﻿Gurke

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Guttapercha

Gurke (frz. Concombre, engl. Cucumbre),
ein Erzeugnis der Gärtnerei und des Feld-
gemüsebaues, welcher besonders in der Pro-
vinz Sachsen, Naumburger Gegend und an-
grenzenden Ländern, ferner in Mähren große
Flächen dem Gurkenbau widmet und das vor-
züglichste Handelsgut liefert. Die G. verlangt
Wärme und Sonnenschein und versagt bei
Nässe, stürmischem Wetter und Kälte, beson-
ders in der ersten Entwicklung. Je früh-
zeitiger die G. zum Markt gebracht werden
kann, um so höher ist der Preis. Doch kom-
men hierfür nur durch Treibhauskultur oder
in warmen Ländern (Algier) erzeugte Früchte
zur Verwendung. Für den Großhandel kom-
men nur die zum Einmachen bestimmten
Herbstgurken in Betracht. Sie werden
in Massen auf Märkten oder bei den Bauern
aufgekauft und auf verschiedene Weise kon-
serviert. Je nach der Art des hierzu be-
nutzten Verfahrens unterscheidet man fol-
gende Arten: Sauere oder Salzgurken,
wozu nur mittelgroße, nicht zu reife, noch
etwas harte, fleckenlose Stücke geeignet sind,
bilden, in Fässer eingelegt, einen Gegen-
stand nicht nur des Kleinhandels, sondern
auch des Großhandels; Senfgurken, wozu
man die größten und reifsten, schon etwas
gelb gewordenen Stücke nimmt, und zum
Einlegen von Schale und Samenkemen be-
freit; Pfeffergurken, höchstens fingerlange
junge, noch unreife, im Vorsommer zu sam-
melnde Stücke; Zuckergurken, grüne,
mittelgroße, feste Ware. — Die G. ist leicht
der Fäulnis ausgesetzt und muß deshalb sorg-
fältig aufbewahrt und nur in voll gefüllten,
mit einer starken Schicht von Blättern und
Gewürzen, Esdragon, Pfefferkraut, Dill, Fen-
chel usw. bedeckten Fässern versendet wer-
den. Die Salzlake oder der Essig, in welchem
sie eingemacht sind, muß zeitweise erneuert
werden, wenn sie längere Zeit aufbewahrt
werden sollen. Der Aufbewahrungsort muß
kühl und luftig, und frei von allen üblen
Gerüchen sein. Ausgeführt werden G. nach
England, eingeführt als frische Ware in die
Großstädte, besonders von Frankreich und
Holland. Der Verbrauch ist besonders im
Norden sehr bedeutend. — Frische G. sind
zollfrei. Nur mit Salzwasser in Fässer, Töpfe
usw. eingelegte G. gern. Tarif Nr. 37; mit
Essig, Gewürzen usw. eingemachte, sowie alle
in hermetisch verschlossenen Büchsen ein-
gehende Nr. 216. 219.

Guttapercha (lat. Gutta percha, Gutta get-
tania, frz. und engl. Guttapercha) ist gleich
dem Kautschuk der koagulierte Milchsaft
eines Baumes, und beide Stoffe sind ihrer
chemischen Natur nach nahe verwandt, in
ihren hauptsächlichen physikalischen Eigen-
schaften jedoch wesentlich verschieden. Denn
während Kautschuk sich durch seine vor-
zügliche Elastizität auszeichnet, die der G.
abgeht, besitzt diese die Eigenschaft, durch
bloße Wärme so bildsam zu werden, daß sie
sich leicht in jede Form bringen läßt, und
nach dem Erkalten sogleich wieder ihre
frühere Konsistenz und Zähigkeit anzuneh-

men, in welcher sie mit Holz, Horn, Leder
und anderen derartigen Stoffen sich in Ver-
gleich stellt. Die Guttaperchabäume gehören
zu der Familie der Sapotaceen, und zwar
kommen vor allem in Betracht: Palaquium
Gutta Burck jetzt nur noch kultiviert, Pala-
quium oblongif olium und borneense auf
Borneo, Malaka, Sumatra, ferner Payena
Leerii Benth. et Hook aus denselben
Standorten, auch von Sumatra und Amboina
kommend, u. a. Diese Bäume haben in
Ostindien auf Festland und Inseln ein ziem-
lich großes Verbreitungsgebiet. Von Singa-
pore aus, in dessen Sumpfwaldung die Aus-
nutzung begonnen, finden sie sich in nörd-
licher Richtung bis Penang, südlich bis auf
die Ostküste von Sumatra und Java, öst-
lich bis Borneo. Als die starke Nachfrage
von Europa dem Gegenstände einen hohen
Wert verlieh, begann die Durchsuchung und
Ausbeutung der Wälder durch Scharen von
Indiern, Malaien und Chinesen. In dieser Zeit
sind Hunderttausende von Bäumen umge-
schlagen worden, um schneller in Besitz des
Saftes zu kommen. Man hat jetzt das un-
wirtschaftliche Verfahren verlassen und zapft
die Bäume nur durch Einschnitte und Weg-
nahme eines Stückes Rinde an. Auch ist
man, um den steigenden Bedarf decken zu
können, vielfach zu Neuanpflanzungen ge-
kommen und bewirtschaftet diese rationell.
Der ausfließende und in Gefäßen aufgefan-
gene Saft hat die täuschendste Ähnlichkeit
mit Kuhmilch, gerinnt aber an der Luft bald,
indem sich die eigentliche G., gleich dem
Käsestoff aus der Milch, klumpig ausscheidet.
Die geronnene Masse wird mit den Händen
zusammengeknetet und dem Trocknen über-
lassen, worauf sie als Rohware fertig ist.
Sie kommt in den Handel in viereckigen, 10
bis 20 kg schweren, im Innern sehr porösen
Blöcken, die nur schwierig zu zerteilen sind,
am besten noch durch Sägen, und in be-
quemerer Form in kurzen Spänen, in welche
die Blöcke auf Maschinen zerrissen worden
sind. Die Blockware enthält noch die sämt-
lichen Unreinigkeiten, Rindenstückchen, Holz-
splitter, Fasern, Erde, Steinchen, welche in
der Masse nie fehlen. — Zur Herstellung der
im Handel befindlichen gereinigten G. ge-
schieht die Reinigung maschinenmäßig, und
zwar nach verschiedenen Methoden. Man läßt
z. B. durch Schneid- oder Reißwalzen den Stoff
in dünne Späne zerteilen, während beständig
Wasser darauf fließt, rührt die Späne in vieles
Wasser ein, wobei schwerere Verunreinigungen
untersinken. Nach dieser kalten Reinigung
oder auch ohne dieselbe wird der Stoff in
irgendeiner Weise heiß behandelt, von Walz-
werken geknetet, in Blätter oder Fäden aus-
gezogen, gewaschen, in Knetmaschinen wieder
verdichtet und dann zu verkäuflichen Platten,
Blättern, Röhren und Schnüren ausgewalzt
oder gepreßt. Das Reinigen ist bei diesem
Stoff die Hauptsache, aber auch das Schwie-
rigste, und an der Kaufware in sehr ver-
schiedenem Grade gut oder schlecht aus-
geführt. Selbst die bestgereinigte G. hinter-