﻿Indophenole

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Insektenpulver

gegeben und sich dem Anbau anderer Ge-
wächse: Baumwolle, Flachs, Kautschuk zu-
gewandt. — Zollfrei.

Indophenole entstehen in analoger Weise
wie die Indamine (s. d.), aber nur in alka-
lischer Lösung, und kommen als blaue, in
Wasser unlösliche, in Alkohol lösliche Pulver
in den Handel. Sie werden, ähnlich wie In-
digo, reduziert und als Küpenfarbstoffe zum
Färben und Drucken benutzt. — Zollfrei.

Induline sind Derivate des Chinonimids
und, als eine Gruppe der Azinfarbstoffe, den
Safraninen nahe verwandt. Sie werden dar-
gestellt durch Schmelzen von Anilin mit
Amidoazobenzol und bilden blaugraue oder
schwarzblaue Pulver, die in Wasser unlös-
lich sind, sich aber in Alkohol mit blauer
Farbe lösen. Ersetzt man die Azoverbin-
dungen durch Nitroderivate (Nitrobenzol,
Nitrophenol), so entstehen die Nigrosine.
Beide Klassen von Verbindungen liefern in
Färberei und Zeugdruck außerordentlich echte
Färbungen. — Zollfrei.

Infusorienerde (Kieselgur, lat. Terra in-
fusoria, frz. Terre infusoire, engl. Infu-
soria earth) besteht aus den Kieselpanzern
von kleinen Lebewesen der Vorzeit, Diato-
tomeen und Infusorien und wird in den
Becken früherer Teiche und Seen gefunden.
Besonders mächtige Lager sind in der Lüne-
burger Heide und bei Bilin in Böhmen vor-
handen. In chemischer Hinsicht besteht I.
zumeist aus Kieselsäureanhydrid. Sie findet
vielfache Verwendung zur Herstellung des
Wasserglases und Dynamits, zur Verpackung
von stark ätzenden Stoffen, wie z. B. Brom
oder rauchender Salpetersäure, als Füllung
bei Kasseschränken usw. Die Verwendung
für jene Zwecke beruht auf dem ungemein
starken Aufsaugevermögen, bei Kasseschrän-
ken und als Umhüllungsmasse bei Dampf-
rohren auf dem schlechten Wärmeleitungs-
vermögen. — Zollfrei.

Ingwer (Ingber, lat. Rhizoma zingiberis,
frz. Gingembre, engl. Ginger) besteht aus
dem Wurzelstocke von Zingiber offi-
cinale, einem tropischen Gewächse aus der
Familie der Gewürzlilien (Scitamineen),
welcher auch Zitterwurzel, Kardamom und
Kurkuma angehören. Die in Südasien hei-
mische Pflanze ist durch die Spanier nach
Amerika verpflanzt worden und wird auch in
Sierra Leone angebaut. Ihre Fortpflanzung
soll nicht durch Samen, sondern durch Wur-
zelteilung erfolgen. Auf der Oberseite des
Rhizoms entspringen die schilfartigen Blätter,
deren Narben an der Droge noch sichtbar
sind, während die Verzweigungen an der
Unterseite entstehen. Nur die letzteren ästi-
gen Seitenknollen werden gesammelt. Es sind
abgeplattet rundliche, mehr oder minder ge-
bogene Stücke, meist durch Abschnürungen
in Glieder geteilt. Je nach der Art der
Gewinnung unterscheidet man den sogen,
weißen oder schwarzen I. Der erstere
stellt die gewaschene, geschälte und an der
Luft oder Sonne getrocknete Ware von gelb-
lich weißer Farbe und faserig-mehligem

Bruch dar. Bei dem letzteren wird die Wurzel
erst gebrüht, wodurch die Stärke verkleistert,
homartig wird, und eine dunklere Farbe ent-
steht. Der I. enthält neben reichlichen
Mengen (45°/o) charakteristisch geformter
Stärkekörner, ein scharf schmeckendes Harz
und ein aromatisches ätherisches Öl, welche
den Gewürzwert bedingen. Von den zahl-
reichen Handelssorten hat der Bengalische
I. die größte Bedeutung. Er hat teils den
Charakter des weißen, teils des schwarzen I.
und ist nur auf den Seiten geschält. Der
Cochin-, Ceylon- und Malabar-I. bildet
kleinere, rundliche, bis 5 cm lange, geschälte
und oft gekalkte Stücke, während der chi-
nesische großstückig, dicht, hart, ungeschält
ist und daher runzelig, graubraun und auf
dem Bruche glänzend und bleigrau erscheint.
Der Afrikanische I. von Sierra Leone be-
steht aus ungeschälten oder halbgeschälten,
meist aber gekalkten und gebleichten Stücken,
und der sehr beliebte Jamaika-I. ist stets
geschält. Seine helle Färbung verdankt er
meist einem Kalküberzug oder einer inten-
siven Bleichung mit Chlor oder Natrium-
sulfit, welche zwar Insekten abhalten soll,
aber jedenfalls die Güte der Ware verringert.
Die anderen Sorten aus Barbados und Bra-
silien haben nur geringe Bedeutung. Der I.
wird in ganzem Zustande häufig durch Ex-
traktion, in Pulverform durch mineralische
Beschwerungsmittel verfälscht. Als Höchst-
gehalt an Mineralstoffen hat 8%, an Sand
3°/o zu gelten. Die Menge des Wasser-
extraktes beträgt 12°/o. Der Ingwer findet
vielfache Anwendung als Gewürz, ferner zur
Herstellung von Likören und Extrakten und
wird auch, in frischem Zustande in See-
wasser geweicht und dann in Zuckersirup
eingelegt, als eingemachter I. gehandelt.
— Zoll: 50 M.; eingemachter I. 75 M.;
Ingwerbier s. Tarif Nr. 185; Ingwerlikör
Nr. 178/179.

Ingweröl (lat. Oleum zingiberis, frz. Es-
sence de gingembre, engl. Ginger oil), das
aus dem Ingwer durch Destillation mit
Wasserdampf gewonnene ätherische öl von
grüngelber Farbe, ist ziemlich dickflüssig,
schmeckt und riecht sehr aromatisch nach
Ingwer und hat ein spez. Gew. von 0,883.
Es enthält Phellandren und Rechts-Camphen
und ist linksdrehend. (aD = —25—45°.)
I. wird bei der Bereitung zusammengesetzter
aromatischer Liköre mit verwendet. — Zoll:
30 M.

Insektenpulver. Unter diesem Namen
kommen die getrockneten und gepulverten
Blüten gewisser, unseren Kamillen nahe ver-
wandter Pyrethrum- und Chrysanthemen-
Arten in den Handel, die früher meist aus dem
Osten, jetzt auch aus Dalmatien importiert
werden und als ein wirksames Mittel gegen
alles kleine Ungeziefer geschätzt sind. Die
Pflanzen wachsen im südöstlichen Kaukasus
und werden im südlichen Rußland auch an-
gebaut. Man unterscheidet folgende Handels-
sorten: Persisches I. (lat. Pulvis florum
pyrethri rosei, frz. Poudre d’insectes, engl.