﻿Jod

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Jod

werden an den Westküsten von Irland und
Schottland, Frankreich (Normandie), Spanien
und Japan gesammelt, getrocknet und in
Gruben verbrannt, wobei man eine sehr salz-
haltige geschmolzene Asche in Klumpen er-
hält, die in Frankreich Varek, in Spanien
Barilla und in England Kelp heißt. Die
Asche der Laminarien enthält beträchtlich
mehr J. als die der Fucusarten. Neuerdings
zieht man es vor, um Jodverluste zu ver-
meiden, die Seepflanzen nicht einzuäschern,
sondern nur zu verkohlen. Die Asche, bzw.
der verkohlte Rückstand wird mit Wasser
äusgezogen und die gewonnene Lauge, welche
außer Soda noch schwefelsaure und unter-
schwefligsaure Salze, sowie Chlor-, Brom-,
Jod- und Schwefelverbindungen des Kaliums
und Natriums enthält, durch wiederholtes Ein-
dampfen und Erkaltenlassen von den schwer-
löslichen Salzen befreit, während die leicht
löslichen Brom- und Jodverbindungen in der
Mutterlauge verbleiben. Um aus dieser das
J. abzuscheiden, wird mit Schwefelsäure neu-
tralisiert, das gebildete Natriumsulfat durch
Auskristallisierenlassen entfernt und die jod-
natriumhaltige Lauge im eisernen, halbkugel-
förmigen Kesseln mit Braunstein und Schwefel-
säure destilliert. Die sich entwickelnden Jod-
dämpfe gelangen in eine Reihe miteinander
Verbundener Glasgefäße, in denen sich das
J. in kleinen Kristallen ansetzt. Das auf diese
Art erhaltene Rohjod wird englisches J.
genannt. In den französischen Fabriken
herrscht ein anderes Verfahren zur Abschei-
dung des Rohjods aus der Mutterlauge. Man
bewirkt dieselbe durch vorsichtiges Einleiten
von Chlorgas. Das Chlor zersetzt die Jod-
verbindungen und bildet Chlornatrium, wäh-
rend das J. als schwarzer pulveriger Nieder-
schlag ausfällt. Aus den Mutterlaugen des
Chilisalpeters, welche das J. hauptsächlich
in Form von jodsaurem Natrium enthalten,
gewinnt man das J. durch schweflige Säure,
wobei das jodsaure Natrium zu Jodnatrium
reduziert und dieses beim Behandeln mit
Kupfer- und Eisenvitriol in Kupferjodür ver-
wandelt wird. Das letztere liefert beim De-
stdlieren mit Braunstein und Schwefelsäure
J-, wird aber auch häufig anstatt des Roh-
jodes von Amerika aus versandt, weil es sich
besser verpacken läßt. Auch durch Behandeln
der Mutterlaugen des Chilisalpeters mit einem
Gemisch von saurem und neutralem Natrium-
sulfit oder saurem Natriumsulfit und Schweflig-
säureanhydrid läßt sich das J. daraus ab-
scheiden. Das nach der neuen oder anderen
Methode dargestellte Rohjod ist zwarHandels-
ware> aber nicht zu medizinischen Zwecken
verwendbar. Es wird durch Trocknen mög-
ic st von Wasser befreit, darauf durch Subli-
ma ion weiter gereinigt und stellt dann eine
rockene, von fremden Stoffen reinere Ware
as sog. resublimierte J. dar. Chemisch rein er-
halt man das J., wenn man das resublimierte J.
mit dem zehnten Teil seines Gewichtes Jod-
alium zerretbt, um etwa anhängendes Brom
unr.. . or za.binden, und nur sehr vorsichtig
sublimiert. Die gewonnenen Kristalle werden

über Ätzkalk aufbewahrt, um die letzten
Spuren von Wasser und Jodwasserstoff hin-
wegzunehmen. Das Rohjod stellt ein dunkles,
feucht aussehendes, grobkristallinisches Pulver
dar. Das resublimierte wie das chemisch reine J.
ist ein trockener, blätterig kristallinischer Kör-
per, schwarzgrau und von metallischem Glanze.
Es hat ein spez. Gew. von 4,950, verflüchtigt
sich schon bei gewöhnlicher Temperatur und
entwickelt dabei einen starken, die Schleim-
häute reizenden Geruch, der dem des Chlors
etwas ähnelt. Der Geschmack ist scharf und
herb. Auf den Organismus wirkt das J.
eingenommen oder eingeatmet, giftig. Es
schmilzt bei 115° C und kommt bei 180° C
ins Sieden. Die Dämpfe haben eine pracht-
voll violettblaue Färbung und legen sich an
kälteren Körpern wieder zu Kristallen an.
Organische Substanzen, wie Haut und Papier
werden von J. braungelb gefärbt, Stärke-
kleister blau. Diese Eigenschaft wird zum
Nachweis von J. oder Stärke allgemein benutzt.
J. löst sich in annähernd 5000 Teilen Wasser
mit bräunlichgelber, in 10 Teilen Weingeist
mit brauner Farbe. Die Jodtinktur des
D. A. B. IV ist eine Lösung von 1 Teil J. in
10 Teilen 90°/o Weingeist. In Äther und ver-
schiedenen Salzlösungen ist das J. mit brauner
Farbe löslich, in Chloroform und Schwefel-
kohlenstoff mit violetter. Eine Lösung von
Jodkalium nimmt noch eine beträchtliche
Menge von J. auf, je größer der Jodkaligehalt
der Lösung ist, desto mehr J. löst sich. Bringt
man J. mit Ammoniak zusammen, so erfolgt
unter Umständen Bildung des explosiven Jod-
stickstoffs. Infolgedessen tut man gut, solche
Mischungen zu vermeiden. Das J. zeigt in
seinem chemischen Verhalten die größte Ähn-
lichkeit mit Chlor und Brom. Die Verbin-
dungen des J. mit den Metallen werden als
Jodüre oder Jodide bezeichnet, je nach der
Menge des darin gebundenen J. Das resubli-
mierte J. des D. A. B. IV soll sich beim Er-
hitzen, ohne Rückstand zu hinterlassen, ver-
flüchtigen, muß in 10 Teilen 90°/oigem Wein-
geist vollständig löslich sein und darf kein
Cyanjod oder Chlorjod und nicht mehr als
l°/o Feuchtigkeit enthalten. Das J. gelangt
in den Handel entweder als englisches J. (Jo-
dum anglicum) oder als resublimiertes J.
(Jodum resublimatum). Erstere Sorte stellt das
Rohprodukt dar und gelangt in den Groß-
handel in Tönnchen verpackt. Die Jod-
fabriken, welche aus Meerespflanzen J. her-
stellen, müssen ungeheure Massen von Ma-
terial bewältigen. Man rechnet, daß 24000
bis 30000 kg getrocknete Tange ungefähr
1000 kg Asche und 4,5—5, zuweilen auch 7,5
bis 10 kg. J. liefern. Durch die Verarbeitung
der Mutterlauge des Chilisalpeters ist jedoch
der früher alleinigen Darstellung des J. aus
Meerespflanzen eine sehr starke Konkurrenz
erwachsen. Aus Südamerika gelangt das J.
entweder als Rohjod oder als Jodkupfer
nach Europa. Die Menge der gesamten
Jodproduktion Südamerikas wurde für 1886
zu 240000 kg angegeben. 1895 wurden be-
reits 300 000 kg aus den Chilisalpeterlaugen