﻿Jodgrün

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Jodwasserstoff

gewonnen, und gegenwärtig dürfte der Export
von J. aus Südamerika annähernd 500000 kg
betragen. In neuerer Zeit stellt auch Japan
beträchtliche Mengen J. aus Seepflanzen her.
1905 betrug die japanische Jodproduktion ca.
90000 kg, von denen etwa ein Drittel aus-
geführt wurde. Die Einfuhr von J. nach
Deutschland bezifferte sich im Jahre 1906
auf 2967 dz. Die Preise des J. sind sehr be-
deutenden Schwankungen unterworfen. Die
Rohjodkonvention bestimmt den Preis, hat
sich jedoch, um die „Outsiders", besonders
die Japaner lahm zu legen, neuerdings ver-
anlaßt gesehen, den Jodpreis erheblich zu
ermäßigen. Während 1905 der Preis des J.
10,5 d. pro Unze betrug, ist er 1906 auf 6 d.
pro Unze gefallen. Die Preisberechnung er-
folgt bei uns nach Kilogramm, in England
dagegen, selbst im Großhandel, noch nach
der Unze, bei dem amerikanischen Jod nach
spanischen Pfunden bzw. Zentnern. — Die
größte Verwendung finden das J. und seine
Verbindungen in der Pharmazie, Photographie
und Teerfarbenfabrikation. Auch in den che-
mischen Laboratorien spielt es eine große
Rolle. Es gibt dort zahlreiche, zum Teil
wissenschaftlich hochinteressanter Jodverbin-
dungen, welche im Handel nicht Vorkommen.
In der Photographie benutzt man verschie-
dene Jodpräparate, aber alle in dem nämlichen
Sinne, zur Erzeugung von lichtempfindlichem
Jodsilber (neben Bromsilber) auf den photo-
graphischen Papieren und Glasplatten. — Me-
dizinisch findet das J. eine sehr ausgebreitete
Anwendung, gewöhnlich als Tinktur oder
Salbe äußerlich gegen Kropf, Hautübel, Frost-
ballen, zur Zerteilung von Geschwüren usw.
Es ist das wirksamste Kropfmittel, sowohl in
äußerer als innerer Verwendung, und auch
gebrannter Badeschwamm, das allbekannte
Kropfpulver, wirkt nur durch seinen Jodgehalt.
Von den Jodverbindungen werden besonders
Kaliumjodid (s. d.) und Jodoform (s. d.), me-
dizinisch verwendet. — Die Aufbewahrung des
J. geschieht in Flaschen mit eingeriebenem
Glasstöpsel und zwar an einem kühlen Orte.
— Zollfrei.

Jodgrün (Nachtgrün, Metternichs-
grün, Vert lumiöre) wird durch Erhitzung
von Chlormethyl oder Jodmethyl mit essig-
saurem Rosanilin und Methylalkohol im Auto-
klaven auf 100° erhalten und besteht aus dem
Chlorzinkdoppelsalze des Chlormethylhexa-
methylrosanilinchlorhydrates. J. bildet präch-
tig metallglänzende, hellgrüne Kristalle, die
sich in Alkohol mit blaugrüner Farbe lösen.
Neuerdings wird es durch die entsprechende
Verbindung des Pararosanilins (s. Methyl-
grün) verdrängt. — Zollfrei.

Jodipin nennt die Firma Merck ein jo-
diertes Sesamöl, welches durch Behandlung
von Sesamöl mit Chlorjod dargestellt wird
und in zwei Stärken, mit 10 und 25°/o Jod,
in den Handel kommt. Die mit Brom her-
gestellte analoge Verbindung heißt Brom-
ipin. Die Jodipine bilden hellgelbe ölige
Flüssigkeiten, welche an Stelle des Kalium-

jodids medizinische Anwendung finden. —
Zoll: S. Tarif Nr. 388.

Jodoform (Formyljodid, Methylen-
trijodid, Trijodmethan, lat. Jodoformium,
frz. Jodoforme, engl. Jodoform), eine dem
Chloroform ganz analoge Verbindung, in wel-
cher das Chlor durch Jod ersetzt ist, wird
druch Einträgen von Jod in eine erwärmte
Lösung von Natriumkarbonat oder Ätznatron
und Alkohol, oder durch Elektrolyse einer
Lösung von Jodkalium und Natriumkarbonat
in Wasser und Alkohol dargestellt. Es soll
in Frankreich auch durch direkte Behandlung
von Seetangasche mit Ätznatron, Azeton und
unterchlorigsaurem Natrium gewonnen wer-
den. J. bildet schwefelgelbe, perlglänzende
Kristallschuppen von eigentümlich betäuben-
dem, safranähnlichem Geruch, der durch Zu-
satz von Menthol, Kampfer, Terpentinöl,
Pfefferminzöl und anderen ätherischen Ölen
z. T. verdeckt wird. Es löst sich leicht in
Alkohol und Äther, aber nicht in Wasser,
schmilzt bei 119°, ist mit Wasserdämpfen
flüchtig und unter teilweiser Zersetzung su-
blimierbar. Im Handel findet sich groß und
kleinkristallisiertes, sowie staubförmig ge-
schlämmtes J. (J. p raeparat um). Das J.
muß in gut verschlossenen Gefäßen vor Licht
geschützt aufbewahrt werden und findet in
der Medizin als Antiseptikum, sowohl inner-
lich als äußerlich, vielfache Anwendung. —
Zollfrei.

Jodol (Tetrajodpyrrol), ein neues Anti-
septikum, welches vor dem Jodoform bei
gleicher Wirksamkeit den Vorzug der Geruch-
losigkeit und Ungiftigkeit besitzt, entsteht
bei der Behandlung alkalischer Pyrrollösung
mit Jodkalium als ein hellgelbes, feinkristal-
linisches Pulver, welches sich in Alkohol,
aber nicht in Wasser löst. J. ist völlig ge-
ruch- und geschmacklos und dient als Ersatz
des Jodoforms und Jodkaliums. Es muß vor
Licht geschützt aufbewahrt werden. — Zoll:
S. Tarif Nr. 388.

Jodopyrin (Jodantipyrin) wird durch
Behandlung von Antipyrin mit Chlorjod als
ein farbloses, in kaltem Wasser und Alkohol
unlösliches, in heißem Wasser lösliches Kri-
stallpulver von Schmelzpunkt 160° dargestellt.
Es wird an Stelle des Antipyrins gegen Fieber
und Kopfschmerzen verordnet. — Zoll: S.
Tarif Nr. 388.

Jodschwefel (Schwefeljodid, lat. Sulfur
jodatum, frz. Jodure de soufre, engl. Sulphur
jodide), eine durch Zusammenschmelzen von
Jod und Schwefel zu erhaltende schwarze
Masse, wird zuweilen medizinisch gegen Haut-
krankheiten verwendet. — Zollfrei.

Jodstärke (lat. Amylum jodatum), ein
dunkelblaues Pulver, aus Stärkemehl und Jod
bestehend, muß in Apotheken vorrätig ge-
halten werden. — Zollfrei.

Jodwasserstoff (Jodwasserstoffsäure,
Wasserstoffjodid, lat. Acidum hydrojodi-
cum, frz. Acide hydrojodique, engl. Hydrojodic
acid). Die farblose Flüssigkeit vom Gerüche
der Salzsäure, eine Auflösung von Jodwasser-