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läßt aber, wenn sie aufgelöst wird, eine
Menge fein zerteilter Unreinheiten. Durch
langes, fortgesetztes Kneten kann die Masse
so verfeinert oder verdichtet werden, daß sie
sich auf der Drehbank bearbeiten läßt. Durch
starke Pressung wird sie in ihrer Haltbarkeit
Sanz beträchtlich verbessert. — Die rohe G.
in Blöcken zeigt eine gelbrötliche oder gelb-
lichweiße Färbung, marmoriertes Aussehen
und eine faserige, schichtenweise Struktur.
Durch fortgesetzte Bearbeitung im weichen
Zustande mittels Kneten oder Walzen verliert
sich das faserige Gefüge, und die Masse wird
ganz homogen und mehr pder weniger dunkel-
braun. Diese Umwandlung erfolgt rascher
und vollständiger in trockener Wärme, wie
sie bei der Knetung mittels Maschinen ange-
wandt wird. Auch die Formung der Masse
zu Platten und Blättern erfolgt immer nur
auf trockenem Wege. Bis auf 60° C erwärmt,
wird sie schon so weich, daß sie sich kneten
und leicht in jede Form bringen läßt. Auf
kochendem Wasser wird sie noch weicher und
fadenziehend, nimmt aber auch dann noch
beim Erkalten ihre vorige Beschaffenheit wie-
der an. Trocken bis zum völligen Schmelzen
erhitzt, erleidet sie eine teilweise Zersetzung
und kehrt ebensowenig wie Kautschuk in
den normalen Zustand zurück. Der trockenen
Destillation unterworfen, gibt sie ein flüch-
tiges Öl, welches ein gutes Lösungsmittel für
die G. selbst ist. Ebenso gut löst sie sich
in Chloroform, Schwefelkohlenstoff und
Benzin. Weingeist löst sie hingegen nicht,
sondern zieht nur etwas wachsartigen Stoff
aus und dient bei der Darstellung vollkom-
men gereinigter G. als Fällungsmittel. Zur
Ausfüllung hohler Zähne und Anfertigung
künstlicher Gebisse wird der Stoff in
völliger Weiße und Reinheit hergestellt, in-
dem man ihn in 20 Teilen Benzol löst, die
Lösung klärt, und dann mit dem doppelten
Volumen Alkohol mischt. Die G. scheidet sich
hierbei blendend weiß aus. Man kann auch
Chloroform verwenden, doch stellt sich dieses
Verfahren teurer. Diese gereinigte G.
(Guttapercha depurata alba) wird ge-
knetet, in Stengelchen geformt und getrocknet.
Man bewahre sie unter Wasser auf, um sie vor
Oxydation zu schützen. — Gegen Schwefel
verhält sich die G. ganz wie Kautschuk, in-
dem sie sich vulkanisieren, d. h. in der
Hitze mit demselben verbinden läßt. Sie
verliert dadurch die Eigenschaft, in der
Wärme wieder zu erweichen, widersteht allen
vorgenannten Auflösungsmitteln und wird
überhaupt bei starkem Schwefelzusatz dem
gehärteten (hornisierten) Kautschuk durchaus
ähnlich, so daß für die meisten derartigen
Waren wohl dieser letztere Stoff als der wohl-
teuere in Anwendung kommt. Durch Zu-
sammenkneten lassen sich der G. natürlich
eme ganze Menge Stoffe einverleiben, sei es,

Guttapercha

um sie zu färben, in ihren Eigenschaften zu ver-
ändern oder nur ihr Volumen zu vergrößern.
Verwendung: Die G. findet außerordentlich
mannigfaltige und ausgedehnte Verwendung.
Vor allem dient sie zur Umkleidung von
unterseeischen Telegraphenleitungen, weil es
wegen der gänzlichen Undurchdringlichkeit der
gut verdichteten Masse für Wasser und Elek-
trizität keinen anderen isolierenden Stoff von
gleicher Brauchbarkeit gibt. Ja die Leitungen
durch Meere hindurch wären ohne denselben
wahrscheinlich nicht möglich geworden. Die
G. widersteht weiter der Einwirkung von alka-
lischen und sauren Stoffen (z. B. Fluorwasser-
stoffsäure), mit Ausnahme starker Schwefel-
und Salpetersäure, und wird daher zur Her-
stellung von Röhren zur Leitung und von
Gefäßen zum Aufbewahren stark ätzender
Flüssigkeiten benutzt. Besonders in Labo-
ratorien, bei Photographen usw. sind solche
Wannen und Küvetten häufig im Gebrauch.
Sohlen für Schuhwerk werden mit einer
dicken Guttaperchalösung aufgeklebt. Dünne
Blätter zu luftab halt enden Verschlüssen und
zum Einpacken von allerhand Waren, die
vor Feuchtigkeit zu schützen sind, z. B. photo-
graphischen Platten und Papieren, Formen
für galvanoplastische Niederschläge, sog. Ma-
tritzen werden vielfach aus G- hergestellt.
Die G. nimmt, im erwärmten Zustande auf
einen Gegenstand gepreßt, die feinsten Ein-
drücke auf und hält sie fest. Auch dient sie
zur Herstellung von Guttaperchakitten für
Lederriemen, oder von Kitten von Leder auf
Holz oder Metall, von Schienen für chirur-
gische Zwecke, bei Arm- und Beinbrüchen.
Lösungen von G. dienen zur Wasserdicht-
machung von Leder u. dgl. — In Form von
dünnen Blättern als Guttaperchapapier wird
sie zum Verbinden z. B. bei Prießnitzumschlä-
gen verwendet. Da Guttaperchapapier
namentlich in der Kälte und bei längerem
Lagern leicht brüchig wird, verwahre man es
bei Zimmertemperatur, von Luft abge-
schlossen, auf. — Traumatizin, eine Auf-
lösung von weißer Guttapercha in Chloro-
form, wird ähnlich dem Kollodium, für Schnitt-
wunden z. B., verwendet. — Die gewöhnliche
G., als der beste Nichtleiter der Elektrizität,
ist ebenso sehr befähigt, durch Reibung selbst
stark elektrisch zu werden, und findet auch
in diesem Sinne Anwendung, z. B. anstatt der
Harzkuchen an Elektrophoren. Die G. hat
leider den Fehler, vom Sauerstoff angegriffen
und so verändert zu werden, daß sie zer-
bröckelt und in Staub zerfällt. Ihrer che-
mischen Zusammensetzung nach ist sie ein
Gemenge verschiedener Kohlenwasserstoffver-
bindungen. — Zoll: Guttapercha roh oder
gereinigt zollfrei. Guttaperchakitte: 3 M.
Guttaperchapapier: 5 M. Guttaperchawaren s.
Tarif Nr. 570 ff.