﻿Juchten

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dampf flüchtiges Öl vom spez. Gew. 0,922 bis
0,946 und destilliert im Vakuum bei 134 bis
140° über. Es besitzt prachtvollen Veilchen-
geruch und dient in Form seiner alkoholischen
Lösung zu Parfümeriezwecken. — Zoll: 80 M.

Juchten (Juften, frz. Roussi, Guir de
roussi, engl. Moscowy leather), eine in Ruß-
land hergestellte Ledersorte, welche sich durch
einen eigentümlichen Geruch auszeichnet. Die
feinsten Sorten fertigt man aus den Häuten
der Kälber und junger Kühe, die noch nicht
gekalbt haben, die ordinären Sorten aus Häu-
ten von zwei- bis dreijährigen Rindern oder
auch aus Roßhäuten. Das Reinigen und Ent-
haaren der Häute wird wie bei anderem Leder
ausgeführt, das Schwellen geschieht mittels
eines Breies von gesäuertem Hafermehl oder
Gerstenschrot, in einigen Gegenden auch mit-
tels Hundekot. Dann kommen die Häute in
die Lohe, die meist aus Weiden-, Fichten oder
Birkenrinde besteht. Die gegerbten und ge-
waschenen Häute werden sortiert, und die
besten als weißes J. verwendet, während die
übrigen schwarz (schwarzes J.) oder mit
Sandelholz rot gefärbt werden, (rotes J.). Als-
dann reibt man das Leder mit einer Mischung
von Seehundstran und Birkenrindenteer tüch-
tig ein, wodurch es den eigentümlichen, bei
uns beliebten Geruch bekommt. Die weitere
Behandlung ist wie bei anderem Leder. Es
wird gekrispelt, grob und fein chagriniert usw.
Für den Handel ist zu beachten, daß die-
jenigen Juchtenleder, welche nach Gewicht
verkauft werden, tüchtig mit Salz beschwert
und mit Talg und Tran eingefettet sind,
während dies bei den nach Stück verkauften
nicht, der Fall ist. — Zoll: S. Tarif Nr. 544ff.

Juchtenrot, ein Teerfarbstoff, besteht
aus unreinem, Phosphine enthaltendem
Fuchsin. — Zollfrei.

Juckpulver, die gepulverte Samenhülse der
Juckfasel, Mucuna pruriens (Dolichos
pruriens), welche im Drogenhandel unter
dem Namen Siliqua hirsuta bekannt ist,
kommt aus Ost- und Westindien. Die Hülse
ist auf ihrer Oberfläche ganz mit feinen
rotbraunen, glänzenden Haaren überzogen,
welche auf der Haut ein unerträgliches
Jucken verursachen. J. wurde früher bei
Lähmungen und als hautreizendes Mittel an-
gewendet, heute nur noch zur Verübung von
Unfug. — Zollfrei.

Judenholz (Judenbaumholz, Cercis-
holz), das Holz eines in den Mittelmeer-
ländern wachsenden Baumes, Cercis sili-
quastrum, ist grün und schwarz geadert
und dient zu Tischlerarbeiten und Furnieren.
Cercis canadensis in Kanada liefert eben-
falls ein vortreffliches Nutzholz. — Zoll: S.
Tarif Nr. 74 ff. 615 ff.

Judenkirschen (lat. Baccae alkekengi, frz.
Baies d’alkekenge, engl. Alkekengi berries),
die Früchte von Physalis alkekengi, einer
in verschiedenen Gegenden Deutschlands
wachsenden Solanacee, können nach Ent-
fernung des bitter schmeckenden Kelches
genossen werden und werden als harntreiben-
des Mittel im Aufguß verwendet. Eine in

Jute

Südamerika wachsende Art, Physalis peru-
viana, liefert sehr wohlschmeckende Früchte
(Ananaskirschen). — Zoll: Frische J. s.
Tarif Nr. 47. Getrocknete J. sind zollfrei.

Jujuben, eine Obstart, welche ihres schleim-
und zuckerreichen Fleisches, sowie ihres
Wohlgeschmacks wegen gern roh genossen,
aber auch getrocknet und eingemacht wird,
kommt in folgenden Arten vor: 1. Gewöhn-
liche J., die Früchte eines in den Mittel-
meerländern wachsenden Strauches, Zizy-
phus vulgaris, aus derFamilie der Rham-
naceen, sind einer kleinen Pflaume ähnlich,
dunkel scharlachrot und umschließen einen
dattelkernartigen Steinkern. Getrocknet wer-
den sie unter dem Namen Brustbeeren
(lat. Fructus jujubae, frz. Jujubes, engl. Jujub)
als Zusatz zu Brusttee und bei Katarrhen
verwendet. 2. Afrikanische J., von der
nordafrikanischen Küste, stammen von Zizy-
phus lotus. Sie sind kleiner und weniger
süß und kommen als italienische J. in den
Handel. Die Kerne dienen geröstet als Kaffee-
surrogat. 3. Indische J., von Zizyphus
Jujuba, welche nicht in den europäischen
Handel kommen, haben einen apfelähnlichen
Geschmack und werden mehr eingemacht als
roh genossen. Die Rinde dieser Art wird
ähnlich der Quassia, die Blätter gegen Fieber
und Geschlechtskrankheiten verwendet. —
Zoll: Frische J. s. Tarif Nr. 47. Getrocknete
J. sind zollfrei. J. als Kaffeesurrogat s. Tarif
Nr. 62.

Jute (Judhanf, Dschut, Pahthanf, frz.
Jute, engl. Jute) ist die Bastfaser verschie-
dener in Indien und auf den Sundainseln
heimischen und seit langer Zeit angebauten
Corchorusarten, besonders Corchorus
capsularis undCorchorus olitorius. Die
Gattung Corchorus gehört zu den Tiliaceen
oder lindenartigen Gewächsen, doch sind die
Pflanzen nur einjährig und kraut- oder strauch-
artig, und die jungen Blätter und Stengel von
C. olitorius werden als Gemüse gegessen. Der
Anbau der J. ist sehr einfach. Im April oder
Mai erfolgt in Indien die Aussaat, 3—3*/2
Monate später das Schneiden, welches jetzt
während der Blüte vorgenommen wird. In der
kurzen Zeit haben die Stengel eine Höhe von
3—4 m und zuweilen darüber und einen
Durchmesser von 12—15 mm erlangt. Sie
werden von Blättern und Nebenzweigen be-
freit und in Bündeln wie Flachs geröstet.
Nach wenigen Tagen läßt sich der Bast über
die ganze Länge der Stengel als Ganzes ab-
ziehen und bildet dann an der Sonne ge-
trocknet die fertige Handelsware. Die Risten
und die Fasern haben eine Länge von 2 bis
2,75 m, ja sogar von 4—4,25 m. Die besten
Jutesorten zeigen helle, weißgelbe bis silber-
graue Farbe, die an den Spitzen und den
übrigen Teilen der Risten nicht wesentlich
verschieden sein darf. Die Fasern sind weich,
von seidenartigem Glanz, besitzen aber ge-
ringere Festigkeit als Hanf und Flachs. Unter
dem Mikroskop lösen sie sich in ein Bündel
aus vielen Elementarfasern auf, welche meist
feiner sind als die Elementarfasern des