﻿Hyoszyamin

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Indigo

Früher kam das H. nur in amorphem Zu-
stande in den Handel, jetzt erhält man es
auch kristallinisch, und zwar durch Verdamp-
fen seiner Lösung in Chloroform (rhombische
Tafeln) oder in Benzol (nadelförmige Kri-
stalle). Auch durch vorsichtiges Erhitzen läßt
sich das H. kristallinisch erhalten. Es subli-
mieren hierbei weiße, seideglänzende Nadeln,
deren Schmelzpunkt bei 108,5° liegt. Mit
Säuren bildet das H. gut kristallisierbare

Salze (Hyoszyaminsalze), von denen na-
mentlich das schwefelsaure H. medizinisch
verwendet wird. — Zollfrei.

Hypnal, Chloralantipyrin, entsteht beim
Zusammenreiben von Antipyrin mit Chloral-
hydrat als ein in Wasser leicht lösliches
Kristallpulver vom Schmelzpunkt 67—68°.
Es wird an Stelle des Chloralhydrates ver-
ordnet, ohne vor diesem besondere Vorzüge
zu besitzen. — Zollfrei.

I.

Ichthyol nennt man ein schwefelhaltiges
organisches Präparat, welches aus dem, viele
Fischreste enthaltenden bituminösen Schiefer
(Stinkstein) von Seefeld in Tirol durch trockne
Destillation gewonnen wird. Das hierbei über-
gehende I.-Rohöl, ein bräunlich gelbes, grün-
lich fluoreszierendes Öl vom spez. Gew. 0,865,
enthält geringe Mengen Chinolin, Pyridin und
organische Säuren und besteht der Haupt-
menge nach aus schwefelhaltigen Kohlen-
wasserstoffen der Paraffin- und Äthylenreihe.
Durch Behandlung mit Schwefelsäure wird
es in die wasserlösliche I.-Sulfosäure über-
geführt, welche, hauptsächlich nach der Neu-
tralisation mit Ammoniak, alslchthyolsulfo-
saures Ammonium therapeutische Anwen-
dung findet. Die zahlreichen I.-Präparate
werden äußerlich gegen Hautkrankheiten,
Rheumatismus, Brandwunden, innerlich vor
allem gegen Lungentuberkulose verordnet.
Wegen der Unterschiebung minderwertiger
Ersatzmittel ist Vorsicht beim Ankauf ge-
boten. — Zoll: 40 M.

Ignatiusbohnen (lat. Fabae St. Ignatii,
frz. Feves de Saint-Ignace, engl. St. Ignatius
beans), die Samen eines auf den Philippinen
wachsenden Baumes, Strychnos Ignatii
oder Ignatia amara, welcher dem Krähen-
augenbaum (s. Krähenaugen) nahe verwandt
ist, und mit diesem die Bitterkeit seiner
Teile und die besondere Giftigkeit der Samen-
körner teilt. Beide Samenarten enthalten
Strychnin und Bruzin. Der Strychningehalt
der Ignatiusbohnen und dementsprechend
auch ihre giftige Wirkung ist sogar noch
größer als bei den Krähenaugen. Die Bohnen
haben ihren Namen daher erhalten, daß
sie zuerst von den Jesuiten medizinisch an-
gewandt wurden. Sie sind sehr verschieden
gestaltet, 1—2 cm lang, meist stumpf drei-
kantig, eiförmig, an den Seiten teils konkav,
teils konvex, fein gerunzelt oder glatt, und
stellenweise bräunlich behaart. Die Farbe
ist verschieden grau oder bräunlich, die Sub-
stanz homartig. Die geruchlosen, aber äußerst
bitter und ekelhaft schmeckenden Samen die-
nen zur Bereitung von Strychnin. —
Zollfrei.

Uovit, ein zum Reinigen von Bierleitungs-
röhren angepriesenes Präparat, besteht aus
gewöhnlichem rohen Ätznatron. Preis 2,50 M.,
Wert 30 Pfg. (1).

Indamine, eine Gruppe von Teerfarben,
entstehen, wenn Paradiamine oder Para-
amidophenole bei Anwesenheit von Mona-
minen oder Phenolen in saurer Lösung oxy-
diert werden, während in alkalischer Lösung
die verwandten Indophenole gebildet wer-
den. Die I., deren einfachster Vertreter, das
Phenylenblau (aus Anilin und Paraphe-
nylendiamin) ist, bilden grüne bis blaue Salze
und sind durch große Sodabeständigkeit aus-
gezeichnet, werden aber von Säuren leicht
zerstört. Sie finden als Beizenfarbstoffe für
Baumwolle Anwendung. — Zollfrei.

Indanthren, ein blauer Teerfarbstoff, wird
durch Schmelzen von Betaamidoanthrachinon
mit Kali bei 200—300° hergestellt, als ein
blaues, in Wasser unlösliches, aber in Alka-
lien lösliches Pulver und dient zum Färben
von Baumwolle. —• Zollfrei.

Indigo (lat. Indicum, frz. und engl. Indigo),
der wichtigste und echteste blaue Farbstoff,
ist schon seit dem frühesten Altertum in
Ostindien bekannt und bereits zur Zeit der
alten Römer nach Europa gebracht worden,
wo er vielfach als ein Mineral, indischer
Stein, angesehen wurde. Tatsächlich ist er
ein Produkt des Pflanzenreichs und findet sich
als ein Glukosid in den Blättern verschie-
dener Papilionaceen, wie Indigofera
tinctoria, I. pseudotinctoria, I. anil, I.
disperma, I. arg ent ea und I.emarginata.
Einige weitere Pflanzen, aus welchen früher
ebenfalls geringe Mengen I. gewonnen wur-
den, wie der auch in Deutschland angebaute
Waid (Isatis tinctoria), ferner der Färber-
knöterich (Polygonum tinctorium und chi-
nense) u. a. kommen jetzt technisch nicht
mehr in Betracht. Die Indigopflanze wird
in Süd- und Mittelamerika, in Ägypten, Ara-
bien und am Senegal, vor allem aber in Ost-
indien in großem Maßstabe angebaut und
nach der Ernte gleich an Ort und Stelle
weiter verarbeitet. Der Farbstoff ist in den
Blättern nicht fertig gebildet, sondern in
Form eines Glukosides, Indikan, vorhan-
den, aus welchem er mittels einer Gärung
in Freiheit gesetzt werden muß. Zu dem
Zwecke packt man die Pflanzen in große
Bottiche oder Zisternen, beschwert sie mit
Steinen und setzt sie völlig unter Wasser,
worauf unter Entwicklung von Kohlensäure,
Methan und anderen Gasen die Zersetzung