form von
Stiften, die nebeneinander in das Achsen-
lagermetall eingesetzt sind (Karbonstifte),
ferner zu Anstrichen, Kitten, zum Überziehen
von eisernen Öfen und in der Galvanoplastik
zum Leitendmachen von nichtmetallischen
Niederschlagformen. — Der G. ist unschmelz-
bar und, trotzdem er reinen Kohlenstoff dar-
stellt, sehr schwer verbrennlich. Ein Gemisch
von G. und feuerfestem Ton gibt eine
Schmelztiegelmasse, welche besser ist, als
der Ton allein oder vermischt mit Sand,
weil der G. dem Schwinden und Reißen im
Feuer entgegengewirkt und der Masse Be-
ständigkeit gegen sehr hohe Temperaturen
und gegen raschen Temperaturwechsel ver-
leiht. Graphittiegel sind daher bei Gold-
und Silberarbeitern, in Münzwerkstätten und
sonst in der Metallindustrie ein vielgebrauch-
ter Artikel. Sie dienen besonders auch zum
Schmelzen des Gußstahls und haben noch
die angenehme Eigenschaft, daß sie sich
wegen ihrer glatten Innenfläche rein aus-
gießen lassen. Die Passauer Tiegel werden

schon seit länger als hundert Jahren zu
Hafnerzell bei Passau aus dem dortigen un-
reinen, stark kiesel-, ton- und eisenhaltigen

G.	unter Zusatz von etwa der Hälfte feinem
Ton gefertigt. In neuerer Zeit verwendet man
auch Ceyloner G. Die Gefäße werden aus
dem steifen Teig gepreßt, aber nicht ge-
brannt, sondern nur lufttrocken gemacht, und
sind teils konisch, teils dreieckig geformt,
sowie von sehr verschiedenen Größen, öster-
reichische Graphittiegel kommen von Ips an
der Donau und aus Böhmen in den Handel.
—- G. ist zollfrei. G. in abgepaßten Tafeln,
Blöcken usw. s. Tarif Nr. 338. Schmelztiegel
Nr. 726.

Grassamen (Grassaat), ein bedeutender
Handelsartikel, wird von den Landwirten bei
zeitweisem Umbruch der Wiesen zur Neu-
einsaat, besonders beim Kunstwiesenbau ge-
braucht. Ferner bedarf die Landschafts-
gärtnerei zu der Herstellung von Zierrasen
ebenfalls alljährlich großer Mengen von G.,
so daß für diesen ein sehr beträchtliches
Absatzgebiet gesichert ist. Die Zucht von G.
geschieht in besonderen Handelsgärtnereien,
z. B. in Hessen, Bayern und Thüringen. Auch
wird der G. auf Wiesen und in Wäldern ge-
sammelt, und zwar besonders in Hessen bei
Darmstadt, wo ganze Gemeinden dadurch
ihren Unterhalt finden. Seitens der großen
Handelsgärtner erfolgt die Zucht der Gräser
zur Samengewinnung mit besonderer Sorg-
falt im Einzelbau auf oft großen Flächen, so
daß bei ihnen der Bezug reiner, unverfälschter
Waren und bestimmter Sorten sicher ist. Die
G. sind nicht leicht zu unterscheiden, da viele
Sorten ziemlich ähnlich sind und von den zur
Aussaat beliebten Samen verwandte Abarten
von geringerem Werte Vorkommen. Man hat
deshalb neuerdings besondere Samenkontroll-
stationen eingerichtet, und auch der Kauf-
mann wird gut tun, sich ihrer Hilfe zu be-
dienen, wenn er G. einer bestimmten Sorte
von kleinen Händlern oder Privatsammlern
eintauscht. Für den Handel mit von Handels-
gärtnern gekauften Samen ist zu bemerken,
daß die Gemische nach Boden und Meeres-
höhe verschieden sein müssen, da einzelne G.
besser in der Ebene, andere in der Höhe,
die einen auf bündigen, die anderen auf leich-
ten Böden usw. gedeihen. — Die Landwirte
ziehen sich zum Teil den G. selbst, und sehr
viele ergänzen den Wiesenbestand durch natür-
lichen Samenausfall. Außer den in Deutsch-
land gezogenen Sorten werden aus England
und Italien bedeutende Mengen eingeführt.
— Zoll: 2 M.

Graupen (frz. Froment mondö, engl. Pearl-
barley) bestehen aus dem von der Schale
und den Spitzen befreiten Inhalte von Ge-
treidekörnern und zwar so, daß entweder ein
einzelnes Korn nur eine Graupe geliefert hat,
oder daß der Kern erst in mehrere Stückchen
zerbrochen und diese zu feineren G. gerundet
worden sind. Am gewöhnlichsten sind die
Gerstengraupen, die in einigen Gegenden
auch Koch- oder Rollgerste genannt wer-
den. In geringerem Maße werden auch