﻿Holz

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Holz

sich irgend eine Wasserkraft darbietet, die, wo
sie fehlt, durch Dampfkraft oder Elektrizität
ersetzt wird. Hier werden die Stämme ent-
weder nur der Länge nach einmal geteilt
(Halbholz) oder vierkantig gesägt, in schwä-
chere vierkantige Prismen (Riegel, Pfosten)
oder in Bohlen, Bretter und Latten geschnit-
ten. Der Handel mit H. ist einer der um-
fangreichsten und greift gerade in solche
Gegenden ein, die sonst dem großen Verkehr
entlegen sind. Die Gewinnung und Fort-
schaffung der voluminösen Ware von den
Orten des Überflusses nach denen des Be-
darfs gibt einer großen Menge von Menschen
Arbeit und Brot und geschieht naturgemäß,
soweit immer möglich, mit Hilfe des Wassers.
Am holzbedürftigsten ist England, das aber
nach allen Richtungen die See als Wasser-
straße hat. Die großartigen Holzmassen, die
dort bezogen werden, kommen von Rußland,
Norwegen, Schweden, Preußen und Nord-
amerika, sowie namentlich aus Kanada. Für
Kanada, Neuschottland und die nördlichen
der Vereinigten Staaten, Ohio, Michigan,
Pennsylvanien ist die Ausfuhr an rohem
Bauholz und Brettern von größter Bedeu-
tung. Sie finden nicht nur in England,
sondern auch in Westindien, ja in neuerer
Zeit sogar in Italien und den österreichischen
Küstenorten ihren Absatz. Zur Ausfuhr ge-
langen 5—6 Holzarten, darunter als wichtigste,
die auch bei uns in Anlagen gepflanzte
Weimutskiefer (Pinus Strobus), eine weiße
und eine rote Eiche und der schwarze
Walnußbaum. — Schweden und Nor-
wegen haben ebenfalls beträchtliche Holzaus-
fuhr. Ihre Waldungen bestehen im Norden
nur aus Nadelholz, Tannen und Fichten, ab-
gesehen von der überall wachsenden Birke,
welche für den Handel wenig wichtig ist.
Tannene und fichtene Masten und anderes
Schiffsholz, Balken, Bohlen, Bretter und Lat-
ten sind daher die Artikel, die hauptsächlich
von dorther kommen. Rußland hat ver-
hältnismäßig viel, wenn auch sehr ungleich-
mäßig verteilte Waldungen. Die Ströme,
Flüsse und Seen des Landes in Verbindung
mit den im Winter von der Natur gebahnten
Schlittenwegen gestatten aber ein Heranbrin-
bringen des Holzes aus weiten Fernen nach
den Ausfuhrhäfen. Ja es ist nicht selten, daß
Holztransporte zwei Jahre brauchen, um
diese zu erreichen. Der russische Ausfuhr-
handel geht über Petersburg, Archangel, Vi-
burg, Pernau, Narwa und besonders Riga,
welches weitaus der bedeutendste russische
Holzhandelsplatz ist. Hier besteht auch eine
starke Ausfuhr von Eichenholz in Stäm-
*?en,T Blöcken, Planken und Faßholz aus
Urh Vodern, die sich mehr in den süd-
r en ^tr'cBen Rußlands, besonders in den
r>; Vfrriements Kasan und Pensa finden. —
Jw® 1^‘sächlichen preußischen Ostsee-
R • ur Holzausfuhr sind Memel und
T, j , i>le versenden sowohl das eigene
T? u er zum Teil sehr waldreichen preußi-
schen Ostseeprovinzen, als auch die bedeu-
enden Zufuhren, welche sie aus den benach-

barten russisch-polnischen Provinzen erhalten,
Auch Königsberg und Elbing führen H. aus,
und Stettin versendet nicht nur die Hölzer,
die auf der Oder ankommen, sondern auch
die Produkte der pommerschen Waldungen.
Die Waldbestände aller jener Gegenden sind
Nadelhölzer, Kiefern und Fichten, doch fehlt
auch die Zufuhr von Eichenholz nicht. Es
wird von dorther wie aus Polen überhaupt
nicht nur das H. in See geführt, sondern auch
vieles landwärts, auf der Netze und Warthe
und durch die künstlichen Wasserverbindun-
gen in andere Flüsse, so daß z. B. polnisches
Bauholz von Halle zu beziehen ist, bis wohin
es auf Wasserwegen gebracht wurde. Zur
weiteren Verteilung werden natürlich die
Eisenbahnen viel benutzt und weit vorteil-
hafter als die ehemaligen Landfuhrwerke. —
Die Oder führt den nicht mehr großen Über-
schuß der oberschlesischen Wälder in
großen Langholzflößen, die meist mit Haufen
von kleinem Werkholz und Eichenholzblöcken
beladen sind, ins Niederland und bis Stettin.
In gleicher Weise trägt die Eibe die Hölzer
aus der sächsischen Schweiz und aus
Böhmen abwärts, empfängt von der Saale
aus Thüringen (in Naumburg und Ham-
burg finden Holzmessen statt), vom Harz
und rechts aus den Gebieten der Spree
und Havel weitere Beiträge und schafft
nach Hamburg, was nicht unterwegs, z. B.
an dem Knoten- und Holzhandelspunkt
Riesa, schon an Eisenbahnen für den Lan-
desbedarf abgegeben wird. Das sächsische
Vogtland hat keine Wasserstraße für Lang-
holz. Vielmehr geht alles per Eisenbahn
abwärts, nachdem selbst die Scheitflößen auf
der Elster eingestellt sind und auch das
Brennholz der Eisenbahn überwiesen worden
ist. Das Erzgebirge und Voigtland ver-
arbeiten übrigens ebenso wie die Thüringer
Waldleute einen bedeutenden Teil ihres Holz-
zuwachses selbst und führen ihn in Form der
mannigfaltigsten Holzwaren, als Kisten und
Kasten, Schachteln, Rahmen an Schiefer-
tafeln, eine Fülle von Spielwaren, Zündholz-
stäbchen u. a. aus. Weiterhin bildet die
Weser mit der Werra, Fulda, Ocker und
Aller eine belebte Handelsstraße für dieHolz-
produkte Thüringens und Braunschweigs
nach Bremen, in viel größerem Maßstabe
aber der Rhein, der mit seinen Zuflüssen
in eine beträchtliche Zahl holzreicher Gebiete
hineingreift. Baden, Württemberg und
Bayern besitzen viele und schöne Laub-
und Nadelwälder, wie den Schwarzwald,
Spessart, die bedeutenden Waldungen des
Fichtelgebirges und Böhmerwaldes,
welche letztere ihren Abzug nach der Donau
nehmen, während die Hauptmasse durch den
Main und Neckar mit Zuhilfenahme ihrer
kleinen Zuflüsse in den Rhein geschafft wird.
Das badische Murgtal, das durch den
Murgfluß mit dem Rhein direkt in Verbin-
dung steht und sich durch seinen Reichtum
schöner Hölzer auszeichnet, liefert ebenfalls
seinen Beitrag, wie auch von der anderen
Seite, durch Saar und Mosel schöne Hölzer