﻿Jodylin

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Jonon

stoffgas in Wasser, wird an der Luft bald
gelblich und riecht dann nach freiem Jod.
— Zollfrei.

Jodylin, ein neuer ungiftiger, nicht reizen-
der Jodoformersatz von C. Stephan (Kronen-
Apotheke) Dresden, wird durch Behand-
lung von Jodsalizylsaurem Natrium mit Wis-
mutsalzen in essigsaurer Lösung dargestellt
und ist daher als ein jodsalizylsaures Wismut
anzusprechen. Es löst sich weder in Alkohol
noch in Wasser und besitzt den Vorzug, sich
unzersetzt sterilisieren zu lassen. — Zollfrei;
als Heilmittel s. Tarif Nr. 388.

Jodzinkstärkelösung wird durch Kochen
von Stärke mit Zinkchlorid und Zusatz von
Jodzinklösung dargestellt. Die weißlich opa-
lisierende Lösung dient zum Nachweis von sal-
petriger Säure, von Chlor und Brom und als
Indikator bei der Jodometrie. — Zollfrei.

Johannisbeeren (lat. Baccae ribium, frz.
Groseilles, engl. Currants) stammen von den
verschiedenen kultivierten Spielarten des Jo-
hannisbeerstrauches, Ribes rubrum, dessen
Anbau über ganz Europa und Nordamerika
verbreitet ist. Die frischen J. finden als
Tafelobst und in der Konditorei allgemeine
Verwendung und dienen ferner zur Bereitung
von Marmelade, von Johannisbeersirup
und von Johannisbeerwein. Eine beson-
dere Abart ist die schwarze Johannis-
beere, Ribes nigrum, die in Europa und
Asien verbreitet ist. Die Früchte haben eine
ganz schwarze Farbe und ebenso wie die
Blätter einen eigentümlichen wanzenartigen
Geruch. In geringer Menge den roten Beeren
zugesetzt, erzeugen sie bei der Gärung ein
kräftiges Aroma. Für den Drogenhandel kom-
men von der roten, sowie von der schwarzen
Johannisbeere der Johannisbeersirup (lat.
Sirupus ribium, rubrum seu nigrum, frz. Sirop
de groseille, engl. Syrop of currants) in Be-
tracht. Johannisbeersirup, namentlich der
schwarze, ist ein beliebtes Mittel bei Ka-
tarrhen, speziell zur Linderung des Keuch-
hustens. — Zoll: Johannisbeeren als Obst s.
Tarif Nr. 47; Johannisbeerwein s. Tarif
Nr- 1^5; Johannisbeersirup s. Tarif Nr. 213.

Johannisberger, einer der edelsten, durch
Kraft und Bukett gleich ausgezeichneten wei-
ßen Rheinweine vom Johannisberg gegenüber
Bingen. Man unterscheidet Schloß Jo-
hannisberger, gebaut auf etwa löHektaren
?.?s Schloßberges und den Weinbergen der
fürstlich Metternichschen Domäne, vor allem
aber die Auslese desselben, Johannis-
berger Kabinett, von welchem die Flasche
an Ort und Stelle selten unter 20 M. abge-
|jgbeb wird. Die Weine von den umliegen-
n Weinbergsbesitzern kommen unter dem
.“«Dorf Johannisberger in den Han-
s’nt*> je nach der Behandlung, ver-
w<.rtio-en geschätzt, oft aber nahezu gleich-
S° Preise von 6—9 M. pro Flasche
erzielt werden.

g;i;^a,!in'tS^r0t (Bockshorn, Karoben, lat.

0 dulcis, Fructus ceratoniae, frz. Carou-

es, engl. Johnsbread) nennt man die schoten-
amgen fruchte eines zu den Papilionaceen

gehörenden Baumes (Ceratonia siliqua),
der in allen Mittelmeerländern angepflanzt
wird. Er erreicht eine ziemliche Höhe, wächst
oft krumm und treibt eine Menge Äste und
rote Zweige. Die gefiederten Blätter bestehen
aus 2—3 Paar lederartiger, dem Buchsbaum
ähnlicher Blättchen. Die Blüten bilden trau-
benartige Stände, haben einen fünfspaltigen
roten Kelch, aber keine Blumenblätter. Die
Früchte, nicht aufspringende Schoten, reifen
im Juli und August. Man sammelt sie jedoch
noch unreif, von einem Baum bis zu 50 kg,
und läßt sie dann auf trockenen Plätzen an
der Sonne nachreifen, wobei sie zugleich
trocknen und eine Gärung durchmachen. In-
folge der letzteren setzen sich die Bestandteile
ihres im frischen Zustande weichen Fleisches,
zum Teil in Fruchtzucker um, der bis zu 50°/o
darin enthalten ist. Außerdem enthalten sie
etwas Fett, Gerbsäure und Buttersäure, die
ihnen einen besonderen Geruch nach ranziger
Butter erteilt. Die Schoten halten sich nicht
lange und verlieren teils durch Einschrumpfen,
teils durch Milbenfraß an Wert. Von den ver-
schiedenen Sorten werden die levantinischen
Karoben aus Kleinasien und Cypern am höch-
sten geschätzt. Dann folgen die italienischen,
unter welchen die Puglieser die besten sind,
und schließlich Sizilien, Malta, Dalmatien,
Kreta und Spanien. Die Ware kommt teils
über Triest in Fässern, teils geht sie zu
Schiffe und oft als Ballast nach den west-
lichen und nördlichen Ländern. In den Er-
zeugungsländern bildet sie eine allgemeine
Volksspeise, während die geringeren Sorten
als Viehfutter dienen. Man extrahiert daraus
auch den Zucker in Sirupform und benutzt
sie hier und da zum Branntweinbrennen.
Außerdem wird die Frucht bei Bereitung von
Tabaksaucen und als Gärungserreger bei Be-
reitung der Buttersäure aus Stärkezucker be-
nutzt, und die Samenkerne endlich dienen
als Kaffeesurrogat. Die stärksten auswärtigen
Abnehmer sind die Engländer, welche die
Frucht bei der geringen Seefracht als ein
sehr anschlägiges Mastfutter verwenden kön-
nen. — Das Holz des Johannisbrotbaums
(Siliquaholz) ist ein ausgeezichnetesMaterial
für feine Tischlerarbeiten, wird aber nur an
Ort und Stelle verarbeitet. — Zoll: 4 M.

Johanniskraut (lat. Herba hyperici, frz.
Fleurs de hyperice, engl. Hypericon flowers),
ein unwichtiger Artikel des Drogenhandels,
besteht aus der getrockneten, blühenden
Pflanze Hypericum perforatum, welche
in allen Gebirgen Deutschlands angetroffen
wird. Sie ist sehr leicht daran zu erkennen,
daß ihre Blätter, gegen das Licht gehalten,
siebförmig durchlöchert erscheinen. Die
Blüten sind gelb. Verwendet wird J. als
Wundmittel, gegen Blutungen usw. - Zollfrei.

Jonon ist der prachtvolle künstliche Riech-
stoff, welcher nach dem Verfahren seines Er-
finders Tiemann durch tagelanges Schütteln
gleicher Teile Zitral und Azeton mit Baryt-
lauge und nachfolgende Behandlung mit ver-
dünnter Schwefelsäure und Glyzerin darge-
stellt wird. J. ist ein farbloses, mit Wasser-