﻿Häute

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Hederichöl

des Salzens in den La Plata-Staaten, in Rio
de Janeiro und verschiedenen anderen Plätzen
Südamerikas, aber auch in Australien und
am Kap der guten Hoffnung. — Von den
Exportplätzen roher Wildhäute nimmt Buenos
Aires den ersten Rang ein, dann folgen
Montevideo und Rio Grande, die mit ihren
Produkten nahezu gleiche Qualitäten liefern.
Nächstdem mögen als Hauptorte regel-
mäßiger Einfuhr in Europa genannt werden:
Rio de Janeiro, Bahia, Pernambuko, Ceara,
Valparaiso, Lima, Para, Callao, Maracaibo,
Kap der guten Hoffnung, Sidney und Mel-
bourne. Bisweilen werden aber auch Massen-
schlachtungen, meist durch Futtermangel oder
Epidemien veranlaßt, in solchen Ländern vor-
genommen, deren Ausfuhr sonst nicht belang-
reich ist, so z. B. in den 60 er Jahren in Ma-
rokko, später in Tunis und Algier, neuerdings
in China und Arabien. Nordamerika da-
gegen hat stetig nachgelassen, Exporteur
roher Häute zu sein, und sich vermöge seiner
außerordentlich rasch und bedeutend ent-
wickelten Lederindustrie zum Käufer erhoben,
so daß es jetzt auf die Preise in Europa einen
maßgebenden Einfluß ausübt. Roß häute
oder Pferdehäute finden nur zu Schuh-
und Stiefeloberleder Verwendung. Nächst
den bedeutenden Mengen, welche in Europa
den Gerbereien von den Abdeckereien und
Roßschlächtern zufließen, werden Roßhäute
hauptsächlich aus den La Plata-Staaten ein-
geführt, geringere Mengen auch aus Austra-
lien, Rußland und Nordamerika. Büffel-
häute werden hauptsächlich in den Ver-
einigten Staaten von Nordamerika, seltener
in England und Deutschland verarbeitet. Sie
werden, wie die Ochsen- und Kuhhäute, gleich-
falls zu Sohlenleder gegerbt, sind billiger, aber
auch dicker und schwerer, von lockerer Textur
und überhaupt geringerer Güte und Nutzbar-
keit als die Rindhäute. Auch erfordern sie
mehr Material und Zeit zu einer perfekten
Gerbung. — Ostindische Häute (Kips —
von Kip, eine kleine Rindhaut) sind von den
besprochenen Wildhäuten wesentlich verschie-
den. Sie werden, weil schwächer und ge-
schmeidiger, fast nur zu Oberleder gegerbt
und ersetzen sowohl das schwache Kuhleder
wie das starke Kalbleder, sind auch bei guter
Gerbung von eher noch größerer Dauerhaftig-
keit. Marktstiefel und Schuhe werden meist
aus Kips gefertigt. Diese H. stammen mit
wenigen Ausnahmen von gefallenem Vieh.
Bekanntlich tötet der Hindu kein Vieh, noch
ißt er Fleisch. Das Schlachten beschränkt
sich daher auf den Fleischbedarf der Frem-
der Mohammedaner und Engländer.
Aber die wertvolle Haut wird auch dem
“™^estandenen, ja dem von Aasgeiern schon
^ aufgefressenen Vieh noch abgezogen,
nach landesüblicher Art mit Salz, Kalk oder
einfach Kot präpariert und zu Markt gebracht.
Kalkutta ist der Hauptsammelplatz und besitzt
eine sehr bedeutende Ausfuhr von Häuten.
Nächst Kalkutta ist auch Bombay bedeutend,
ferner Madras, Kurrachee und Cochin. Die
hauptsächlichsten Sorten, welche in Kalkutta
Merck’sWarenlexikon. 5. Aufl.

zur Verschiffung kommen, sind: Northwestern,
Dacca, Hoogly, Kalkutta, Durbangah, Patna,
Burdwan, Cuttae, Ganjam, Gopaulpore und
Bimlipatam. Neuerdings werden viele H. der
besten Sorten, besonders Delhi und Lucknow
und anderer Northwestern-Provenienzen mit
Arseniklösung präpariert, um sie vor Wurm-
beschädigung zu bewahren. Dieses Verfahren
ist jedoch von zweifelhafter Zukunft, da es
ziemlich kostspielig ist, ohne hinreichende Ge-
währ für Schutz zu bieten. Esels häute kom-
men hauptsächlich aus Italien, Frankreich
und Spanien. Sie werden zu Leder für Trom-
meln, zu Chagrin, hauptsächlich aber zu Per-
gament verarbeitet. Außerdem kommen noch
Kamel-, Gnu-, Walroß-, Quagga-, Alli-
gatorhäute und sonstige Kuriositäten in
den Handel, doch selten in größeren Mengen.
Während für La Plata-Häute die Hauptmärkte
in Antwerpen, Havre, Liverpool, Hamburg
sind, hat für ostindische Kips London bei
weitem den größten Markt. Von anderen
europäischen Häfen wären noch zu erwähnen
als bedeutend für den Häutehandel: Mar-
seille, Bordeaux, Genua, Triest, Amsterdam
und Bremen. Im deutschen Binnenlande ist
der Hauptverkehr besonders in Köln, Dresden,
Leipzig, Berlin, Frankfurt a. M. Alle H.
werden nach Gewicht gehandelt, nur trockene
Roßhäute pro Stück. — Zoll: S. Tarif Nr. 153.
544 ff.

Hecht (frz. Brocket, engl. Pike). Der ge-
wöhnliche H., Esox lucius, ist ein Raub-
fisch, der in allen süßen Wässern Europas
lebt und seines wohlschmeckenden Fleisches
wegen überall geschätzt wird. Er erreicht eine
Länge von IV2 m und ein Gewicht von 25 kg,
ja in den schottischen und irischen Seen
finden sich bisweilen Exemplare von 35 kg.
Der H. wird meist frisch verzehrt. Eingesalzen
oder mariniert kommt er nur aus wenigen
Gegenden in den Handel, in denen er be-
sonders häufig ist, so von der unteren Oder
und Havel und von der Donau. An den
Ostseeküsten, z, B. in Livland, wird der H.
öfter an der Luft getrocknet und so in den
Verkehr gebracht. Aus dem Rogen wird eine
Art minderwertiger Kaviar bereitet. —- Zoll:
Frischer H. zollfrei; getrockneter oder ge-
salzener s. Tarif Nr. 117. Hecht-Kaviar
Nr. 118..

Hederichöl (frz. Huile de raveneile, engl.
Coild radish oil), das aus den Samen des
Hedrichs, Ackersenf, Ackerkohl,
Ackerrettig, Raphanus raphanistrum, eines
kleinen braunen Samens, gepreßte fette Öl
ist klar, dunkelolivengrün, vom spez. Gew.
0,915—0,917 und im übrigen dem Rüböl ähn-
lich. Es kommt aus Ungarn, wo die Pflanze
im großen angebaut wird, da der Rübsen
dort keine guten Ernten mehr gab. Hedrich-
samen gilt als Unkraut und wird seitens
der Landwirte im Getreide ungern gesehen,
daher ausgerottet, oder durch Aufsprengen
von Eisenvitriollösungen am Emporkommen
gehindert. Dieses Verfahren beruht darauf,
daß Hederich schneller wächst als das Ge-
treide, und die Eisenvitriollösung daher nur

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