﻿Häute

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Häute

Zubereitung, bis im Frühling die Sonne wieder
warm genug scheint. In der Zwischenzeit hat
sich ihre Qualität verbessert. Die Beluga,
also die eigentliche H., besteht aus großen
dicken und rauhen Blättern und hat keine
reine Farbe. Sie ist wohlfeiler, aber in allen
Fällen, in welchen nicht auf schönes Äußere
gesehen wird, sehr gut brauchbar. Sterlet-
blase ist nicht größer als ein Handteller.
Samowy, eine in dünnen weißen Blättern in
-den Handel kommende Ware, welche den
übrigen Sorten an Güte sehr nachsteht, stammt
vom Wels. Die Fischblase gibt zwar den
besten Fisch leim, doch ist sie nicht das
einzige Ausgangsmaterial. Vielmehr liefern alle
anderen Membranen großer Fische ebenfalls
Leim. So nutzt man an der unteren Donau,
in der Walachei, die dort gefangenen Störe
in der Art aus, daß man nicht nur die Blase,
sondern auch die Haut, den Magen und die
Därme klein schneidet, wäscht und so lange
mit Wasser siedet, bis das meiste in Lösung
gegangen ist. Der geklärte und erkaltete
Absud bildet eine konsistente Gallerte, die
in dünne Blätter geschnitten und so ge-
trocknet, oder auch wohl in Lyraform ge-
bracht wird. Fabrikate dieser Art, die leicht
von der echten Ware zu unterscheiden und
von viel geringerer Qualität sind, pflegt man
künstliche H. zu nennen. Die H. ist in
kaltem Wasser nicht löslich, sondern quillt
nur stark darin auf. Durch Erhitzen löst sich
der gequellte Stoff in Wasser wie auch in
verdünntem Spiritus leicht, und gute Ware
hinterläßt dabei nur eine ganz geringe Menge
faseriger Reste. Beim Erkalten bildet die
Lösung eine Gallerte, die schon bei einem
Gehalte von 4°/o H. hinreichende Konsistenz
zum Küchengebrauch besitzt. — Die Verwen-
dung derH. ist sehr mannigfaltig. Manbenutzt
sie in Küche und Konditorei als Grundmasse
feiner Gelees, welche Obstsäfte, Milch, Zucker
und Wein oder Gewürze als Zusatz erhalten.
Als Klebstoff dient sie in Form von Mundleim
und durchsichtigen farbigen Oblaten, auf Taft
gestrichen als englisches Pflaster, ferner
zu Kitten, besonders in weingeistiger Lösung
und mit Harzen verbunden, als sog. Dia-
mantkitt, als Bindemittel für Farben und
bei Anfertigung der künstlichen Perlen aus
Glas und Fischschuppen. Als durchsichtiger
Körper gibt sie Leimfolie oder Glaspapier, das
zu Durchzeichnungen und zum Bedrucken mit
Bildern gebraucht wird. Als Glanzstoff wird
sie zum Appretieren von seidenen und anderen
feinen Zeugen und Bändern benutzt. Den
stärksten Verbrauch aber macht man von ihr
als Klärmittel für trübe Biere und Weine,
denen sie im aufgequellten Zustande beige-
mischt wird. In neuerer Zeit kommt auch

H.	aus China. Die russische Ware gelangt
in den Handel entweder in Ballen von 10 Pud
(1 Pud = 16,38 kg) oder in Fässern von 12
bis 14 Pud, in welchen sie in grobe Säcke
verpackt enthalten ist. — Zoll: Echte und
unechte 10 M.

Häute (frz. Peaux brutes, Cuirs en poil,
engl. Hides) nennt man die äußeren Über-

kleidungen tierischer Körper, und zwar im
Handel hauptsächlich diejenigen aller grö-
ßeren Tiere, während die kleinerer Tiere
Felle genannt werden. So sagt man Rind-
haut, Roßhaut, Eselshaut, dagegen Kalbfell,
Hasenfell und Ziegenfell. Auch werden sämt-
liche Rauchwaren als Felle bezeichnet. Unter
Häuten versteht man nur rohe, unbearbeitete
Felle, die fast ausschließlich zum Gerben be-
stimmt sind. Gegerbt heißen sie Leder. Die
wichtigsten im Handel vorkommenden Häute
sind Rind-, Roß- und Büffelhäute. Mit Aus-
nahme der kleineren und schwächeren ost-
indischen und ähnlichen Sorten werden Ochsen-
und Kuhhäute überseeischer Abkunft, welche
von FI erden stammen und großenteils mit
Brandzeichen versehen sind, zumeist zu Sohlen-
leder gegerbt, die von europäischem, im Stall
aufgewachsenen Vieh aber auch zu Riemen-
und Sattlerleder. Während die Häute von
europäischem Vieh nur zu einem kleineren
Teile in den Handel kommen, meist aber von
den Schlächtern direkt in die Hände der Ger-
ber übergehen, bilden die überseeischen
Häute (Wildhäute) einen bedeutenden Han-
delsartikel, und zwar der Ausfuhr von allen
Weltteilen nach Europa und den Vereinigten
Staaten von Nordamerika. Die Wildhäute
kommen auf dreierlei Art zum Versand:

1.	trocken. Die Trocknung gelingt gut bei
scharfer Luft. Bei abwechselndem Tau, Re-
gen und Sonnenschein geht es dagegen nicht
ohne Beschädigungen, namentlich durch Son-
nenbrand, ab. Es wird jedoch fast überall
eine hinreichende Sorgfalt aufgewendet, um
derartige Beschädigungen zu verhüten. Bei
langem Transport sind die Häute außerdem,
namentlich die aus den heißesten Gegenden,
in hohem Grade durch Wurmfraß gefährdet.

2.	trocken gesalzen. Solche H. werden
nach dem Schlachten auf der Fleischseite mit
einem Salzanstrich (teilweise auch Salpeter)
versehen und dann an der Luft getrocknet.
Diese Behandlungsweise findet sich haupt-
sächlich in Brasilien, Madagaskar und Mau-
ritius. Das Gewicht erhöht sich dadurch nahe-
zu um die Hälfte, aber die Ware erhält sich
gut, und nur etwa vorherrschender Salpeter
setzt die H. bisweilen der Erhitzung oder
Fäulnis aus. 3. grün gesalzen, naß ge-
salzen oder in Kissen gesalzen. Derartige H.
werden zwischen Salzschichten einige Tage
aufgestapelt, bis das Blut und Wasser ab-
gelaufen ist, dann mit einigen kg Salz, das
auf beiden Seiten anhängen bleibt, in ein
Bündel zusammengefaltet und eingeschnürt.
Diese Behandlungsart beläßt den Häuten ihre
Frische und Geschmeidigkeit bis nach Jahr
und Tag und macht sie zu ihrer Verwendung
für Sohlleder ganz besonders geeignet. Das
Gewicht einer grüngesalzenen Haut beträgt
fast das Doppelte einer trockenen, der Wert
ist jedoch ein relativ höherer wegen ihrer
Frische und der Gewißheit, daß sie gut erhal-
ten ist. Die trotzdem bisweilen vorkommenden
Beschädigungen, wie Schnitte, Löcher, wunde
Haarseite und dergl. bieten sich sogleich dem
Auge dar. Vorzugsweise bedient man sich