﻿G renade

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Grünspan

Weizenarten auf G. verarbeitet. Das Graupen-
machen ist eine deutsche Erfindung- des
17. Jahrhunderts und wird sich zuerst auf die
gröbste Sorte, enthülste ganze Gerstenkörner,
beschränkt haben. Dies Enthülsen geschieht
auf einem besonderen Mühlwerk, dem
Graupengange, der nur einen einzelnen
Stern in seiner Ummantelung (der Zarge)
laufen hat. Dieser Stein ist aber nicht mit
einer breiten Fläche, sondern mit runder
Bahn gearbeitet und hier gerauht. Die den
Stein in nahem Abstande umgebende Zarge
ist an ihrer Innenseite mit Blech belegt, das
ganz wie ein Reibeisen scharf durchlöchert
ist. Es ist sonach ein von zwei rauhen Flä-
chen begrenzter ringförmiger Spalt vorhan-
den, in welchen das einfließende, auf die
Mitte des etwas gewölbten Steins fallende
Getreide gerät und durch den heftigen Lauf
des Steins so herumgerissen und gescheuert
wird, daß es bald seine Spitzen und Schalen
verliert. Das Mahlgut gelangt durch ein Loch
in der Zarge auf Siebe, durch welche es in
Graupen, Mehl und Kleie geschieden wird.
Für die feineren und kleineren Nummern, die
bei einem gewissen kleinen Kaliber Gräup-
chen oder Perlgraupen heißen, wird das
Getreide vorher gebrochen, und zwar jetzt
meistens zwischen scharf geriffelten Metall-
walzen. Die hier sich ergebenden, zum Teil
schon enthülsten Stückchen werden dann auf
entsprechend feineren Graupengängen ge-
rundet und geschliffen, und die verschiedenen
Größen auf Siebwerken schließlich sortiert.
— Zoll: S. Tarif Nr. 19.

Grenade (Grenadine), ein rotbrauner
Farbstoff, aus den bei der Anilinrotfabrikation
bleibenden unreinen Rückständen, wird als
billiges Farbmaterial für gemischte Farben
auf Wolle, Baumwolle, Seide und Leder be-
nutzt. Das G. ist zuweilen arsenhaltig. G.
und Grenat scheinen identisch zu sein. —
Zollfrei.

Grenadillholz, ein rotes Tischlerholz un-
bestimmter Abstammung aus Westindien, wird
auch rotes Ebenholz genannt. — Zoll:
S. Tarif Nr. 74 ff.

Grenadine. Ein meist künstlich gefärbter,
angeblich mit Hilfe von Granatäpfeln her-
gestellter Sirup zur Bereitung von Limonaden,
wird aus Frankreich eingeführt. — Zoll: S.
Tarif Nr. 213.

Grenadine. Mit diesem Namen bezeichnet
man eine feste Seide, die zu Spitzen, Posa-
mentierartikeln und ähnlichen Waren ver-
wendet wird, und außerdem gewisse halb-
seidene, gazeartige Stoffe. — Zoll: S. Tarif
Nr. 391.

Gries (frz. Gruau, engl. Grit), ein Mittel-
ding zwischen den feinsten Graupen und Mehl,
besteht aus kleinen Bruchstückchen des Ge-
treidekerns, die beim weiteren Vermahlen
Mehl liefern würden. Weizengries, die
Häutigste, in Küche und feiner Bäckerei viel
verbrauchte Ware, entsteht bei der heutigen
fW- des Mahlens immer, auch wenn es auf
Mehl abgesehen ist, beim ersten Durchgänge
des Getreides durch die Steine, weil man

hiermit zunächst nur die Körner zu entochälen
und den Inhalt gröblich zu zerbrechen be-
absichtigt. Erst später wird das Mahlgut in
Schalen, Mehl und Gries gesondert, und letz-
terer allein zu feinem Mehl (Griesmehl) wei-
ter vermahlen. Soll der Gries als Haupt-
produkt dargestellt werden, so ist nur der
Mahlgang so zu stellen, daß davon möglichst
viel, neben wenig Mehl, entsteht. Nach der
Entfernung von Mehl und Hülsen wird der G.
auf Siebwerken in verschiedene Feinheits-
nummern sortiert. Maisgries wird in den
Mais bauenden Ländern massenhaft erzeugt
und konsumiert, sowie in andere Länder aus-
geführt. Er ist von schön gelber Farbe und
bildet in Italien den Stoff zu der volkstüm-
lichen Polenta. Reisgries wird von fein ge-
schrotenem Reis gemacht. — Zoll: Gemäß

Tarif. Nr. 164. 175.

Grindelia robusta, eine bis 9 dm hoch wer-
dende kalifornische Pflanze aus der Familie
der Kompositen, welche einer kleinen
Sonnenblume ähnlich, aber mit einem kleb-
rigen, harzigen Überzüge bedeckt ist, soll
gegen Hautkrankheiten, Asthma, Fieber be-
nutzt werden. Man verwendet hierzu das
Kraut im blühenden Zustande (lat. Herba
grindeliae, frz. Herbe de grindelie, engl. Grin-
delia). — Zollfrei.

Grude, der bei der Braunkohlenschwelerei
zurückbleibende Koks, brennt langsam und
ruhig, gibt aber eine intensive Hitze. Er
ist eines der billigsten Heizmaterialien und
wird in besonders konstruierten Öfen (Grude-
öfen) gebrannt. Man bezieht ihn aus der
Gegend von Halle und Weißenfels. — Zollfrei.

Grünkern ist rheinischer, im Zustande der
beendigten Milchreife geernteter Spelz oder
Dinkel, welcher als Material zu vorzüglichen
Kraftsuppen in den Handel kommt. Die
Ähren werden im Backofen künstlich ge-

trocknet, die Körner auf besonderen Mühlen
geschält. — Zoll: Gern. Tarif Nr. 164.

Grünspan (Spanischgrün, Spangrün,
Kupferazetat, lat. Aerugo, frz. Verdet, engl.
Verdigris). Diesen Namen führen zwei Kör-
per, nämlich der grüne Überzug, der sich auf
metallischem Kupfer bildet, wenn dieses feuch-
ter Luft ausgesetzt wird, und welcher aus einer
Verbindung von Kupferoxydhydrat mit kohlen-
saurem Kupferoxyd besteht, und zweitens ein
aus Essigsäure und Kupferoxyd bestehendes
Präparat. Nur das letztere bildet einen Handels-
artikel und kommt, je nach der vorhandenen
Menge Essigsäure, in zwei Sorten vor, näm-
lich als gewöhnlicher G. in derben, mehr
blauen als grünen, in Wasser nur teilweise lös-
lichen Massen, und als kristallisierter,
unrichtig destillierter genannter G., in
dunkelgrünen, glasigen, in Wasser vollständig
löslichen Säulen. Das letztere Salz ist in che-
mischer Hinsicht als neutrales essigsaures
Kupferoxyd (Kupferazetat, Cupriaze-
tat), das letztere als basischer G. (basisch
essigsaures Kupfer) anzusprechen. Die
Erzeugung des gewöhnlichen G. ist seit
lange in den Weinbaugegenden Südfrank-
reichs heimisch, und zwar als Nebengeschäft