﻿Holunderholz

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gestellt und ist ein sirupdickes Mus, von
schwarzer Farbe und angenehmem Geschmack.
Die Früchte sind dunkelviolette, runzliche
Beeren. Die Fliederblüten enthalten ein äthe-
risches öl, welchem sie ihren angenehmen
Geruch verdanken und welches auch in den
Handel gebracht wird, die Samenkerne reich-
liche Mengen eines fetten Öles. Die Blüten
des Flieders bilden, obschon nirgends selten,
doch einen ständigen Artikel des Drogen-
handels auch im Großen. —- Zoll: Holunder-
blüten, getrocknete, zollfrei. Holundermus,
ohne Zucker eingekocht: 5 M. Holunder-
beeren: S. Tarif Nr. 47. Äth. Öl: 30 M.

Holunderholz, das Holz von älteren Stäm-
men des Sambucus nigra, wird wegen seiner
Festigkeit von Tischlern und Drechslern sehr
gesucht und namentlich gern zu langen höl-
zernen Stricknadeln verarbeitet. — Zoll: S.
Tarif Nr. 615 ff.

Holundermark, das außerordentlich leichte,
ziemlich weiße Mark der jungen Holunder-
stämme wird zur Anfertigung kleiner Figuren
und Spielwerke, sowie zur Herstellung kleiner
Kügelchen für elektrische Versuche benutzt.
— Zoll: 3 M.

Holz (lat. Lignum, frz. Bois, engl. Wood).
Die Wichtigkeit und Unentbehrlichkeit des
Holzes und seine vielseitige Verwendung als
technisches Material wie als Brennstoff ist
hinreichend bekannt. Nach seiner Verwen-
dung zerfällt es in die beiden großen Grup-
pen: Nutz- oder Brennholz, die beide oft
von denselben Wäldern und Holzarten stam-
men und nur nach Beschaffenheit der ein-
zelnen Stücke gesondert werden. Das Nutz-
holz wieder wird eingeteilt in Bau- oder
Zimmerholz, Schreiner-, Drechsler- Wagner-,
Böttcher, und Maschinenholz. Je nach der
gedrungeneren oder loseren Konstruktion des
Holzkörpers und der daher rührenden größe-
ren oder geringeren Festigkeit und Schwere
unterscheidet man harte und weiche Hölzer,
bezeichnet auch wohl einige, welche in dieser
Hinsicht eine Mittelstellung einnehmen, als
halbharte. Ferner unterscheidet man noch
Farbhölzer und medizinische Hölzer
oder Arzneihölzer. Die wichtigsten Holz-
arten sind unter ihren Namen in besonderen
Artikeln besprochen. Die Ausnutzung der
Wälder erfolgt jetzt weit umsichtiger, als in
früheren Zeiten, und die Förster sortieren
ihre geschlagenen Ernten äußerst eingehend,
um so viel Nutzhölzer als möglich heraus-
zuwählen, während der Rest in die Rubrik
Brennholz fällt. Das wertvollste Nutzholz
unter den einheimischen Bäumen gibt die
Eiche. Ihr Stammholz (Langholz) wird je
nach Stärke und Länge, nach Geradwüchsig-
keit im Äußeren und im Inneren, d. h. danach,
ob der Verlauf der Fasern ein gestreckter
oder gewundener ist, ferner nach Gesundheit
und Fehlerhaftigkeit in eine größere Anzahl
von Klassen rangiert und damit zu Schiffbau-
holz, Schiffplanken und Bohlen, Mühlwellen,
Bauholz oder Böttcherholz bestimmt. Bei den
stärkeren Nadelholzstämmen ist außer Länge,
Geradwüchsigkeit und Gesundheit noch der

Durchmesser des oberen Stammendes (der
Zopfdurchmesser) für den Wert mit entschei-
dend, denn wenn dieser zu schwach ist,
kann nicht die ganze angegebene Länge nutz-
bar gemacht werden. Die besten Sorten
haben bei einer Länge von über 21 m einen
Zopfdurchmesser über 5 dm. Sie liefern Mast-
bäume, Segelstangen und die größten Bau-
stämme, kleinere Sorten Dachsparren und
schwächere Balken, Brunnenröhren usw. Be-
sonders gerade und schlichte Stammpartien
werden auf Sägemühlen zu Bohlen und Rie-
geln, Brettern und Latten zerschnitten, oder
für Siebwaren, Resonanzböden und anderes
Instrumentenholz gespalten. Zum Kleinnutz-
holz gehören das Stangenholz für Wagner,
Hopfenstangen, Pfähle, Reifenholz und dergl.
Mächtige Lücken werden neuerdings in die
ohnehin sehr reduzierten Waldbestände durch
die Eisenbahnbauten gerissen, da ungefähr
auf jeden Meter eine Schwelle kommt, die
fortgesetzt in wenigen Jahren erneuert werden
muß. Die zuerst ausschließlich verwendeten
Eichenholzschwellen hatten durchschnittlich
eine Dauer von 7 Jahren, später hat man
durch künstliches Imprägnieren mit Sublimat,
Kreosot und Karbolineum andere Holzsorten
verwendbar zu machen gelernt. Große Mengen
von H. werden jetzt auch in den Holzschleife-
reien verbraucht und zu Holzstoff und Zellu-
lose für die Papierfabrikation, sowie zu Holz-
wolle verarbeitet. Das H. erscheint im Handel
teils in rohen Stämmen, als Ganzholz, teils
zersägt und gespalten, als Spaltholz und
endlich auf Sägemühlen noch weiter zum
Gebrauch vorbereitet, als Schnittholz. Die
gefällten und entästeten Stämme, welche das
Ganzholz bilden, sind zum Verkauf entweder
rund und roh belassen, oder verloren vier-
kantig behauen, was nicht allein des leich-
teren Austrocknens halber, sondern haupt-
sächlich auch wegen des billigeren und be-
quemeren Transportes geschieht, ferner ge-
schält, was namentlich beim Flößholz oft
vorkommt. Die nach Holland geflößten
Eichen, sog. Holländer, sind alle schon be-
schlagen resp. vorgerichtet. Zum Ganz- oder
Rundholz gehört weiter das Stangenholz
und das Krummholz, das in seiner natür-
lichen Krümmung zu Schiffen, Booten, Schlit-
ten und Radkränzen Verwendung findet.
Spaltholz entsteht durch Längsteilung der
gesägten Blöcke mit der Axt und durch
Keile. Die nicht besser benutzbaren Teilstücke
bilden das zum Brennen bestimmte Scheit-
holz, die übrigen Teile des Nutzholzes für
Böttcher, Wagner, Drechsler, ferner zu Span
für Siebe, Schachteln, und zu dem wichtigen
und große Holzmassen beanspruchenden Ar-
tikel Zündhölzchen. Da beim Spalten die
Längsfasern des Holzes nicht zerschnitten
werden, sondern sich ihrem wirklichen Ver-
laufe nach trennen, so hat dieses H. vor dem
geschnittenen den Vorzug größerer Wider-
standskraft und Zähigkeit, was für viele
Verwendungen belangreich ist. Schnittholz
ist das Erzeugnis der Sägemühlen, welche
häufig in den Wäldern selbst arbeiten, wo