﻿Hanf

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Harzöl

Geldscheine jetzt meist aus Flachs. Als wich-
tigste Ausfuhrländer kommen vor allem Ruß-
land und Italien, neuerdings auch Nord-
amerika und Neuseeland in Betracht. Für
den deutschen Bedarf liefert aber auch das
Rheinland eine vorzügliche Spinnfaser. —
Die Hanfsamen (lat. Semen cannabis, Fruc-
tus cannabis, frz. Graines de chanvre, engl.
Hefnp seed) werden zum Teil zur Aussaat,
zum Teil zur Ölgewinnung benutzt. Der für
erstere bestimmte, sog. Säehanf muß von
bester Beschaffenheit und darf nicht älter
als ein Jahr sein, weil bei dem hohen Öl-
gehalt sonst leicht ein die Keimkraft schwä-
chendes Ranzigwerden eintritt. Alle zur Saat
ungeeigneten Körner bilden die 2. Sorte, die
Schlagsaat, welche wie andere Ölfrüchte aus-
gepreßt wird. — Das Hanföl, das in größter
Menge aus Rußland kommt, besitzt eine grün-
liche oder bräunlichgelbe Farbe, milden und
faden Geschmack und starken Hanfgeruch.
Es hat ein spez. Gew. von 0,927 und erstarrt
erst bei —27°. Es eignet sich nicht zu
Speisezwecken, kann aber im raffinierten Zu-
stande als Brennöl benutzt werden. Am
meisten verwendet man es zur Fabrikation
von Schmierseife, sowie als trocknendes Öl
zur Bereitung geringer Firnissorten. — Die
Hanfpreßkuchen dienen als Futter für
Pferde und Schafe. Außer zur Ölgewinnung
finden die Samen in geröstetem Zustande,
sowie als Suppe Verwendung zur mensch-
lichen Ernährung, ferner als Vogelfutter und,
medizinisch, zu Emulsionen. —- Das Kraut
des H., Herba oder Summitates can-
nabis, auch indischer H. genannt, bildet
das Ausgangsmaterial zur Darstellung nar-
kotischer Präparate, jedoch eignen sich hierzu
nur die tropischen, besonders indischen Vor-
kommnisse, welche bisweilen auch als eine
besondere Art, Cannabis indica, ange-
sehen werden. Von den drei Handelssorten
bildet die Ganja oder Gun ja Bündel von
1/2 kg Schwere, die aus 20—30 verästelten,
entblätterten Stengelspitzen der weiblichen
Pflanze bestehen und einen stark narkotischen
Geruch, sowie harzig bitteren Geschmack be-
sitzen. Die 2. Sorte: Bhang, Guaza oder
Siddhi, welche in der Regel zu uns kommt,
besteht aus einem Gemisch stengelloser
Blütenstände mit Blättern und Früchten und
erscheint meist in Form dicht mit Harz ver-
klebter Knäuel. Sie ist harzärmer und von
schwächerem Geruch. Die 3. Sorte: Charas
oder Churus, endlich verbleibt in Indien.
Als wirksame Bestandteile der Droge hat
man ein bei 40° schmelzendes Harz (Canna-
bin), ferner ätherisches öl und ein Alkaloid
(Cannabinin) isoliert. Der alkoholische Aus-
zug und die Tinktur finden medizinische An-
wendung als Schlafmittel. — Der indische
Hanfextrakt (lat. Extractum cannabis in-
dicae) wird aus dem zerkleinerten Kraute
durch Ausziehen mit Weingeist gewonnen
und als Zusatz zu verschiedenen Hühner-
augenmitteln verwendet. Die Hauptmenge
des H. wird aber als Haschisch verarbeitet,
d. s. verschieden zusammengesetzte Präparate,

die geraucht oder getrunken werden und
deren Genuß, ähnlich wie der des Opiums,
einen eigentümlichen Zustand der Berauschung
verursacht, bei fortgesetzter Anwendung aber
Geist und Körper zerrüttet. — Zoll: Hanf
zollfrei; Hanfsaat s. Tarif Nr. 15. Indischer
Hanf zollfrei; Extrakt s. Tarif Nr. 386.

Harmalasamen sind die Samen einer zur
Familie der Butaceen gehörigen Steppen-
pflanze, Peganum Harmala (L.), welche
im südlichen Rußland, in der Türkei, Persien
und am Kaspischen Meere wild wächst, zu-
weilen auch angebaut wird. Sämtliche Teile
der Pflanze haben einen starken und ange-
nehmen Geruch und etwas brennenden Ge-
schmack. Die Samen, welche im Orient als
Gewürz benutzt werden, liegen in einer
kugelig dreifurchigen Kapsel, sind dreiseitig,
an einer Seite gewölbt und enthalten neben
einem roten Farbstoff, dem Harmalarot,
zwei Alkaloide, das Harmalin und das
Harmin. Beide sind farblos, kristallinisch
und von stark bitterem Geschmack. Die
Samen sollen in der Türkei nach dem Rösten
und Behandeln mit Schwefelsäure zum Rot-
färben benutzt werden. — Zollfrei.

Harnsäure (lat. Acidum uricum, frz. Acide
urique, engl. Uric acid), eine stickstoffhaltige
organische Säure, war eine Zeitlang (vor dem
Aufkommen der Anilinfarben) ein ziemlich
gesuchter Handelsartikel, den man zur Be-
reitung des Murexids benutzte. Zu ihrer Dar-
stellung bediente man sich, da der Menschen-
harn zu geringe Mengen enthält, der Schlan-
genexkremente, später des Peruguano. 100 kg
Guano geben etwa 7 kg Säure in Form eines
bräunlich gelblichen Pulvers, welches durch
weitere Reinigung in schneeweißen Kristallen
erhalten wird. — Zollfrei.

Harz (lat. Resina, frz. Rosine, engl. Resin).
Unter H. ohne nähere Bezeichnung versteht
man im Handel entweder das gemeine Fich-
tenharz (s. d.) oder, besonders in Handels-
berichten aus Seehäfen, speziell das ameri-
kanische Fichtenharz, das einen ganz be-
deutenden Einfuhrartikel in Europa bildet.
Die besonderen Harze, Kopal, Dammar,
Elemi usw. sind für sich besprochen worden,
Harzseifen unter Seife. — H. ist zollfrei.

Harzkitte. Unter diesem Namen kommt
Kitt in den Handel, der aus Harzrückständen,
meist unter Zusatz von Kautschuk oder Gutta-
percha, durch Auflösen in Schwefelkohlen-
stoff, hergestellt wird. H. dient zum Ver-
kitten solcher Gegenstände, bei denen eine
besondere Haltbarkeit gewünscht wird. —
Zoll: 3 M.

Harzöl (Harzgeist). Bei der Destillation
von Leuchtgas aus Fichtenharz wird als
Nebenprodukt, wie von Steinkohlen der Teer,
rohes Harzöl in Menge von 20—25% erhalten,
durch dessen Fraktionierung verschiedene
Produkte dargestellt werden. Der bei 120
bis 130° übergehende Harzgeist (Pinolin)
kann als Beleuchtungsmittel, wie als Surrogat
für Terpentinöl gebraucht werden, nachdem
er vorher durch Schütteln mit Natronlauge
entsäuert und durch Dampf destilliert wor-