﻿Holzgeist

187

Holzkohle

liehen Kohlenbrennerei das Destillations-
verfahren an Stelle der Meilerverkohlung ein-
zuführen, wodurch der H. und Teer gewonnen
und das auftretende Gas zur Heizung der
Retortenöfen benutzt wird. Der rohe H., eine
braune, saure, unangenehm teerig und rauchig
riechende und schmeckende Flüssigkeit, be-
steht neben Wasser aus Essigsäure, Holz-
geist, Azeton und kleinen Mengen von Phe-
nolen (Guajakol), die hier nur die Rolle
von Unreinigkeiten spielen. Die Menge der
einzelnen Bestandteile ist verschieden, je
nach den Holzarten, den Apparaten und der
mehr oder weniger guten Leitung der Feue-
rung. Dje meiste Essigsäure enthält das De-
stillat von Buchen- und Birkenholz. Im all-
gemeinen wechselt der Gehalt zwischen 5 und
9°/o Essigsäure. — Der rohe H. dient für sich
als fäulniswidriges Mittel, zur Konservierung
von Holz und zum Bestreichen von Fleisch-
waren (kalte Räucherung), ferner für Fär-
bereien und Druckereien zur Darstellung des
zu gewissen Farben erforderlichen holzessig-
sauren Eisens (vgl. Essigsäure) und zur Fa-
brikation reiner Essigsäure (s. d.). Durch Um-
destillieren des rohen H. in der Weise, daß
nur drei Viertel vom Ganzen abgezogen wer-
den, enthält man den gereinigten oder
rektifizierten H., der in der Medizin und
als Desinfektionsmittel verordnet wird. — Zoll:
S. Tarif Nr. 187 und 277; Holzteer zollfrei.

Holzgeist (Methylalkohol, Methyl-
oxydhydrat, Karbinol, lat. Alkohol me-
thylicus, frz. Esprit hydroxylique, Alcool
möthylique, engl. Pyroligneous spirit, Wood
naphta, Methylated spirit) ist ein Bestand-
teil des Holzessigs (s. d.), aus welchem er
durch wiederholte fraktionierte Destillation
und weitere Reinigung fabrikmäßig gewonnen
wird. Der für gewöhnlich im Handel vor-
kommende H. ist stets noch etwas wasser-
haltig, und die geringeren Qualitäten enthal-
ten auch noch andere flüchtige Beimengungen,
die jedoch für manche seiner Verwendungen
nicht störend sind. Man verkauft ihn wie
den Spiritus nach Prozenten, Tralles, ge-
wöhnlich 95—98°/o. — Der H. ist eine dem
gewöhnlichen Alkohol (Äthylalkohol, Wein-
geist) ähnliche farblose, brennbare, sehr
flüchtige Flüssigkeit, von eigentümlichem gei-
stigen Geruch und brennendem Geschmack,
welche sich mit Wasser in allen Verhält-
nissen mischt. Im konzentrierten Zustande
wirkt er giftig, im verdünnten berauschend,
siedet bei 65° und destilliert unverändert
über. Das spez. Gew. beträgt 0,797. Die
Hauptverwendung findet der H. jetzt zur
Darstellung von Jodmethyl (Methyljodür)
tur die Herstellung verschiedener Anilinfar-
, e?- In England benutzt man ihn, wegen der
onen Spiritussteuer, ganz allgemein anstatt
es ßpiritus zum Brennen und zur Bereitung
von .Lacken, ferner wie auch in Deutschland
zum Denaturieren von Spiritus. - Zoll: S.
Tarif Nr. 349/50.

Holzkohle (lat. Carbo ligni, frz. Charbon
de bms, engl. Char coal). Dieser wichtige
und viel benutzte Stoff besteht aus dem größ-

ten Teile des im Holze vorhanden gewesenen
Kohlenstoffes nebst den mineralischen oder
Aschenbestandteilen des Holzes, und entsteht
bei der unvollständigen Verbrennung des
Holzes in Meilern oder Retorten. In letz-
teren ist die Ausbeute an H. natürlich größer,
da bei den Meilern ein Teil des Holzes für
die Unterhaltung des Brandes geopfert wer-
den muß, dafür bedürfen aber die Destil-
lationsgefäße einer mehrstündigen äußeren
Feuerung. Die Destillation ergibt im Maxi-
mum etwa 27«/o Kohle vom Gewicht des
lufttrockenen und 28—32°/o des vorher stark
ausgetrockneten Holzes, die Meilerverkohlung,
wenn sie sorgfältig geführt wird, etwa 20
bis 23. Die Kohlenbrennerei, ein Geschäft,
das viel Umsicht erfordert, erfolgt im allge-
meinen derart, daß eine aus Scheiten auf-
gebaute Holzpyramide überall, bis auf eine
Öffnung an der Spitze, mit einem Mantel
von Rasen und Erde umgeben und von der
Mitte heraus angezündet wird. Die nötige
Luft findet ihren Eingang durch Löcher,
welche zu unterst ringsum in den Mantel ge-
stoßen sind, der Brand beginnt von oben und
pflanzt sich im Innern allmählich seit- und
abwärts fort. Zur rechten Zeit wird die obere
Öffnung zugeschlagen. Dafür werden andere
Löcher auf halber Höhe eingestoßen, und
überhaupt so oft neue Löcher eröffnet und
alte geschlossen, als der gute Fortgang der
Operation erfordert. Der Brand geht somit
immer dem Luftstrome entgegen, die brenn-
baren Gase, die sich aus dem Holze ent-
wickeln, dienen zugleich zu dessen Verkoh-
lung, herausbrechende Flammen werden im-
mer sogleich unterdrückt. Der fertig ge-
brannte Haufen wird nicht der freiwilligen
Abkühlung überlassen, da die Kohlenmasse
dabei noch zu sehr schwinden würde, son-
dern hier und da aufgebrochen, wobei man
die mit Haken herausgezogenen glimmen-
den Stücke mit Wasser oder Sand ablöscht.
Im übrigen sind die Vorgänge bei der Ver-
kohlung des Holzes in Meilern und Retorten
die nämlichen, nur daß im letzteren Falle
die brennbaren Gase wegen Luftmangel un-
verbrannt bleiben und zu anderweiter Ver-
wendung abgeleitet werden. Beim Anfeuern
des Meilers und der Retorte entweicht zu-
nächst, wenn die Hitze erst wenig über den
Siedepunkt gestiegen ist, Wasser in Dampf-
form. Beim Steigen der Hitze beginnt die
Zersetzung des Holzes, Wasserstoff und Sauer-
stoff werden ausgetrieben, die sich ebenfalls
zu Wasser verbinden. Auch der Kohlenstoff,
obwohl beständiger als jene beiden anderen
Elemente, wird zum Teil in die Zersetzungs-
und Neubildungsprozesse mit hineingertssen,
und liefert eine große Anzahl gasförmiger
und dampfförmiger Produkte, von denen die
letzteren durch Abkühlung zu Teer und
Holzessig verdichtet werden können. Auf
diese Weise gehen bei der Destillation des
Holzes von den zirka 40% Kohlenstoff, welche
dasselbe enthält, etwa 13% in den flüchtigen
Produkten fort. Die H. hat vor dem Holze
in praktischer Hinsicht bedeutende Vorzüge,