﻿Holz

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Holzessig

auf die große Wasserstraße gesetzt werden.
Mannheim bildet den Hauptstapelplatz für
den Handel mit den hier zusammenkommen-
den Hölzern, ein anderer ist Kastell bei
Mainz. Hier werden aus den kleineren Flößen
die großen sog. Holländerflöße zusammen-
gebaut, welche alljährlich den Rhein hinunter
nach Holland fahren. Die stärksten und schön-
sten Stämme von Fichten, Tannen und Eichen
heißen speziell Holländerholz. Die großen
Holländerflöße bestehen aus mehreren Tau-
send aneinander befestigter und 9—11 dm
hoch übereinander gepackter Großbäume, ha-
ben einen Hauptteil, das Steifstück, von 150
bis 240 m Länge, ein paar voraufgehende
Nebenflöße und verschiedene Seitenanhänge.
Mehrere 100 Mann Ruderer und andere Dienst-
leute bemannen ein solchesFloß, das mit Woh-
nungen, Küche und Viehställen versehen ist.
Bretter, Latten und Böttcherholz sind als
Oblast aufgepackt. Der Hauptstapel- und
Zerlegeplatz für diese schwimmenden Inseln
ist Dortrecht. In neuererZeit sind aber diese
Holztransporte seltener geworden, da die
Fichten- und Tannenstämme, wenn sie nicht
eine außergewöhnliche Größe besitzen, nicht
mehr gut anzubringen sind, sondern von
Schweden und Norwegen wohlfeiler geliefert
werden. Dagegen ist das Eichenholz, das
ja überall seltener und teuerer wird, in Hol-
land stets gesucht und gut bezahlt. Um aber
das an sich nicht verflößbare schwere Eichen-
holz flott zu halten, muß es notwendig mit
Nadelholz verbunden oder unterlegt werden.
— Die Donau dient natürlich auch zum
Holztransport, indem namentlich Bayern auf
der Isar, Iller, dem Inn, dem Hauptstrome
viel H. zuführt. Deggendorf, Regensburg,
Kelheim sind Hauptstapelplätze für das auf
der Donau schwimmende H. Die Flößerei
geht hauptsächlich nur bis Wien. Aus dem
südl. Ungarn, aus Slavonien, Rumänien
und Galizien, wird Fichtenholz in großen
Massen zu Resonanzböden sowie namentlich
Faßholz (Stabholz) per Bahn nach Deutsch-
land, Italien und Frankreich gebracht. Öster-
reich selbst ist in allen Kronländern, mit Aus-
nahme von Dalmatien und Istrien, reich an
Waldungen, und hier kommen noch am häu-
figsten (in den Alpen, Karpathen, Sieben-
bürgen) die Fälle vor, daß das H. wegen Un-
zugänglichkeit oder Mangel an Abzugsstraßen
gar nicht zu verwerten ist. — Die wichtig-
sten Plätze für den deutschen Holzhandel
sind Danzig, Memel, Stettin, Königsberg, die
Hansastädte, besonders für nordische und
überseeische Hölzer, und die Plätze an den
flößbaren Strömen: Rhein, Donau, Elbe, Weser,
Weichsel mit Nebenflüssen, sowie neuerdings
auch Eisenbahnstationen in der Nähe größerer
Waldungen oder an den Linien nach Öster-
reich und Polen. Für die Holzarten des
Handels gibt es zahlreiche lokale Bezeich-
nungen und Verschiedenheiten in bezug auf
Abnahme im Walde, Transport aus dem
Walde, sowie Lagerung und Verfrachtung,
besonders beim Verflößen. Die Flöße werden
zuerst im Kleinen zusammengefügt und dann

mit zunehmendem Fahrwasser und wachsen-
der Strombreite zu größeren Flößen ver-
einigt. Auf nicht flößbaren Flüssen werden
die einzelnen Holzstücke ins Wasser ge-
worfen und von selbst weiter befördert. Durch
Stauvorrichtungen kann es nach Bedarf fest-
gehalten werden, und besondere Arbeiter
gehen dem Holze nach, um es da, wo welches
hängen blieb, zu befreien. Ein derart ge-
schwemmtes H. erleidet durch das Liegen im
Wasser eine gewisse Wertverminderung und
wird auf den Floßhöfen entsprechend billiger
verkauft. Die für manche Zwecke erforder-
lichen möglichst langen und ganz reinen
Dielen kommen jetzt fast nur noch aus
Schweden und Norwegen, zum geringeren Teil
aus dem Schwarzwald. — Ist man genötigt,
H. im Freien liegen zu lassen, so wählt man
hierzu am besten ein freiliegendes Grund-
stück, welches nicht von hohen Häusern um-
geben ist, um der Luft und Sonnenstrahlen
Zutritt zu gestatten. Auch schützt man es am
besten durch Überdachung gegen Regen und
Schnee, doch so, daß die Luft seitlich hin-
durch ziehen kann. Für manche Zwecke ist
es nötig, das H. von seinen Saftbestand-
teilen zu befreien, dies geschieht durch Aus-
laugen oder Ausdämpfen. Für andere Ver-
wendungen, z. B. zu Wasserbauten, Tele-
graphenstangen, Eisenbahnschwellen, wird
das H. besonders konserviert, indem man es
mit Kupfervitriollösung, Chlorzinklösung, Sub-
limatlösung, Karbolsäure, Karbolineum usw.
imprägniert. — Zoll: S. Tarif Nr. 72. 74 ff.
615 ff.

Holzbeizen bilden einen wichtigen Han-
delsartikel und werden verwendet, um ge-
ringwertigen Hölzern durch Färbung das
Aussehen teuerer zu geben. So hat man H.
für Nachahmung von Ebenholz, Nußbaum,
Jakaranda, Mahagoni usw. Die H. sind meist
Auflösungen verschiedener Farbstoffe, na-
mentlich von Anilinfarben, außerdem für
Braun eine wässerige Lösung von überman-
gansaurem Kali usw. — Zollsatz: S. d. be-
treffenden Artikel.

Holzessig (Holzsäure, lat. Acetum pyro-
lignosum, frz. Acide ligneux, Vinaigre de bois,
engl. Pyroligneous acid). Wenn Holz der
trockenen Destillation unterworfen wird,
hinterläßt es zirka 20—30°/o Kohle, und die
abgetriebenen Destillationsprodukte sind teils
wirkliche Gase (Leuchtgas), teils Dämpfe von
Flüssigkeiten, die durch Kühlvorlagen wie-
der tropfbar verdichtet werden. Sie bilden
ein Gemisch zahlreicher Substanzen, das sich
bei ruhigem Stehen schon von selbst in zwei
Schichten trennt, nämlich Holzteer, welcher
die untere Stelle einnimmt, und rohen Holz-
essig. Beide sind Handelsware, soweit nicht
der letztere sofort weiter verarbeitet wird.
Bei der Verkohlung von I-Iolz nach her-
gebrachter Weise in Meilern gehen die De-
stillationsgase und Dämpfe natürlich in die
Luft, dagegen bieten Holzgasfabriken die
beste Gelegenheit zur Verwertung^sämtlicher
Produkte. In neuerer Zeit verlegt man sich
immer mehr darauf, auch bei der eigent-