﻿Grünspan

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Guajakharz und -Holz

der einzelnen Weinbauer, von denen fast jeder
seinen eigenen Grünspankeller hat. Die dazu
nötigen Arbeiten sind meistens Sache der
Frauen. Die Bereitung beruht darauf, daß
Streifen von Kupferblech mit gärenden, Essig-
säuredämpfe entwickelnden Weintrestern in
Berührung, gebracht werden, und ähnelt somit
sehr der alten Methode der Bleiweißfabri-
kation. Die Weinbauern liefern den feuchten
G. sogleich an die Händler ab. Je nach dem
Wassergehalt unterscheidet man in Frankreich
steinharten, gewöhnlichen halbharten und
feuchten G., welcher oft noch 50°/o unge-
bundenes Wasser enthält. Die Ware kommt
in viereckigen Broten von 4—5 kg oder in
etwas kleineren Kugeln, zuweilen auch pulve-
risiert in den Handel und heißt im allge-
meinen Kugelgrünspan zum Unterschiede
von dem kristallisierten. Häufig finden sich
darin noch Reste von Trebern und andere
Unreinigkeiten. Auch sollen Beimengungen
von Gips, Schwerspat und dergl. nicht allzu
selten sein. Eine mehr fabrikmäßige, ra-
schere und rationellere Methode der Grün-
spanerzeugung, die sowohl in Frankreich als
auch in anderen Ländern in Gebrauch ist,
besteht darin, daß man abwechselnd Kupfer-
platten und mit Essig getränkte Flanellstücke
aufeinander schichtet. Die so erhaltene Ware
erscheint wirklich grün, während der gewöhn-
liche G. meist ein hellblaues, wenig grünliches
Aussehen hat und wie mit Partikelchen eines
fremden, weißen Körpers durchknetet scheint.
In trockenem Zustande widersetzt er sich
seiner Zerkleinerung mit einer gewissen Zähig-
keit. In Essig, Salzsäure und den übrigen
Mineralsäuren, wie in Ammoniak muß sich
guter G. völlig oder mit nur ganz geringem
Rückstände lösen. Der kristallisierte G.
(neutrales essigsaures Kupfer, Aerugo cry-
stallisatum) kann auch durch Umarbeiten des
gewöhnlichen, sowie auf dem Wege der dop-
pelten Zersetzung erhalten werden. Die er-
stere Methode ist die althergebrachte. Die
andere besteht darin, daß man Kupfervitriol
mit essigsaurem Kalk zersetzt, wobei sich
schwefelsaurer Kalk abscheidet, während aus
der Lösung neutrales Kupferazetat auskristalli-
siert. Wenn bei der Zersetzung nicht genug
Kupfervitriol angewandt wurde, um alles Kalk-
salz zu zerstören, so daß der Rest desselben
in die Kristallisation des G. mit eintritt, so
werden saphirblau gefärbte Kristalle er-
halten, welche an der Luft schnell verwittern,
weißlich und undurchsichtig werden. Das
reine Salz bildet tiefgrüne, glasige Kristalle,
die an der Luft auch allmählich verwittern
und dadurch ein staubiges Aussehen erhalten.
— Der G. findet hauptsächlich Verwendung in
der Zeugdruckerei und Färberei, besonders
beim Schwarzfärben, sowie als Beiz- und Ätz-
mittel. Der basische G. bildet eine gering-
wertige, wenig deckende Anstrichfarbe, der
kristallisierte eine gute durchsichtige Wasser-
farbe für Maler und Illuminieren In der
Pharmazie wird der G. nur noch selten und
auch nur äußerlich gebraucht, in größerer
Menge hingegen zur Bereitung des Schwein-

furter Grüns und ähnlicher giftiger Kupfer-
farben verwendet. — Die Handelsverhältnisse
des G. haben sich zur Zeit so gestaltet, daß
die deutschen Fabriken, die wohlfeiler und
sicher ebenso gut produzieren wie die fran-
zösischen, den inländischen Bedarf decken
und die Einfuhr aus Frankreich überflüssig
machen. — Zollfrei.

Grütze (frz. Gruau, engl. Groat), ein Fa-
brikat aus Gerste, Hafer oder Buchweizen,
in südlicheren Ländern auch von Hirse, be-
steht aus Stückchen von Körnern, die der
Größe nach zwischen Graupen und Gries
rangieren und durch grobes Schroten erhalten
werden. — Zoll: S. Tarif Nr. 164.

Guaco (Huacoblätter, lat. Folia guaco,
frz. Feuilles de guaco, engl. Guaco leaves)
besteht aus den Blättern und Stengeln der
Micania guaco, einer Pflanze Kolumbiens,
die in ihrem Vaterlaiide gegen Schlangenbiß
angewendet und bei uns als Mittel gegen
Cholera und Wasserscheu empfohlen wird.
Unter demselben Namen sind zuweilen auch
die Stengel der Aristolochia cymbifera in
den Handel gekommen. — Zollfrei.

Guajakharz und -Holz. Der Guajak-
baum (Guajacum officinale), ein zur Fa-
milie der den Rutaceen nahe verwandten
Zygophyllaceen gehöriger Baum, wächst
auf fast allen westindischen Inseln und hat
durch sein Holz und Harz ein medizinisches,
durch ersteres auch ein technisches Interesse.
Das Holz des Stammes und der Äste enthält in
zahlreichen feinen Kanälen reichliche Mengen
von Harz, das am lebenden Baume zum Teil
freiwillig ausquillt. Das Stammholz kommt
in großen, mehrere Zentner schweren Blöcken
in den Handel und heißt Pockholz, Fran-
zosenholz, Heiligenholz (lat. Lignum
guajaci, s. sanctum, frz. Bois de gayac, engl.
Guaiacum wood). Es erreicht eine Dicke
bis zu 3 dm und ist eines der schwersten,
härtesten und dichtesten Hölzer, das im
Wasser untersinkt und wegen des unregel-
mäßigen Verlaufs der Fasern schwierig zu
spalten ist. Die Farbe ist dunkel grünlich-
braun oder schwarzbraun, zuweilen gelblich
mit schwarzen Streifen. Der schmale Splint
ist weiß oder hellbräunlich und wird bei der
Bearbeitung entfernt. Auf dem harzglänzen-
den Querschnitt des Holzes sind durch die
Lupe die gefüllten Harzgefäße zu erkennen.
Erwärmt gibt es einen angenehmen, benzoe-
artigen Geruch von sich und läßt angezündet
Harz ausquellen, das mit Wohlgeruch ver-
brennt. Der Harzgehalt beträgt 20—25°/o-
Das Holz wird häufig zu Gegenständen ver-
arbeitet, die eine große Festigkeit haben
sollen. Allgemein ist seine Anwendung zu
Kegelkugeln. Außerdem macht man daraus
Zapfenlager für Maschinen, Hämmer und
Werkzeugstiele, Preßwalzen usw. — Die bei
der Bearbeitung abfallenden Späne kommen
mit zu dem geraspelten Guajakholz, das als
Lignum guajaci einen Artikel des Drogen-
handels bildet und teils für sich, häufiger mit
anderen Hölzern vermischt zu Holztee (Spe-
cies lignorum) als Blutreinigungsmittel ver-