﻿Himbeeren

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Hirschhorn

minzöl und verschiedenen anderen ätherischen
Ölen.' H. wird auch durch Destillation her-
gestellt. — Zoll: S. Tarif Nr. 389.

Himbeeren (lat. Baccae rubi idaei, frz.
Framboises, engl. Rasp-berries), die Früchte
des zu den Rosenblütlern gehörigen Him-
beerstrauchs, Rubus Idaeus, welcher in ganz
Eurpoa und Asien in trocknen Wäldern und
Gebüschen wild wächst, außerdem aber auch
in Gärten angepflanzt wird, finden zur Her-
stellung von Himbeersaft (s. d.), Him-
beertinktur, Essenz, Marmelade (s. d.)
ausgedehnte Anwendung. Besonders die
wegen ihres stärkeren Aromas bevorzugten
Waldhimbeeren bilden einen wichtigen Han-
delsartikel und kommen aus dem Erzgebirge,
Riesengebirge und Thüringer Wald in
großen Mengen zum Verkauf. — Zoll: 5 M.

Himbeersaft. Dieser wertvollste Frucht-
saft wird in der Weise hergestellt, daß man
die frischen Beeren zerdrückt und unter öfte-
rem Durchrühren in bedeckten Steintöpfen
der Gärung überläßt. Zur Erleichterung der
letzteren ist ein kleiner Zuckerzusatz vorteil-
haft. Die nicht zu niedrigen Töpfe werden
an dunklen, kühlen Orten bei 15—20° auf-
bewahrt, bis ein Volum der abfiltrierten Flüs-
sigkeit sich mit V2 Vol. Alkohol ohne Trübung
mischen läßt. Dann preßt man aus, läßt den
Saft noch einige Zeit bei niederer Temperatur
stehen und filtriert ihn durch Fließpapier,
indem man zuerst den Bodensatz und darauf
die Flüssigkeit auf das Filter bringt. Bei
schwer klar werdenden Säften ist der Zusatz
von Talkum, sowie die Verwendung von Spitz-
beuteln empfohlen worden. Um eine Beein-
trächtigung der Farbe und des Geschmacks
zu verhüten, muß man bei allen Manipu-
lationen die Verwendung von Eisen- oder
Zinngeräten vermeiden. Zur Herstellung des
Hi mbeersirups, der vom Publikum bis-
weilen auch fälschlich H. genannt wird, kocht
man das Filtrat mit ungeblautem, möglichst
kalkfreiem Zucker, meist im Verhältnis von
7:13, ein. Gegenstand des Kleinhandels bildet
nur der Himbeersirup, während der unge-
zuckerte H., auch Rohsaft genannt, höch-
stens von der Industrie gekauft wird. Um
ihn für deren Zwecke haltbar zu machen,
versetzt man ihn mit Alkohol bis zu 15%
oder mit Salizylsäure. Der Himbeersaft bzw.
-sirup gehörte bis vor kurzem zu den am
meisten verfälschten Genußmitteln. Zusätze
von Wasser oder Nachpresse (s. Fruchtsäfte),
Essenzen, Säuren, Stärkesirup und Teer-
farben waren gang und gäbe, ja es kamen
sogar völlig nachgemachte Kunstprodukte,
sog. Brauselimonadensirupe, in den
Handel, welche keine Spur Fruchtsaft ent-
hielten, sondern aus künstlich gefärbten Lö-
sungen von Säuren und Aromastoffen be-
standen. Dank der intensiven Kontrolle der
letzten Jahre unter Beihilfe der reellen In-
dustrie sind die Falsifikate jetzt nahezu völlig
verschwunden. Etwaige abnorme Zusätze wer-
den auf der Etikette deklariert, und die nach-
gemachten Erzeugnisse deutlich als Kunst-
produkte bezeichnet. H. findet mannigfache

Verwendung zum Aromatisieren von Likören,
Konfitüren, Bonbons, Eis, zur Herstellung von
Limonaden mit und ohne Kohlensäure. Für
die letzteren, die sog. Brauselimonaden, wird
der H. bisweilen zur Erzielung einer dunk-
leren Farbe mit Kirschsaft aufgefärbt, jedoch
muß dieser Zusatz deklariert werden. Ein
Alkaligehalt des Wassers verschlechtert die
Farbe und ist daher zu vermeiden. — Zoll:
S. Fruchtsäfte.

Hingra neönt man eine von Südpersien
und Afghanistan in den Handel kommende
Sorte von Asa foetida. — Zollfrei.

Hippursäure (Pferdeharnsäure, lat.
Acidum hippuricum, frz. Acide hippurique,
engl. Hippuric arid), eine stickstoffhaltige,
organische Säure, die im Harn der Pferde
und Rinder enthalten ist, liefert das Material
zur Gewinnung von Benzoesäure und wird
seit einigen Jahren medizinisch verwendet.
Ebenso benutzt man einige ihrer Salze, z. B.
hippursaures Lithium, hippursaures
Natrium und hippursaures Kalzium. Die
H. erscheint, nachdem sie durch Umkristalli-
sieren gereinigt worden ist, in schneeweißen,
spießigen Kristallen. Ihrer chemischen Kon-
stitution nach ist sie als eine Paarung von
Amidoessigsäure (Glykokoll) und Benzoesäure
zu betrachten. Durch Kochen mit einer ver-
dünnten Säure wird die Trennung bewerk-
stelligt und die Benzoesäure abgeschieden.
— Zollfrei.

Hirschbrunst (Hirschtrüffel, lat. Bole-
tus cervinus, frz. Bolet de cerf, engl. Stink-
horn), botanisch Elaphomyces granula-
tus, ein veralteter Artikel des Drogenhandels,
ist ein Pilz, der unterirdisch ohne Strunk in
Nadelhölzern, auf Wiesen und Angern wächst
und die Größe und Form einer welschen
Nuß besitzt. Im frischen Zustande hat das
Gewächs einen starken widerlichen Geruch,
der das Wild anlockt. Hirsche suchen ihn
in der Brunstzeit auf, auch Hasen und
Schweine gehen darnach. Die Landleute kau-
fen den getrockneten Pilz, um ihn den Rin-
dern als Sprungmittel einzugeben. — Zollfrei.

Hirschhorn (Hirschgeweihe, lat. Cornu
cervi, frz. Corn de cerf, engl. Hartshorn).
Das im gewöhnlichen Leben vielfach als Horn
bezeichnete Geweih oder Gehörn des
männlichen Hirsches ist keine eigentliche
Hornsubstanz, sondern besteht bei allen
hirschartigen, alljährlich das Geweih ablegen-
den Tieren aus eigentlicher Knochenmasse,
aus der sich die organischen Bestandteile
durch Kochen in Form von Leim (Gelatine)
ausziehen lassen, während Knochenerde
(phosphorsaurer Kalk) übrigbleibt. Horn (s. d.)
verhält sich dagegen wesentlich anders, wird
in der Hitze biegsam und nachher wieder
hart, während das Geweih des Hirsches dieses
Verhalten nicht zeigt. Die Geweihe der
Hirschfamilie sind außerdem durchaus voll
oder solid, die Hörner der Rinder hingegen
zum großen Teil hohl. Man verarbeitet das
H. zu Messer-, Gabel- und Hirschfänger-
griffen, sowie zu verschiedenen anderen
Drechslerarbeiten und zwar immer so, daß