﻿Holzzeug

189

fallen. Die H. wird als vorzügliches Pack-
material und ferner, ihrer großen Elastizität
wegen, als Polsterungsmaterial verwendet.
Auch als Streumaterial für Stallungen hat
man sie empfohlen. Außerdem verwendet man
Holzwolle, entweder allein oder in Verbin-
dung mit Verbandwatte, zu billigen Ver-
bänden, zu Damenbinden usw. — Zoll: 0,40 M.

Holzzeug (Holzstoff, Holzschliff, frz. Matifere
de bois, Pate de bois, engl. Wood pulp), ge-
schliffenes Holz, wird in großen Massen zur
Papierfabrikation verbraucht (s.Papier). Holz-
staub (Holzmehl, engl. Flocks) wird in der
Weise hergestellt, daß man sehr dünne Hobel-
späne weicher Hölzer - mit Seifenwasser,
besser Natronlauge, kocht, mit Wasser sorg-
fältig auswäscht, darauf sehr fein vermahlt
und beliebig färbt. Es dient zur Bereitung
der Samttapeten und wird mit einem ge-
ruchlosen, Insekten verscheuchenden Kleb-
stoff auf dem Papier befestigt. Vor dem
früher benutzten Wollstaub hat es den Vor-
zug, um 50°/o leichter und 10°/o billiger zu
sein. Ein besonders präpariertes Holzmehl
dient in der Bäckerei bisweilen unter dem
Namen Holzstreumehl zum Bestreuen der
Unterseite von Broten, um an Stelle von
Mehl das Ankleben zu verhindern. Doch
ist die Zulässigkeit dieses Verfahrens zweifel-
haft. — Zoll: S. Tarif Nr. 650.

Homatropin (Oxytoluyltropein), ein zu-
sammengesetzter Äther des Tropins (Spal-
tungsprodukt des Atropins), wird durch wie-
derholtes Eindampfen der Lösung von Tropin
und Mandelsäure mit verdünnter Salzsäure
erhalten. Es kristallisiert in durchsichtigen
Prismen und wirkt energisch erweiternd auf
die menschliche Pupille wie das Atropin,
die Wirkung geht aber rascher wieder vor-
über. Das H. wird jetzt medizinisch in der
Augenheilkunde verwendet. — Zollfrei.

Honig (lat. Mel, frz. Miel, engl. Honey) ist
der von der Arbeitsbiene, Apis mellifica,
aus Blüten aufgesaugte und in ihrem Honig-
magen verarbeitete Saft, welcher in den Waben
(Wachszellen) zur Ernährung der jungen Brut,
sowie als Wintervorrat wieder abgeschieden
wird. Er besitzt frisch ausgelassen das Aus-
sehen eines klaren, zähklebrigen Sirups, trübt
sich aber allmählich durch Ausscheidung von
Traubenzucker und erstarrt schließlich zu
einer mehr oder weniger festen kristallinischen
Masse. Je nach der Art der Blüten, aus
welchen der Honig gesammelt wird, und
welche für sein Aroma bestimmend sind,
unterscheidet man Anis-, Akazien-, Haide-,
Klee-, Linden-, Raps- usw. Honig. Eine
Abart bildet der von den Pollen der Nadel-
“°-er gesammelte sog. Koniferenhonig,
welcher dunkler gefärbt ist, einen eigen-
artigen, terpentinähnlichen Geruch und
weniger süßen Geschmack besitzt. Er gilt als
minderwertig, ebenso wie der überseeische
sog Havana-, Kalifornische, Chile-,
Valparaiso-H., welcher infolge seiner Ab-
stammung von duftlosen tropischen Blüten
iS?.*', Har kein Aroma besitzt. In seltenen
ballen sind auch giftige Honige beobachtet

Honig

worden, die von einigen giftigen Rhododen-
dronarten gesammelt werden, für unsere Ver-
hältnisse aber keine Bedeutung haben. Der
H. wird entweder in unverändertem Zustande
mit den Waben als sog. Scheiben-H. in
den Handel gebracht, oder von den Waben
getrennt als ausgelassener PI. Im letzteren
Falle unterscheidet man je nach der Art der
Gewinnung Leck-H. (durch freiwilliges Aus-
tropfen) und Schleuder-H. (durch Zentri-
fugieren), ferner Preß-H. (kalt gepreßt),
Seim-H. (bei gelinder Wärme gepreßt) und
Land-H. (durch Schmelzen der Waben).
Die beiden ersten, als die reinsten Sorten
werden auch Jungfernhonig genannt. In
chemischer Hinsicht ist der H. im wesent-
lichen eine wäßrige Auflösung ungefähr
gleicher Teile Glukose und Fruktose, neben
welchen noch geringe Mengen Rohrzucker,
Dextrin, Stickstoffsubstanzen, Mineralstoffe,
Ameisensäure, Aromastoffe, Wachs und Pol-
len Vorkommen. Im Mittel enthält er 20%
Wasser, 22—44% Glukose, 32—49% Fruk-
tose, 0,8—2,7 % Stickstoffsubstanz, 0,1—0,2%
Ameisensäure. Von den zahlreichen Ver-
fälschungen sind Zusätze billigerer Zucker-
arten, wie Rohrzucker und Stärkesirup am
verbreitetsten, aber es kommen auch völlige
Kunstprodukte in den Verkehr, welche ohne
oder mit geringen Spuren H. aus künstlich
gelbgefärbtem und parfümiertem Zuckersirup
hergestellt und mit Blütenstaub und Wachs-
teilchen garniert sind. Die früher für diese
Erzeugnisse beliebte Bezeichnung „Tafel-
honig“, „Präparierter Honig“ ist durch
die Rechtsprechung für unzulässig erklärt
worden, und derartige Proben dürfen daher
nur in Büchsen mit der deutlichen Inschrift
„Kunsthonig“ in den Verkehr gebracht
werden. Ebenso wie der direkte Zusatz frem-
der Zuckerarten, widerspricht auch das in-
direkte Verfahren, die Zuckerfütterung, dem
Nahrungsmittelgesetz. Nach Ansicht der reel-
len Imkerkreise ist die Verfütterung von
Zucker an die Bienen nur in Notfällen, d. h.
zur Überwinterung u. dgl., nicht aber zur
Erzeugung von H. gestattet. Auch durch
künstliche Zuckerfütterung gewonnener H.
ist als verfälscht zu beurteilen. Der H. bildet
ein wertvolles Nahrungs- und Genußmittel,
das in steigenden Mengen von den deutschen
Bienenzüchtern in den Handel gebracht wird.
Nach Mitteilung des Kaiserl. Gesundheits-
amtes gab es 1900 im Deutschen Reiche
über 2 600000 Bienenstöcke, die 150000 dz H.
lieferten, und für die Zunahme der Produk-
tion spricht am besten die Tatsache, daß die
Einfuhr von 32000 dz im Jahre 1890 auf
19000 im Jahre 1900 sank, während die Aus-
fuhr in dem gleichen Zeitraum von 226 auf
3200 dz anstieg. Es ist zu wünschen, daß diese
zwar mühsame, aber lohnende Beschäftigung
sich weiter ausdehnt. Neben der Verwendung
zum direkten Genuß wird H. auch zur Her-
stellung verschiedener Präparate: Gereinig-
ter Honig, Mel depuratum der Pharmazie,
Rosenhonig (mit Rosenextrakt), Salizyl-
H., Borax-H. (mit Borax und Glyzerin),