﻿Haifisch

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Hanf

de fruit du rosier sauvage, engl. Wild-dog-
rose-seeds) werden medizinisch als harn-
treibendes Mittel und als Kaffeesurrogat be-
nutzt — Zollfrei.

Haifisch. Von den zahlreichen Arten des

H.:	Hundshai (Scyllium canicula),

Katzenhai (Scyllium catulus), Blauhai
'V\r.c'larias glaucus) u. a. wird haupt-
sächlich die rauhe Haut (s. Fischhaut) als
Pohermittel benutzt. Die Rückenflossen (Hai-
fischflossen) gelten den Chinesen als Deli-
katesse und werden von ihnen, ebenso wie
das in Streifen geschnittene und eingesalzene
Fleisch, als Nahrungsmittel verwertet. In
Europa wird die Leber zur Trangewinnung
benutzt. 'Haifischtran wird öfters dem
Dorschlebertran zugemischt, doch läßt sich
diese Verfälschung durch die Kälteprobe leicht
feststellen (s. Lebertran). Das Fleisch dient als
Viehfutter, sowie zur Herstellung von Dünge-
mitteln (Haifischguano). — Zoll: Leber-
tran s. Tarif Nr. 131, Fischguano zollfrei.

Hai-Thao, eine aus Kotschinchina stam-
mende getrocknete Meeresalge, welche als
Appreturmittel für Baumwollengewebe benutzt
wird, kommt in Form grober, glatter Fasern
von 30 cm Länge in den Handel. Die Masse
löst sich in kochendem Wasser zu einer
schleimigen Flüssigkeit, welche zur Erzeu-
gung eines geschmeidigen und dabei kernigen
Griffs, jedoch nur für feine Gewebe, benutzt
wird. Für steife und schwere Appretur ist
es nicht geeignet. — Zollfrei.

Halwa (Halva), ein Konfekt aus Honig
(oder Zucker), Sesamöl und Mehl oder Gries,
wird in großen Mengen von der Türkei aus-
geführt. — Zoll: 70 M.

Hamamelis. Von dem in Nordamerika
heimischen Strauche, Hamamelis virgi-
niana L., kommen die Blätter und die Rinde
in den Handel. — Die Hamamelisblätter
(lat. Folia hamamelidis, frz. Feuilles de ha-
mamelis, engl. Hamamelis leaves) sind herz-
förmig oder abgerundet, 10—15 cm lang, von
herbem Geschmack und enthalten bis ca. 25°/o
Extraktstoffe. — Die Hamamelisrinde (lat.
Cortex hamamelidis, frz. Ecorce de hama-
melis, engl. Hamamelis bark) ist röhren-
oder bandförmig, faserig und von rötlich-
brauner Farbe. Die Außenseite ist oft mit
einer silbergrauen Korkschicht bedeckt, der
Geschmack herbe und zusammenziehend. Als
wichtigste Bestandteile sind Fett, Gerbstoff,
Glukose und Extraktstoffe vorhanden. — Die
Blätter und Rinde werden gegen Ruhr, Diar-
rhöe, innerliche Blutungen usw. angewandt.
Aus den Blättern wird außerdem ein Fluid-
f^rakt (lat. Extractum Hamamelidis
luidum) hergestellt. Das unter dem Namen

azahum in den Handel kommende Prä-
para ist durch Destillation aus der Rinde
erges eilt und wird gegen Blutungen viel-
ac , namentlich in Amerika und England,
verwendet. - ZolI: Blätter und Rind(? sind

zollfrei, Extrakt: 60 M.

Hamburger Masse, eine zum Anstrich von
Akkumulatorenlagern benutzte Lösung von
60 Teilen Asphaltbitumen in 40 Teilen Schwe-

felkohlenstoff, ist wegen ihrer großen Feuer-
gefährlichkeit mit großer Vorsicht zu hand-
haben.

Hanf (frz. Chanvre, engl. Hemp). Die be-
sonders durch ihre Faser, in zweiter Linie
ihren Ölgehalt technisch höchst wertvolle
Hanfpflanze, Cannabis sativa, gedeiht
unter den verschiedensten Klimaten und
Bodenverhältnissen und wird daher sowohl
auf den Ebenen Persiens, Indiens und Ara-
biens, wie in ganz Afrika, Amerika und
Europa angebaut. Selbst im nördlichen Ruß-
land bis nach Archangelsk hinauf kommt sie
noch fort. Die Pflanze ist wie der nahe ver-
wandte Hopfen und die Nessel zweihäusig
und kommt somit sowohl in einer männ-
lichen, schwächer entwickelten (Hanfhahn,
Sommerhanf, fälschlich Femmel), wie
auch in einer kräftigeren, weiblichen Form
vor. Hauptsächlich die letztere findet tech-
nische Verwendung. Die Art des Anbaus
und der Ernte richtet sich danach, ob die
Faser- oder Ölgewinnung die Hauptsache ist.
Im ersteren Falle säet man sehr dicht und
zieht noch vor der Reife im zarteren Zu-
stande, während man im letzteren Falle die
Samen erst reifen läßt. Zur Gewinnung der
Faser werden die Pflanzen wie Flachs auf
dem Felde oder in Wasser geröstet, ge-
brochen, darauf meist unter Stampfen oder
in Kollergängen bearbeitet (Boken) und
schließlich geschwungen und gehechelt. Die
feineren Fasern bilden den Spinn- oder
Brechhanf, die stärker verholzten den
Seilerhanf. Die durch Boken und Aus-
schütteln von Schäbe möglichst befreite
Ware, wie sie meist in den Handel kommt,
wird als Reinhanf, oder wenn die Bast-
schicht völlig abgezogen , ist, als Schleiß-
oder Pellhanf bezeichnet. Die Hanffaser
erreicht bei einer Dicke von 0,02 mm eine
Länge von über 2 m und besitzt ein ziemlich
breites Lumen, sowie Längsstreifen und
Quetschungen, an denen sie unter dem Mikro-
skope leicht erkannt wird. Mit Jod und
Schwefelsäure färbt sie sich blau und quillt
in Kupferoxydammoniak stark auf. Der H.
wird nach Länge, Feinheitsgrad, Farbe und
dem Reinheitsgrade in viele Handelssorten
unterschieden. Man hat ganz, halb, mittel-
reinen, Ausschuß-, kurzen und langen, Strähn-,
Spinn- und Schusterhanf. Auch das Werg
ist Handelsware und dient zum Kalfatern.
Am höchsten schätzt man der Farbe nach
den silber- oder perlgrauen, danach den grün-
lichen oder gelblichen, während der braune
für überröstet gehalten wird. Dumpfig rie-
chende Ware ist verdorben. Der H. ist das
Hauptmaterial für Seile, Taue und grobe,
aber sehr feste Gewebe. Besonders die
Fischerei braucht zu Netzen, und die Schiff-
fahrt zu Segeln und Tauen ungeheure Men-
gen. Die letzteren werden zur Verhinderung
von Fäulnis geteert, büßen dadurch aber an
Haltbarkeit etwas ein. Die Verarbeitung zu
Garn, Zwirn und Bindfaden erfolgt wie beim
Flachs. Auch Papier wird aus H. hergestellt,
jedoch besteht das sog. Hanfpapier der