﻿205

Kabinettweine

_	Jute

Flachses. Jedoch gelingt eine Zerlegung auf
mechanischem Wege, z. B. durch Hecheln,
nicht, sondern nur durch Behandlung mit
Laugen. — Die schlechteren Sorten der J.
zeigen gelbe bis bräunliche Farbe und ge-
ringeren Glanz. Feinheit, Weichheit und
Reinheit sind geringer, die Wurzelenden
härter und meist weit dunkler. Diese Qua-
litäten besitzen auch die Eigenschaft nach-
zudunkeln in viel höherem Grade als die
weißen Sorten. J. läßt sich schwer ganz
weiß bleichen, dagegen leicht so weit, daß
das Färben vorgenommen werden kann. Ge-
färbte Jutegarne haben beinahe das Aussehen
von Wollgarnen. Unter Wasser hält sich J.
sehr gut und wird daher vielfach zur Um-
wicklung von Telegraphenkabeln benutzt.
Wechselnder Aufenthalt in Luft und Wasser
soll jedoch eine rasche Vermoderung herbei-
führen. — Als Erkennungsmittel für J. in
Leinen- und Hanfgeweben kann schwefel-
saures Anilin benutzt werden, welches die
verholzten Jutefasern dunkelgelb färbt, Flachs-
und Hanffasern aber unverändert läßt. —
J. wird in derselben Weise wie Flachs verar-
beitet. Aus den Risten bester Qualität schnei-
det oder reißt man die Mittelstücke von etwa
760 mm Länge heraus und verspinnt diese
Fasern genau so wie Langflachs. Besonders
in England, Belgien und Frankreich ist dieses
Verfahren für Garne von Nr. 16—20 (aus-
nahmsweise auch Nr. 22) in Gebrauch und
liefert gehecheltes Garn oder Jute-Linen-Garn.
In Deutschland und Österreich zerreißt man
die Risten auf Karden und verspinnt die so
erhaltenen kürzeren Fasern wie Hede, wo-
durch jedoch nur Garne unter Nr. 14 er-
halten werden. Der Verarbeitung in der
Spinnerei geht immer ein Einweichen (Bat-

schen) voraus. Die Risten werden in großen
kistenartigen Fächern übereinander gelegt
und schichtenweise mit Wasser und Robben-
tran oder Mineralöl besprengt. Davon rührt
auch der den rohen Jutegeweben meist an-
haftende Geruch her. — In Indien ist die J.
schon lange zur Herstellung von Seilerwaren
und meist gröberen Geweben zu Pack-
tüchern und Säcken verwendet worden
(Gunnycloth, Gunnisäcke). In Europa
fertigt man aus den Gespinsten ebenfalls
in erster Linie billige Verpackungsmateriale,
Packtücher, Säcke für Getreide, Mehl, Zucker
usw.; ferner Segeltuch, Zwillich und Drillich
und schließlich auch Teppiche, Läufer, Tisch-
decken und Vorhänge. Alle diese Waren
sind bei gefälligem Aussehen sehr billig,
fasern aber fortwährend, dunkeln nach und
sind feuergefährlich. J. brennt leicht, und
das Feuer läßt sich nur schwer ersticken.
Von weiteren Fabrikaten seien noch erwähnt:
Bindfaden, Gurte, Zünder, Lampendochte, so-
wie Jutesamt, welcher als Möbelstoff, Por-
tieren usw. Verwendung findet. Rohe J. ist
ein sehr geschätztes Verbandmaterial, und
aus den Abfällen und Hadern läßt sich recht
gut Papier geringerer Qualität hersteilen. —
Die Juteindustrie hat sich innerhalb weniger
Jahrzehnte zu großer Bedeutung emporgear-
beitet. Während des Krimkrieges griffen die
englischen und schottischen Spinnereien aus
Mangel an russischem Hanf und Flachs
zur J. Die Baumwollennot während des
amerikanischen Krieges trat dann weiter för-
dernd hinzu, und jetzt werden bereits gegen
1000000 t in Europa und Indien verarbeitet.
— Zoll: Jute s. Tarif Nr. 28. 470. Jute-
gespinste s. Tarif Nr. 470 ff. Jutegespinst-
waren s. Tarif Nr. 484 ff.

K.

Kabeljau (frz. Cabillaud, engl. Cod), der
Kiese m der Familie der Schellfische,
Gadus morrhua, von 1—11/2 m Länge, ober-
halb graubraun und gelblich gefleckt, unten
rötlich weiß, mit 3 Rücken- und 2 Bauch-
flossen, findet sich in allen nördlichen Meeren
und kommt in den verschiedensten Zu-
bereitungsformen und unter verschiedenen
Namen in den Handel. Einfach in der Luft
getrocknet bildet er den Stockfisch. Wird
er sofort zerlegt und eingesalzen, so heißt
er Laberdan, erst gesalzen und dann zum
Irocknen der Sonne oder Luft ausgesetzt,
w|rd er zum Klippfisch. Der Stockfisch
wird, wenn ganz aufgeschnitten und breit
a*s Lr®itfisch, bloß ausgenommen
gelassen als Rundfisch be-
Der gesalzene Fisch heißt in Nor-
;”nS?H0rsch- - Der K. ist einer der
® fische und wird in allen Teilen
■J*. k Zt' ^u^er dem Fleisch als Nahrungs-
mittel benutzt man die Leber zu Tran (s.
ebertran), die Zungen gelten als Lecker-

bissen, die Blasen geben Fischleim, Köpfe
und Eingeweide werden getrocknet resp. ge-
kocht als Viehfutter benutzt, und die aus-
geschnittenen Rückgratstücke dienen in holz-
armen Gegenden zur Feuerung. Trotzdem
gab es namentlich auf den Lofoten immer
noch Unmassen von Abfällen, die der Ver-
wesung überlassen blieben, seit einer Reihe
von Jahren jedoch zu Fischguano (s. dö
verarbeitet werden. Zum Schlüsse ist noch
der Rogen zu erwähnen, welcher zwar weniger
zum Verspeisen als dazu dient, alljährlich m
bedeutenden Mengen nach Frankreich ein-
geführt zu werden, und hier als Koder beim
Fangen von Anchovis und Sardellen benutzt
wird. — Zoll: Frischer K. zollfrei; getrocknet
oder eingesalzen (Stockfisch, Laberdan) s. gern.
Tarif Nr. 117. Tran Nr. 131.

Kabinettweine nennt man die edelsten Sor-
ten der Rheinweine, z. B. Johannisberger K.,
Steinberger K., die mit 4—25, ja 35 M. pro
Flasche und mit 20—30000 M. pro Stück-
faß bezahlt werden.