﻿Guajakol	167	Guarana

wendet wird. -— Das Gua jakharz (lat. Resina
guajaci, frz. Rosine de gayac, engl. Guaia-
cum resin), kommt in zwei Sorten zum Ver-
kehr. Am wertvollsten ist das selbstausge-
flossene, in Tropfen oder Tränen oder in
kleinen, rundlichen Stückchen (in lacrymis).
Das geringwertigere G. in Massen (in massis)
wird gewonnen, indem man die gefällten
Stämme durchbohrt und ihren Harzgehalt
durch Feuer zum Ausfließen bringt, Späne
und Astholz dagegen mit Wasser auskocht.
Diese Sorte zeigt im Innern viele kleine
Hohlräume und ist mit Splittern und Rinden-
stückchen vermengt. Das Harz ist braungelb
oder grünlich, vom spez. Gew. 1,230—1,240,
sehr hart und spröde, die Primaware auf dem
Bruche glasglänzend und von bitterscharfem,
kratzendem Geschmack. Es löst sich inÄther,
90grädigem Weingeist, Chloroform, Kreosot,
Nelkenöl vollständig, in anderen ätherischen
und fetten ölen gar nicht oder nur teil-
weise. Erhitzt oder auf Kohlen geworfen,
gibt es einen der Benzoe ähnlichen Geruch.
Das gepulverte Harz und dessen frisch be-
reitete weingeistige Lösung besitzen die
Eigenschaft, durch vielerlei Einflüsse erst
grün, dann prachtvoll blau gefärbt zu werden.
Die Färbung erfolgt langsam schon an der
Luft, rasch durch oxydierende Stoffe, aber
auch durch Metallsalze und verschiedene
organische Substanzen. Reduzierende Mittel
heben die Färbung wieder auf. Die Ursache
der Färbung ist eine amorphe, etwa 70°/o des
Harzes ausmachende Säure, die Guajakon-
säure. Außerdem sind noch 10°/o kristalli-
sierbare Gua jakharzsäure vorhanden. Offi-
zinell wird das Harz teils als Tinktur, teils
in Emulsion innerlich gebraucht. Das meiste
Guajakharz kommt von Jamaika über Eng-
land in den Handel. — Zoll: Guajakholz s.
Tarif Nr. 79, Waren daraus s. Nr. 615ff.
Guajakharz ist zollfrei.

Guajakol, der Methyläther des Brenzkate-
chins, entsteht bei der trockenen Destillation
von Guajakharz, wird aber fabrikmäßig aus
dem Buchenholzteerkreosot, welches davon
60—90°/o enthält, dargestellt. G. erscheint im
Handel meist als eine farblose, stark licht-
brechende Flüssigkeit von angenehm aro-
matischem Geruch. Das spez. Gew. liegt bei
1,117 (15°), der Siedepunkt bei 200—202°.
Im reinsten Zustande bildet es rhombische,
bei 31° schmelzende Kristalle, von denen
die Firma Heyden-Radebeul auf der Natur-
forscherversammlung in Dresden 1907 pracht-
volle Exemplare ausgestellt hatte. G. ist in
Wasser schwer, in Äther und Alkohol leicht
löslich. Die alkoholische Lösung gibt mit sehr
■wenig Eisenchlorid eine blaue Färbung, die
a. weiteren Zusatz von Eisenchlorid grün
wird. Das reine G. wie das Guajakolkar-
Donat werden an Stelle des Kreosots gegen
1 uDerkulose verordnet. Die übrigen zahl-
reichen Derivate, wie Guajakolbenzoat,
Gua]ako 1 sa 1 izy 1 at usw. vereinigen die Wir-
kung ihrer einzelnen Bestandteile. — Zollfrei.

Guano nennt man eine Reihe natürlicher
Düngemittel, welche der Hauptsache nach j

aus den seit Jahrtausenden angesammelten
Exkrementen von Seevögeln bestehen und
in zahlreichen, sowohl nach Aussehen, wie
chemischer Zusammensetzung verschiedenen
Sorten zum Verkehr gelangen. Die Verschie-
denheiten werden teils durch das Alter der
Ablagerungen, teils das Klima des Fundortes
bedingt. In regenarmen Gegenden bleiben
dem Guano alle wasserlöslichen Bestandteile
erhalten, die an anderen Orten durch den
Regen ausgewaschen und fortgeschwemmt
werden, so daß hier nur die unlöslichen
Mineralstoffe, namentlich Kalkphosphate, Zu-
rückbleiben. Nach ihrer Zusammensetzung
unterscheidet man stickstoffreiche und stick-
stoffarme Sorten und betrachtet als wichtig-
sten Vertreter der ersteren den Peruguano.
Dieser kommt seit der Erschöpfung der
reichsten und wertvollsten Lager auf den
Chinchasinseln, Angamos und Guanapö haupt-
sächlich von den peruanischen Inseln Pabillon
de Pica, Huanillos und Punta de Lobos, doch
sollen auch minderwertige Vorkommnisse von
Bolivia und Chile als Peru-G. in den Handel
kommen. Der echte Peru-G. ist eine lehm-
gelbe oder bräunliche, teils erdig-krümliche,
teils klumpige Masse, welche wegen ihres
durchdringenden Ammoniakgeruchs fast nur
von Chinesen abgegraben und verarbeitet
wird. Die Anglo-continentalen (vorm. Ohlen-
dorffschen) Guanowerke in Hamburg, London,
Antwerpen, Emmerich und M. H. Salomon-
sohn in Rotterdam und Düsseldorf bringen
ihn in gemahlenem Zustande in den Handel.
An wertbestimmenden Stoffen enthält er 4 resp.
7°/o Stickstoff und 10 resp. 14°/o Phosphor-
säure. Zur Erleichterung der Assimilierbar-
keit wird der Peru-G. jetzt meist mit Schwefel-
säure behandelt und als aufgeschlossener
Peru-G. verkauft. Von anderen stickstoff-
haltigen, aber geringwertigeren Sorten sind
noch der Ischaboe-G. von Südwestafrika,
der ägyptische und patagonische G. zu
erwähnen. Unter den stickstoffarmen, dafür
aber phosphorsäurereicheren Sorten spielt
der Baker-G. von der Bakerinsel im Stillen
Ozean, eine erdige, lehmfarbige, geruchlose
Masse, die Hauptrolle. Daneben wird der
Saldanhabay-, Jarvis-, Bolivia- und
Sombrero-G. gehandelt. Alle diese bis 40°/o
Phosphorsäure enthaltenden Guanos werden
meist in aufgeschlossenem Zustande, als Super-
phosphate, verbraucht. Zum Schutz gegen
die häufigen Verfälschungen empfiehlt es
sich, die Garantie an Stickstoff und Phos-
phorsäure durch eine Analyse kontrollieren
zu lassen. Zum Schutz gegen Wasseran-
ziehung muß der Peruguano trocken ge-
lagert werden. Fischguano, Walfisch-G.,
Granat-G. führen ihren Namen zu Unrecht,
da sie nicht aus Vogelexkrementen bestehen.

— Zollfrei.	,	_

Guarana (lat. Pasta guarana, irz. Guarana,
engl. Guarana paste), eine aus Brasilien ein-
geführte Paste, welche von den Eingeborenen
am Amazonenstrome aus den Samen von
Paullinia sorbilis, einem zu den Sapin-
daceen gehörigen Baume teils zum eigenen