﻿Horn

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Hühnereier

weiß und gelblichgrau bis schwarz variierend,
und erweicht in der Hitze so weit, daß
man sie nicht nur bequem biegen und pressen,
sondern selbst löten oder schweißen kann.
Mit diesen Eigenschaften eignet sich das Horn
zu einer Menge technischer Verwendungen,
die sich ziemlich scharf in zwei Gruppen
sondern, je nachdem dabei der solide oder der
hohle Teil der Hörner in Arbeit genommen
wird. Die oberen soliden Enden sind die
wertvollsten und am meisten gebrauchten
Teile. Sie kommen häufig schon abgeschnit-
ten und separat als Hornspitzen in den
Handel und bilden hauptsächlich das Material
für Horndrechsler, während Hohlstücke
(Hornschroten) dem Kammacher zufallen.
Bei Verarbeitung der ersteren zu Stockgriffen,
Spitzen für Raucher und dergl. bedient man
sich der Drehbank, Messer, Feilen und unter
Umständen des Biegens in der Hitze. Die
Hohlstücke werden hingegen durch Ein-
weichen, Erhitzen und Pressen in Platten-
formen gebracht und für gewisse Zwecke
durch eine besondere Behandlung mit Öl
durchscheinend gemacht. Schließlich wird die
Hornmasse auch verschiedentlich gefärbt und
gebeizt, und namentlich durch Erzeugen einer
gefleckten Färbung zu Schildkrot gestempelt.
— Hufe lassen sich wie Horn verarbeiten
und werden besonders in Knopffabriken be-
nutzt, wo sie durch Kochen erweicht, in
Scheiben geschnitten und durch Pressen ge-
formt werden. — Hornspäne und andere
Abfälle dienen zur Darstellung von Tierkohle,
Blutlaugensalz und dergl., ferner zum Ver-
stählen von Eisen und als Düngmittel. Unter
Umständen werden sie aber auch durch heiße
Pressung noch zu Dosen, Knöpfen und dergl.
verarbeitet. — Die Ochsen- und Kuhhörner,
die in Deutschland selbst in großer Menge
erhalten werden, bilden eine Sekundaware,
von welcher nur die Spitzen zu Hornarbeiten
verwendet werden. Sehr viele und gute H.
kommen dagegen von den Ebenen Süd-
amerikas über Buenos Ayres, Rio Janeiro usw.
Die amerikanischen Büffelhörner sind be-
sonders groß, von der Spitze bis zu einem
Drittel abwärts schwarz, übrigens weiß, in
der Masse sehr fest, rein und durchscheinend
und nehmen eine schöne Beize an. Sie werden
aber immer seltener und teurer. In Europa
sind die ungarischen Hörner durch besondere
Größe ausgezeichnet. Sie sind grau, grünlich
oder schwarz mit weiß gemischt. Die größten
und schönsten werden zu studentischen Trink-
hörnern verarbeitet. Irische Hörner, hell-
farbig und fast bis zur Spitze hohl, werden in
uer Bearbeitung sehr durchsichtig und sind
'-sonders zu Plattenarbeit geschätzt. Ruß-
n und Polen, die Schweiz, Spanien und
or ugal bringen ebenfalls verschiedene Qua-
f von Hörnern an den Markt. Die Büf-
°™er werden wie die Rindshörner ver-
i , e ’ ?lnd aber teurer als diese, da sie
, ..r undv<m feinerer Masse sind und eine
schönere Politur annehmen. Sie sind ge-
ruckt, fast dreikantig, in der Masse dunkel-
braun oder schwärzlich. Die schönsten werden

aus Kleinasien und Indien bezogen, geringere
kommen aus Ungarn, Siebenbürgen, der Wal-
lachei, Italien, Spanien. — Ziegen- und
Widderhörner finden ebenfalls Verwen-
dung, besonders als Laternenhorn. — Die hüb-
schen schwarzen hakenförmigen Gemshörner
sind beliebt für Stockkrücken, zu Spitzen,
Stiefelhaken u. dgl. — Die Hörner vom Gnu
und anderen Antilopen, vom Rhinozeros,
Renntier usw. haben für unseren Markt keine
Bedeutung. — Zoll: S. Tarif Nr. 610. ff.

Hornblende, ein außerordentlich weit ver-
breitetes Mineral, welches einen regelmäßigen
Gemengteil zahlreicher Massengesteine (Syenit,
Trachyt usw.), sowie von Gneis und Horn-
blendeschiefer ausmacht, auch selbst gesteins-
bildend als Hornblendefels auftritt, be-
steht im wesentlichen aus einem Kalzium-
Magnesiumsilikat, welches gewöhnlich Eisen
und Tonerde enthält. Von den vielen Arten
der H.: Grammatit, Aktinolith (Strahl-
stein) usw. findet besonders der Asbest
(s. d.) technische Anwendung. — Zoll: S.
Asbest.

Hubertus-Sprudel in Hönningen enthält
nach der Analyse von R. und H. Fresenius
(1899) in 1000 Gewichtsteilen: Bikarbonate
des Natriums 2,3129 g, Lithiums 0,0074 g,
Ammoniums 0,0016 g, Kalziums 0,7912 g,
Baryums 0,0003 g, Strontiums 0,0051 g, Mag-
nesiums 1,2088 g, Eisenoxyduls 0,0211 g,
Manganoxyduls 0,0007 g, Natriumchlorid
1,3731 g, Natriumbromid 0,0016 g, Natrium-
jodid Spur, Sulfate des Kaliums 0,1377 g,
Natriums 0,2045 g, Arsensaures Natrium
0,0015 g, Natriumphosphat 0,0009 g, Natrium-
nitrat 0,0115 g, Natriumborat 0,0010 g, Kiesel-
säure 0,0179 g, freie Kohlensäure 0,8707 g.

Huflattich (lat. Folia farfarae, Herba far-
farae, frz. Feuilles de tussilage, engl. Colts-
foot leaves), die getrockneten Blätter einer
ausdauernden, in ganz Europa auf tonigem,
aber kalkhaltigem Boden wachsenden Pflanze
(Tussilago farfara) mit niedrigem, weiß-
filzigem, einblütigem Stengel und gelber Kom-
positenblüte, auf welche später erst die rund-
lich herzförmigen, auf dem Boden liegenden
Blätter folgen. Die oben grün und etwas
glänzend, unten weißfilzig aussehenden Blät-
ter schmecken bitter, schleimig und etwas
zusammenziehend und kommen mit unter den
Brusttee. Auch die Huflattichblüten (lat.
Flores farfarae, frz. Fleurs de tussilage, engl.
Coltsfoot Flowers) werden als Tee verwendet.
Die verwandte Pflanze Tussilago Petasi-
tes, großer Huflattich, Pestwurz, mit be-
deutend größeren, nierenförmigen Blättern
und purpurfarbigen Blüten, wird öfters zum
Verfälschen benutzt. — Zollfrei.

Hühnereier (lat. Ova gallinacea, frz. Oeufs
de poule, engl. Pullet eggs), die als Nahrungs-
mittel in erster Linie in Betracht kommende
Sorte Vogeleier, haben ein mittleres Gewicht
von 53 g (mit Schwankungen von 30—72 g),
von denen 6 g auf die Schale, 31 g auf das
Eiweiß und 16 g auf den Dotter entfallen.
Die Schale besteht aus ziemlich reinem
Kalziumkarbonat mit geringen Beimengungen