﻿Gummigurt

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Gurjunbalsam

eine Auslese des Besseren, doch ohne Rück-
sicht auf Farblosigkeit, und enthält die sonst
schönen gelblichen und rötlichen Stücke.
Auch im gepulverten Zustande kommt das
Gummi in den Verkehr, enthält dann aber
öfter Unreinigkeiten. Übrigens werden
gefärbte Sorten jetzt auch gebleicht und da-
durch in albissimum verwandelt. Gewöhnlich
geschieht dies vermittels einer Lösung von
schwefliger Säure in Wasser, mit welcher
die Gummilösung bis zur Entfärbung be-
handelt wird. Durch Zusatz von kohlensaurem
Baryt, bis keine Gasblasen mehr auftreten,
wird dann die Säure aus der Lösung entfernt,
diese geklärt und durch eine Schicht frisch
gefällten Tonerdehydrats filtriert. Wenig ge-
färbte Sorten können schon durch dies letzte
Mittel allein völlig gebleicht werden. — In
chemischer Hinsicht besteht das Gummi arabi-
kum vorwiegend aus Arabin, einer Verbin-
dung der Arabinsäure mit Kalk oder Magnesia,
und unterscheidet sich dadurch vom Kirsch-
gummi, welches Metarabinsäure (Cera-
sin), und dem Tragant, welcher Bassorin
enthält. Die Verwendung des Gummi ist
bedeutend und ungemein vielseitig. Alle nicht
zu pharmazeutischen Zwecken benutzten Sor-
ten werden Fabrikgummi genannt. In
Zeugdruckereien dient es, soweit es nicht
durch das Dextrin ersetzt ist, zur Verdickung
der Farben, in Kattun- und Seidenfabriken
zum Appretieren, ferner als Zusatz zu Schreib-
tinten und als Kleb- und Bindemittel zu Post-
marken, Etiketten, Tusch- und Wasserfarben,
Zündholzmasse usw. Im Steindruck ist der
Stoff unentbehrlich, so daß ohne ihn diese
Druckart gar nicht existieren würde. In der
Medizin dient er zur Darstellung von Husten-
zucker, Gummischleim und -sirup, und als
Bindemittel für Pillen. Auch in Kondito-
reien findet das G. Verwendung. — Zollfrei.

Gummigutt (Gutti, lat. Gummi s. Resina
guttae, frz. Gomme gutte, engl. Gamboge).
Dieser zu den Gummiharzen gehörige Stoff
ist ein eingetrockneter Baumsaft von ver-
schiedenen, nicht sicher bekannten Arten
der Gattung Garcinia, die in Hinterindien,
Mysore, auf Ceylon und Borneo wachsen.
Das G. enthält neben 70—80°/o gelben Harzes
nur 25—30°/o Gummi. Die in Europa käuf-
liche Handelsware kommt aus Siam, meist
über Singapore und Kanton nach London.
Man unterscheidet zwei Sorten G.: Röhren-
gutti als Primaware und G. in Kuchen oder
formlosen Klumpen (Kuchen gutti). Das
erstere bildet 2%—4V2 cm dicke und bis
4V2 dm lange volle oder auch hohle Zylinder
nnd hat seine Form von Bambusrohren, in
welchen der vom Baume abgezapfte Saft
aufgefangen oder in welche er hineingeschüttet
wlr Diese Stücke sind auf der Oberfläche
gewöhnlich striemig, da sich die Innenseite
des Bambus an ihnen abgeformt hat, und mit
emern grünlichgelben Staube bedeckt. Auf
dem Bruch erscheint diese Sorte orangegelb,
ohne Poren, großmuschelig und matt glän-
zend, gepulvert oder mit Wasser verrieben
hingegen rein gelb. Die Ware in Kuchen oder

Klumpen, die oft über X kg schwere Stücke
bildet, ist geringerer Qualität, äußerlich meist
ziemlich dunkelbraungelb und hat einen
rauhen, nicht glänzenden Bruch mit vielen
Poren. Das Gelb des Pulvers ist nicht so rein,
mehr ins Bräunliche fallend, die Masse durch
Sand, Holzstückchen u. dgl. verunreinigt und
enthält häufig als Verfälschung Stärkemehl.
G. wird als gelber Farbstoff technisch, in
geringerem Maße auch medizinisch als stark
abführendes Mittel gebraucht und ist in größe-
ren Gaben giftig. Infolge der verschiedenen
Natur seiner beiden Bestandteile ist das G.
weder in Weingeist noch in Wasser allein
völlig löslich. Der erstere löst nur das har-
zige Gelb und hinterläßt das Gummi, während
Wasser umgekehrt wirkt. Es gibt daher keine
wirkliche Lösung dieses Stoffs in Wasser,
sondern nur, wenn beide miteinander ver-
rieben werden, ein emulsionsartiges Gemisch
von Gummilösung mit fein verteiltem Gelb-
harz. G. wird als Aquarellfarbe, in der Fabri-
kation bunter Papiere usw. gebraucht, in
welchem Falle dann das Gummi das Binde-
mittel abgibt. Die weingeistige Lösung dient
zum Gelbfärben von Lacken (Goldfirnis). —
G. ist zollfrei.

Gurjunbalsam (Ostindischer-, Capivi-
b als am, lat. Baisamum gurjunae, Baisamum
capivi, frz. Baume de Copahu d’Inde, engl.
Wood-oil). Dieser dem Kopaivabalsam ähn-
liche Harzsaft stammt von verschiedenen
Bäumen der Gattung Dipterocarpus, be-
sonders von D. turbinatus, alatus und
incanus und kommt sowohl vom ostindi-
schen Festlande wie auch von den Inseln
zum Verkehr. G. bildet eine dickflüssige, bei
auffallendem Lichte grünlich-grau fluores-
zierende, bei durchfallendem Lichte rötlich-
braun durchsichtige Masse von Kopaivabal-
sam ähnlichem Geruch. In Chloroform, Petrol-
äther, Schwefelkohlenstoff, Azeton, Alkohol
ist er vollständig oder doch größtenteils lös-
lich. Das spez. Gew. bei 15° beträgt 0,958
bis 0,964. Als Hauptbestandteile sind 70%
eines stark linksdrehenden, ätherischen Öles,
weiter Harz und ein Bitterstoff isoliert wor-
den. G. wird medizinisch innerlich und äußer-
lich gegen Hautausschläge, technisch zur Her-
stellung von Firnissen, als Fußbodenöl und
zur Verfälschung des Kopaivabalsams be-
nutzt. Der Name Wood-oil (Holzöl) kann zu
Verwechslungen führen, da mit diesem auch
andere Stoffe, so das Aleurites-Öl, das fette
Sandelholzöl und der Hardwickia-Balsam
von Hardwickia pinnata belegt wird. Zur
Unterscheidung des G. von Hardwickia- und
Kopaivabalsam soll man nach Flückiger oder
Hanbury folgendermaßen verfahren: Ein
Tropfen Balsam wird mit 19 Tropfen
Schwefelkohlenstoff gemischt, und darauf ein
Tropfen einer Mischung gleicher Teile konz.
Schwefelsäure und Salpetersäure hinzuge-
geben. Hierdurch wird Kopaiva-B. unter
Abscheidung eines kristallinischen Nieder-
schlages rotbraun, G. purpurrot, dann violett,
während Hardwickia-B. unverändert bleibt.
— Zollfrei.