﻿Hcdonal

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Heidelbeeren

dem Hederich schaden kann, nicht aber dem
Getreide. Man kann das H. in der Seifen-
fabrikation verwenden. — Zoll: Hederichöl s.
Tarif Nr. 166/7. Hederichsaat: 5 M.

Hedonal ist ein neues unschädliches Schlaf-
mittel, welches in chemischer Hinsicht als
Methylpropylkarbinolkarbaminsäureester (Me-
thylpropylkarbinolmethan) anzusprechen ist
und in Tablettenform in den Handel kommt.
— Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Hefe (Bärme, Gest, frz. Levure, engl.
Yeast) besteht aus den mikroskopisch kleinen
Zellen von Sproßpilzen der Gattung Sac-
charomyces, welche die Fähigkeit besitzen,
durch ihren Lebensprozeß zuckerhaltige Flüs-
sigkeiten in Gärung zu versetzen, d. h. den
Zucker in Alkohol und Kohlensäure zu zer-
legen. Da fast jeder der zahlreichen Zucker-
arten ein besonderer Hefenpilz entspricht und
auch die Natur der Nährlösung für die Ent-
wicklung der Zellen von Bedeutung ist, so
gibt es eine außerordentlich große Zahl von
Hefesorten. Dieselben lassen sich für die
Verhältnisse der Praxis in drei große Gruppen
einordnen: die Bierhefe, Weinhefe und Brannt-
weinhefe. Die Bierhefe wird von den Braue-
reien in großem Maßstabe dazu benutzt, die
aus dem verzuckerten Malze hergestellte Würze
zu vergähren. Sie besteht aus den Pilzen der
Gattung Saccharomyces cerevisiae und zer-
fällt in zwei Unterabteilungen, die sog. Ober-
und Unterhefe, von denen die erstere bei
höherer Temperatur von 12—15° eine stür-
mische, schnell verlaufende Gärung erregt,
während die Unterhefe bei 4—10° und weit
langsamer wirkt. Die Bezeichnung rührt da-
her, daß die Oberhefe sich auf der vergorenen
Flüssigkeit als schaumige Decke ansammelt,
die Unterhefe aber zu Boden sinkt. Die
Bierhefe bildet im allgemeinen keinen Han-
delsartikel, weil jede Brauerei ihren Bedarf
aus der bei der Gärung üppig wachsenden
und sich vermehrenden Hefe selbst deckt.
Nur weil die fortwährend in derselben Brauerei
erzeugte Hefe allmählich unwirksam wird (de-
generiert), hat sich der Brauch herausgebildet,
daß die Brauereien ihre Hefe von Zeit zu
Zeit austauschen. Erst seitdem durch Hansen
nachgewiesen wurde, daß die Bierhefe keine
einheitliche Substanz ist, sondern ein Ge-
misch der verschiedensten Rassen enthält,
von denen jede besondere Eigenschaften be-
sitzt, werden von bakteriologischen Instituten
Reinzuchthefen, aus einer einzigen Rasse
bestehend, an die Brauereien verkauft. Das
von der Bierhefe gesagte gilt auch von der
Weinhefe, die früher überhaupt nicht dem
Moste zugesetzt wurde, weil sie auf den
Beeren bereits in genügender Menge vor-
handen ist. Auch hier sind neuerdings mit
Reinzuchthefen, die Weine von bestimmtem
Bukett und Charakter liefern, gute Erfolge
erzielt worden. Als Handelsprodukt kommt
allein die Preßhefe oder Kunsthefe in
Betracht. Sie dient dazu, Branntweinmaischen
in Gärung zu versetzen und entsteht als Neben-
produkt in den Brennereien, wird aber jetzt
von besonderen Fabriken in großem Maß-

stabe dargestellt. Zu diesem Zwecke wird
nach dem neueren Luftverfahren mit Malz
verzuckerte Getreidemaische mit obergäriger
Mutterhefe angestellt, darauf ein Luftstrom
eingeleitet, worauf die H. lebhaft wächst.
Nach beendeter Gärung wird die H. in Filter-
pressen gepreßt und bildet dann eine licht-
gelbe, etwas krümlige Masse von angenehmem
obstartigen Geruch, die aber nicht lange
haltbar ist, sondern unter Annahme eines
dumpfigen Geruchs verdirbt. Sie enthält
50—75% Wasser und 13—22% Protein. Der
früher übliche Zusatz von Kartoffelmehl ist
durch das Lüftungsverfahren überflüssig ge-
worden und daher, ebenso wie die Bei-
mengung von Gips, Kreide und Bierhefe als
Verfälschung zu beurteilen. Den Zusatz von
Stärkemehl erkennt man beim Verreiben mit
Jodlösung, wobei die Pilzzellen ungefärbt
bleiben, während die Stärkekörner sich als
blaue Schicht absetzen. Die H. findet aus-
gedehnte Anwendung in der Bäckerei zur
Lockerung des Brotes, sowie in der Medizin
gegen Furunkeln, Diabetes und verschiedene
andere Krankheiten. In geringerem Maße
hat man sie neuerdings zur Herstellung von
Hefenextrakten (Siris, Sitogen, Wuk)
herangezogen, brauner Suppenwürzen von
fleischextraktähnlichem Geschmack, welche
durch Einkochen der H. oder durch frei-
willige Verflüssigung nach Zusatz von Koch-
salz hergestellt werden. Eine größere Be-
deutung scheinen sie jedoch nicht erlangt zu
haben. — Zoll: S. Tarif Nr. 188/9.

Heidelbeeren (Blaubeeren,Bickbeeren,
Schwarzbeeren, lat. Baccae myrtillorum,
Fructus myrtilli, frz. Baies de myrtille, engl.
Bil-berries). Die bekannte kleine Waldfrucht,
von dem in höher gelegenen Wäldern häufig
wachsenden kleinen Strauch Vaccinium
Myrtillus, bildet nicht nur im frischen
Zustande den Gegenstand eines nicht unbe-
deutenden Handels, sondern ist auch ge-
trocknet ein Artikel des Drogenhandels. Die
Beere enthält neben Zucker und Gummi
einen purpurroten Farbstoff, Äpfelsäure und
Zitronensäure und schmeckt angenehm süß-
säuerlich und etwas zusammenziehend. Ge-
trocknet ist sie schwarz, runzlig und in der
Form kleinen Rosinen ähnlich, im übrigen
aber an Gehalt und Wirkung unveränderlich.
Die Frucht hat sowohl medizinisch-diätetische,
wie technische Verwendung. Die getrock-
neten Beeren bilden in Abkochung ein Volks-
heilmittel gegen Diarrhöen, als welches sie
in Frankreich, Rußland, Rumänien und der
Levante sogar für den Armeebedarf benutzt
werden. Alle diese Länder beziehen die H.
aus Deutschland. Namentlich das Erzgebirge,
Fichtelgebirge, der Thüringerwald und der
Harz liefern jährlich bedeutende Mengen H.,
die in großen Körben versendet werden. Der
ausgepreßte Saft der H. (Heidelbeersaft)
ist auch ein Handelsartikel und wird in
Frankreich und auch anderwärts zum Nach-
färben blaßroter Weine, zum Färben von
Likören, nachgemachtem Burgunderessig und
I dergleichen viel benutzt. Hierin mag er durch