﻿Haare

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Hagebutten

H.

Haare (frz. Cheveux, engl. Hair). Die H.
verschiedener Tierarten, wie vom Biber, Ha-
sen, Kaninchen, Roß, Ziegen usw. werden
namentlich in der Pinsel- und Bürstenfabri-
kation vielfach verwendet. Roßhaare dienen
zur Herstellung von Polstermaterial und Ge-
spinstwaren. — Zoll: S. Tarif Nr. 145 und
146. 413. 415 ff.

Haarfärbemittel. Die früher benutzten H.
enthielten neben organischen Verbindungen
meist Blei- und Kupfersalze. Seitdem aber
durch das Farbengesetz vom 5. VII. 1887 (s.
Farben) die Verwendung giftiger Metalle zur
Herstellung kosmetischer Präparate verboten
ist, kommen vorwiegend ammoniakalische
Silberlösungen für sich oder in Verbindung
mit Pyrogallol zum Verkehr. Diese Mittel
sind nicht zu beanstanden. Hingegen ist vor
dem Gebrauch einiger neuerer H., wie Phoe-
nix, Teinture africaine, Eau de Raffah, Kronen-
Nußextrakt-Haarfarbe, Nutin ausdrücklich zu
warnen, weil diese das giftige Paraphe-
nylendiamin enthalten und in verschiedenen
deutschen Bundesstaaten durch Verordnungen,
in der Schweiz durch Gesetz verboten sind. —
Zoll: 300 M.

Haargewebe (Haartuch, frz. Tissus de
crin, engl. Hair scating). Aus Haaren wer-
den vielfach im Gemisch mit anderen Fasern
verschiedenartige Stoffe, z. B. Decken, Tep-
piche, wasserdichte Mäntel usw. hergestellt.
Die sog. Haardecken, Haarziechen be-
bestehen aus den kürzeren Haaren von Pfer-
den und Rindern und dienen zur Herstellung
von Packtuch, ordinären Fußteppichen,
Pferde- und Schiffsdecken, Preßtüchern beim
Ölschlagen und Regenmänteln. Aus den langen
Haaren der Pferdeschweife werden die Roß-
haarstoffe, welche besonders als Siebböden
vielfache Anwendung findeh, hergestellt. Die
verschiedenen Nummern der letzteren führen
besondere Namen, wie Pfefferböden, Safran-
böden, Pulver-, Müllerböden und dienen zum
Absieben verschiedener Sorten von Mehl,
Gries, Gips, Schießpulver, feinen Gewürzen,
Drogen und Vegetabilien. Für andere Zwecke
sind die Roßhaargewebe gewöhnlich ge-
mischte Stoffe (Haartuch) mit baumwollener
Kette und Einschuß von Haaren. Sie finden
Verwendung in Verbindung mit Stroh oder
Manilahanf als Einlage in Halsbinden, als
bauschende Unterfutter, zu Mützen, Beutel-
tuch und Damenhüten. — Zoll: S. Nr. 484ff.,
504/6. 516. 580.

Haarstrangwurzel (lat. Radix peucedani,
frz. Racine de peucedane, engl. Peucedanum
root), die unangenhem riechende Wurzel von
Peucedanum officinale, wird in der Tier-
heilkunde gegen Schafräude benutzt. — Zoll-
frei.

Haarwuchsmittel. Neben vielen unschäd-
lichen aber wertlosen Präparaten werden in
letzter Zeit eine Reihe bedenklicher Fabri-

kate vertrieben, welche Pilokarpin, Veratrin
oder Kantharidin enthalten und z. T. bösartige
Hautentzündungen hervorgerufen haben. Be-
sonders sind solche nach dem Gebrauche von
Craven-Burleighs H. beobachtet worden. —
Zoll: S. Tarif Nr. 389.

Haematogen, ein Nähr- und Kräftigungs-
mittel aus defibriniertem Blut, welches als
Geschmackskorrigens und zur Erhöhung der
Plaltbarkeit einen Zusatz von Glyzerin er-
halten hat. — Zoll: S. Tarif Nr. 217.

Hafer (lat. Avena, frz. Avoine, engl. Oats),
eine zu den Zerealien gehörende Pflanze,
gedeiht in den nördlichen Gegenden Europas,
Asiens und Amerikas, besonders in Schott-
land, an den Küsten der Nord- und Ostsee
und auf höheren Gebirgen Mitteleuropas und
wird in zahlreichen Arten angebaut. Die
meisten derselben gehören botanisch zu dem
gemeinen oder Rispenhafer (Avena
sativa) oder, wie der Türkische, Kamm-
oder Fahnenhafer zu A. orientalis, wäh-
rend der kurze H. oder Sperlingsschna-
bel (A. brevis) nur selten kultiviert wird
und meist wild wächst. H. wird im Norden
nur als Sommerfrucht, in südlicheren Gegen-
den auch als Winterfrucht gebaut und geht
bis zu einer nördlichen Breite von 67° und
in der Schweiz bis zu Höhen von 1700 m.
Er ist die anspruchsloseste Getreideart, liefert
selbst auf schlechtem Boden noch einen Er-
trag und hat eine Reifezeit von 110—150
Tagen. Als mittlere Ernte rechnet man pro ha
25—32 hl Körner, im Gewicht von 31—50 kg
pro hl, und 10—35 Ztr. Stroh. Der H. unter-
scheidet sich von den übrigen Getreidearten
durch seinen ziemlich hohen Fettgehalt, wel-
cher bis zu 10 o/o steigt, und enthält im Mittel
ca. 13°/o Wasser, 10% Protein, 5% Fett,
10% Rohfaser, 3% Salze und 60% Kohlen-
hydrate. Die Körner bilden das Hauptfutter
für Pferde, aber auch für Geflügel und Rind-
vieh. Das Mehl wird neuerdings vielfach zur
Herstellung von Kindermehlen (Nestle,
Kufeke), Haferkakao und ähnlichen Präpa-
raten, seltener zur Brotbereitung benutzt. Die
Hafergrütze (Quaker oats, lat. Avena ex-
corticata, frz. Gruau d’avoine, engl. Oats
groats), das Hauptnahrungsmittel der Schot-
ten, dient zur Herstellung von Brei und
Suppen, in geröstetem Zustande in England
zur Bereitung eines kühlenden Getränkes und
zu medizinischen Zwecken. — Zoll: S. Tarif
Nr. 4. Kindermehle: Nr. 212. Hafergrütze:
Nr. 164.

Hagebutten (Hainbutten, lat. Fructus
cynosbati, frz. Fruit du rosier sauvage, engl.
Hips) sind die reifen roten, getrockneten
Früchte der Hundsrose, Rosa canina.
Von den zahlreichen Samenkörnchen befreit,
werden sie in der Küche zu Saucen und
Suppen, sowie medizinisch verwendet. — Die
Samen (lat. Semen cynosbati, frz. Semences