﻿Holzkohle

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Holzwolle

einesteils durch die große Leichtigkeit und
Transportierbarkeit im Vergleich zu dem vier-
mal schwereren Holz, und dann hauptsächlich
dadurch, daß sie im kleinsten Raume die
intensivste Heizkraft einschließt und das
reinste Feuer ohne Rauch und fast ohne
Flamme liefert. Die harten Hölzer geben
auch härtere Kohlen mit größerer Heizkraft,
mit Ausnahme der Eiche, deren Kohle wenig
taugt. Die Kohlen der Weichhölzer sind leich-
ter brennbar als die der harten und werden
in größerer Menge dargestellt, während zur
Destillation nur harte Hölzer verwendet wer-
den, weil sie die meiste Ausbeute an Holz-
essig geben. Die H. werden hauptsächlich
als Brennstoff, als Reduktionsmittel bei der
Metallgewinnung und als absorbierendes Mittel
verwendet, in geringeren Mengen zur Herstel-
lung von Schießpulver, als Schleifpulver, zu
Zeichenkohle usw. In erster Beziehung werden
sie besonders von Metallarbeitern, Schmieden
und Schlossern benutzt, und wenn diese sich
neuerdings auch oft mit Steinkohlen behelfen,
so kann doch bei Verarbeitung des Stahls
die H. nicht entbehrt werden. Zu hütten-
männischen Zwecken, zum Ausschmelzen des
Eisens, Zinks, Zinns und Bleies aus den Erzen
war H. früher das einzige Mittel, während
jetzt, namentlich bei Eisenhochöfen, in Er-
mangelung von Kohlen meistens Koks benutzt
werden müssen. Die leichtflüssigen Metalle
werden schon reduziert, wenn ihre Oxyde
mit Kohlenpulver gemischt und in Tiegeln ge-
glüht werden. Auch hier verbrennt die Kohle
zu Kohlensäure, indem sie den nötigen Sauer-
stoff dem beigemengten Oxyde entreißt. In
ganz analoger Weise wird der Phosphor
(s. d.) aus seinem Oxyde, der Phosphorsäure,
durch Kohle abgeschieden. — Die Kohle zeigt,
wenn sie beim Verkohlen ungestört bleibt,
noch völlig die Gestalt und Struktur des
Holzes, nur ist sie kleiner geworden. Durch
das Entweichen so vieler Gase und Dämpfe
aus dem Holzkörper ist sie aber in aus-
gezeichnetem Grade porös geworden, einem
höchst feinen Schwamm vergleichbar, und
daher fähig, große Mengen gasiger Mate-
rien zu verschlucken und aus Flüssigkeiten
verschiedene Stoffe auszuscheiden. Diese ab-
sorbierende Kraft der gepulverten H. wird in
vielen Fällen technisch verwendet, so als Des-
infektionsmittel, um Miasmen und Faulgerüche
in Wohnräumen oder Kloaken zu beseitigen,
zum Reinigen von Wasser, welches orga-
nische Zersetzungsprodukte, Metallsalze usw.
enthält, und zum Entfärben von Flüssigkeiten,
sofern die Färbung von besonderen, abscheid-
baren Bestandteilen herrührt. Das Kohlen-
pulver zieht aus gemischten Flüssigkeiten
überhaupt in vielen Fällen einzelne Stoffe an
sich, namentlich Pflanzenbitterstoffe und
Pflanzengifte. Die absorbierende Kraft der
H. wird im allgemeinen durch die der Tier-
kohle (s. d.) übertroffen, doch paßt für
manche Verwendungen die erstere besser, so
namentlich zum Entfuseln des Spiritus. Hier-
bei kann man gleich die Spiritusdämpfe durch
einen Behälter mit grob gepulverter Kohle

streichen lassen, oder man leitet häufiger
den ablaufenden Sprit auf Kohlenpulver und
läßt ihn durchsickem, wobei das Fuselöl von
der Kohle zurückgehalten wird. Alle Kohle, die
zu Zwecken der Absorption dienen soll, muß
entweder frisch gebrannt oder gleich im fri-
schen Zustande luftdicht verpackt worden
sein, da sie in freier Luft sich mit Gasen
und Riechstoffen sättigen und dann beim
Gebrauch unwirksam sein würde. Man kann
aber einer unwirksam gewordenen Kohle die
absorbierende Eigenschaft der frischen im
vollen Maße wiedergeben durch Ausglühen,
was schon bei der gewöhnlichen im Handel
käuflichen Kohle allemal zu geschehen hat.
Man füllt zu dem Zwecke die Kohlen in
Zugöfen, entzündet sie und bringt sie in vollen
Brand, bis kein Rauch und Geruch mehr zu
bemerken ist, und bringt sie noch glühend
in gut verschließbare eiserne Kästen oder
Töpfe. Zu allen derartigen Zwecken dient
Weichholzkohle, da sie die stärkste Porosität
und Absorptionskraft hat. Am kräftigsten
wirkt die Kohle von Pappelholz, dann folgt
die von Lindenholz und hierauf die von
Nadelhölzern. — Zollfrei.

Holzteer (lat. Pix liquida, Pix navalis, frz.
Goudron vögötal, engl. VegetableTar),schwarz-
braune dicke Flüssigkeit. S. Näheres bei
Teer. — Zollfrei.

Holzteeröl (lat. Oleum picis, frz. I-Iuile de
goudron vegetale, engl. Tar oil) wird durch
Destillation des Holzteers gewonnen und ist
frisch destilliert ziemlich farblos, nimmt aber
bei längerem Lagern eine gelbe bis rotbraune
Farbe an. Die wichtigsten Bestandteile sind
Kohlenwasserstoffe wie Benzol, Toluol und
Phenole. H. hat ein spez. Gew. von ca.
0,970 und kann durch fraktionierte Destil-
lation in Schwer- und Leichtöl geschieden
werden. Das Holzkreosot (s. d. bei Kreosot)
wird namentlich aus Buchenholzteer gewon-
nen. Verwendet wird Holzteeröl in der Volks-
medizin bei Hautkrankheiten, in der Tier-
heilkunde bei Räude. — Zollfrei.

Holzwolle (Holzfaden, Holzfaser, lat.
Lana ligni, frz. Charpie de bois, engl. Wood
wol), sehr dünne, aus weichem Holz ge-
fertigte Fäden, kommt in zwei Sorten in den
Handel, solche, die zu der sogenannten Holz-
weberei oder zur Herstellung von Holztuch
verwendet wird, und solche, die wie Werg
aussieht, deren Fasern also regellos durch-
einander gewirrt sind. Die Herstellung der
Holzwolle ist ein ziemlich bedeutender In-
dustriezweig geworden. Sie wurde zuerst aus
Amerika zu uns gebracht und zwar als Ver-
packungsmaterial an Stelle des Heues und
Strohes. Die Herstellung erfolgt aus Kiefem-
oder Fichtenholz mittels besonderer Maschinen
in der Weise, daß die auf dem Schlitten der
Maschine dem Holz zunächst befindlichen
verstellbaren Ritzmesser das zu verarbeitende
Material der Länge nach in einzelne, in der
Breite beliebig wählbare Fasern zerschnei-
den, welche dann durch das nachfolgende
Spannmesser in der ganzen Breite abgetrennt
werden und als Holzwolle unter die Maschine