﻿Haselwurz

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Hausenblase

den ist. Durch weitere Destillation des Roh-
öls bis zu 280° wird ein bräunlich grünes
dickeres öl abgetrieben, welches fixes Öl
oder Patentöl heißt. Es wird mit Schmier-
seife gemischt und erscheint so im Handel
a*s P^-tentwagenfett, englische Wagen-
schmiere, wie auch unter dem ganz un-
passenden Namen Paraffinfett. — Zoll:
10 M.

Haselwurz (lat. Rhizoma asari, frz. Racine
d’asari, engl. Cabaric root), ein nicht un-
wichtiger Artikel des Drogenhandels, stammt
von Asarum europaeum (Nierenkraut,
Hasenkraut), einer niedrigen, in Berg-
wäidern unter Gebüsch, besonders Hasel-
sträuchern, wachsenden Pflanze mit niedrigen
Stengeln, glockigen, braunroten Blütenkelchen
und langgestielten nierenförmigen Blättern.
Der dünne, kriechende, graubraune Wurzel-
stock ist hin und her gebogen, knotig ge-
gliedert, längsrunzelig und treibt zahlreiche
Faserwurzeln. Er hat einen eigentümlichen
kampferartigen Geruch, schmeckt beim Kauen
brennend pfefferartig und bewirkt im frischen
Zustande Erbrechen. H. enthält einen kampfer-
ähnlichen Stoff, das Asaron, und ein äthe-
risches Öl. Die gepulverte Wurzel reizt zum
Niesen und wird in der Tierheilkunde ver-
wandt. — Zollfrei.

Hauhechel Wurzel (Haudornwurzel,
Harnkrautwurzel, lat. Radix ononidis, frz.
Racine de bugrane, engl. Restharrow root). Die
Wurzel der dornigen Hauhechel (Ono-
nis spinosa), eines niedrigen, an Wegrän-
dern und sonst auf kulturlosen Flecken häufig
wachsenden Strauches mit blaßroten Schmet-
terlingsblüten, ist holzig zähe, einige Fuß
lang und fingerdick, oben in viele Köpfe
geteilt, außen dunkelbraun, auf dem Durch-
schnitt weißlich und strahlig. Die im Handel
vorkommenden Wurzeln sind meist der Länge
nach gespalten. Der Geschmack ist süßlich
bitterlich, beim Kauen zusammenziehend und
etwas brennend. Sie enthält als charakteristi-
sche Bestandteile Ononin, Ononidin und
Onozerin und wird als harntreibendes Mittel
und als Zusatz zu Blutreinigungstees ver-
wendet. — Zollfrei.

Hausenblase (Fischleim, lat. Colla pis-
cium, Ichthyocolla, frz. Colle de poisson,
engl. Isinglass) besteht aus der getrockneten
inneren Haut der Schwimmblase verschie-
dener großer Fischarten vom Geschlecht der
Störe und Hausen. Die beste H. liefert der
eigentliche Stör, Acipencer sturio, und
der H a u s e n, A. h u s o, wozu noch einige kleine
Verwandte, derOsseter, A. Güldenstaedtii,
Sterlet, A. ruthenus, und der Sewruga
L- ,<rrg) kommen. Es sind also meistens
dieselben Tiere, welche auch den Kaviar
letern und welche in dem betreffenden Ar-
1 ^ * näher besprochen worden sind. Die
meiste H. kommt aus Rußland, meist über

etersburg Außer dieser russischen „echten"
Ware erscheint aber noch manche andere
aus den verschiedensten Weltgegenden am
Markt, besonders amerikanische von der Hud-
sonsbai, brasilianische und ostindische, bis-

weilen auch wohl der echten in betrügerischer
Absicht beigemischt. An den Küsten Nord-
deutschlands, Englands und Nordamerikas ist
hauptsächlich der Kabeljau derjenige Groß-
fisch, der auf H. verarbeitet wird, daneben
benutzt man noch Lachse, Welse und See-
hechte. Die nicht russischen Sorten sind
alle von geringerer Qualität, meist dunkler,
gelblich bis bräunlich gefärbt und mit wid-
rigem Fischgeruch und Geschmack behaftet.
Auch hinterlassen sie beim Kochen mit Was-
ser weit mehr unlöslichen Rückstand, als
die echte. Von der russischen Sorte unter-
scheidet man wieder: Astrachaner, ura-
lische und sibirische H. Die Prima-
feineware besteht aus harten, schwer zu
biegenden Blättern mit runzliger Oberfläche,
welche bei auffallendem Lichte mit pracht-
voll blauer Farbe schillert. Die Primaware
zeigt dieses Irisieren im geringeren Grade,
die Sekunda wäre gar nicht. Die gangbarsten
Marken der russischen H. sind: Saliansky,
Beluga und Samovy oder Samova, nächst
diesen Assetowa und Premislowoi. Die
Zubereitung der russischen H. erfolgt in
höchst einfacher Weise. Die frischen, oder
wenn getrocknet, in Wasser wieder aufge-
quellten Blasen werden der Länge nach auf-
geschnitten, durch sorgfältiges Waschen, Rei-
ben und Pressen von Unreinigkeiten befreit
und geschmeidig gemacht. Halb getrocknet
wird die äußere unbrauchbare Muskelhaut
abgezogen, die innere weiße in eine der gang-
baren Handelsformen gebracht (gebrakt)
und vollends getrocknet. Früher gab es im
Handel auch unaufgeschnittene, nur äußer-
lich gereinigte Blasen, sowie solche, die ge-
öffnet und zu einem Kuchen zusammen-
geklappt waren. Diese Stücke mußten vor
dem Gebrauch erst lange gewässert, geklopft
und auseinandergelegt resp. gereinigt werden.
Dies ist auch der Fall bei der in Fadenform
geschnittenen, oder in Ringel- oder Lyra-
form (Ringelhausenblase) aufgerollten und
gebogenen Ware, welche noch hin und wieder
vorkommt. Zur Herstellung der Blätter wer-
den die noch feuchten gereinigten Stücke
stark ausgereckt, mit Nägeln über Bretter
gespannt und so in der Sonne fertig ge-
trocknet. Die dünnen Fäden erhält man
durch Zerschneiden der Blätter auf Maschi-
nen, welche mit stählernen Schneidescheiben
arbeiten. Seit einer Reihe von Jahren hat
sich in Rußland die Gewohnheit eingebürgert,
daß schon die rohe H. nach Petersburg ge-
schafft und dort gebrakt wird. Man richtet
sie dort mehr für das Auge her und bleicht
sie, verringert aber dadurch ihren Wert. Auch
trocknet man sie nicht vollständig aus oder
befeuchtet sie absichtlich wieder, so daß der
Käufer durch Eintrocknen häufig einen Ver-
lust bis zu 20°/o erleidet. Das Bleichen ge-
schieht entweder mittels Schwefeldampf oder
durch die Schneebleiche, die besonders an
der Wolga betrieben werden soll. Von den
dort im Winter unter dem Eise gefangenen
Fischen vergräbt man nämlich die Blasen, so
wie sie sind, in den Schnee und wartet mit der