﻿Kaffee Surrogate

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Kainkawurzel

mit gebranntem Zucker gemischt, Kaffee-
schalenauszug s. Tarif Nr. 212. Kaffeeschalen
s. Tarif Nr. 61.

Kaffeesurrogate. Als K. benutzt man die
verschiedenartigsten Pflanzenstoffe, welche in
ähnlicher Weise wie Kaffee geröstet in den
Handel gebracht werden. Streng genommen
kann man als K. eigentlich nur solche Pro-
dukte bezeichnen, die den Kaffee als Genuß-
mittel zu ersetzen imstande sind, also Kaf-
feln oder ein ähnlich wirkendes Alkaloid ent-
halten. Derartige K. sind in Deutschland
nicht anzutreffen. In Arabien hingegen bil-
den die Fruchtschalen des Kaffees als sog.
Sakka- oder Sultankaffee einen besonde-
ren Handelsartikel, und auf Sumatra werden
die gerösteten Blätter des Kaffeestrauches
als Aufgußgetränk benutzt. Sowohl das
Fruchtfleisch als auch die Blätter enthalten
beträchtliche Mengen Kaffem, letztere oft
mehr als die Bohnen. Die für uns in Be-
tracht kommenden K. sind vollständig frei
von Kaffem, haben einen hohen Gehalt an
Zucker, Stärke und Fett und werden aus
Wurzeln, Früchten und Samen gewonnen.
Diese geben, wenn sie geröstet sind, Auf-
güsse, welche wenigstens in der Farbe, zum
Teil auch, infolge der entstandenen Röst-
produkte, in der Wirkung dem echten Kaffee
ähneln, ohne ihn aber jemals ganz ersetzen
zu können. Von einem guten K. verlangt man
ein hohes Färbevermögen, einen bestimmten
Geschmack und eine gewisse Süßigkeit. Das
verbreitetste K. ist wohl die Zichorie (s. d.),
welche sich zu einem wirklichen Fabrik- und
Handels-, ja selbst Exportartikel emporge-
arbeitet hat. Von Wurzelgewächsen dienen
ferner Möhren, Rübe und Schwarzwur-
zel (Skorzonere), sowie die Erdmandel (s. d.),
welche den Erdmandelkaffee des Handels
liefert, zur Bereitung von K. Von Samen und
Früchten kommen für die Herstellung von K.
der Samen des spanischen Tragant (Astra-
galus baeticus, liefert den schwedischen
oder Stragelkaffee), der Spargelsamen,.die
Samen der Erdnuß und der Lupine, die
Eichel, die Kichererbse, Dattelkerne,
Zerealien wie Gerste und Roggen, Fei-
gen und Johannisbrot in Betracht. — Es
ist ein Ding der Unmöglichkeit, auf chemi-
schem Wege die Art eines K. zu bestimmen,
hierzu dient vielmehr lediglich die mikrosko-
pische Prüfung. Mit letzterer kann man je-
doch mit Leichtigkeit Kaffeepulver von ge-
pulvertem K., sowie die einzelnen K. von-
einander unterscheiden. Bei der Unter-
suchung spielen hauptsächlich die Stärkekör-
ne j’ ®?wje die Steinzellen, Milchsaftschläuche
U'H 9e^ßbündel eine Rolle. — Auch die K.
sind Verfälschungen ausgesetzt, unter denen
Bemnschungen von Zuckerrübenschnitzeln,
fort, Erde, Sand, Schwerspat usw. nicht sel-
ten angetroffen werden. Die anorganischen
Zusatze lassen sich leicht durch Ermittlung
des Aschengehaltes erkennen, der bei reinen
K. kaum mehr als 5°/o beträgt, während die
mikroskopische Prüfung Aufschluß über eine
■Beimengung von ungehörigen Pflanzenteilen
Merck’s Warenlexiion. 5. Aufl.

gibt. — Die im Handel befindlichen K. tragen
in den wenigsten Fällen, wie z. B. Feigen-, Eichel-
oder Gerstenkaffee, den Namen ihres Surro-
gats, gewöhnlich sind sie mit dem Namen ihres
Erfinders oder Phantasienamen bezeichnet.
So enthält Deutscher Kaffee Kichererbse,
Frank-Kaffee Zichorie, Kneipp-Kaffee
Gerste oder Malz, Berings Kraftkaffee
Lupinen, Saladinkaffee Mais usf. Eine an-
dere Reihe von K. zeigt ein Gemisch ver-
schiedener Pflanzenstoffe. Homöopati-
scher Gesundheitskaffee z. B. besteht
aus Weizen, Zichorie und Kakaoschalcn,
Kronenkaffee aus roten Rüben, Roggen,
Zichorie und geröstetem Brot, Ungarischer
Kaffee aus Lupinen, Zichorie und Kaffee.
Der neuerdings angepriesene Hämatin-
Kaffee von Hensel ist Zichorie. — Zoll:
S. Tarif Nr. 62.

KaffeYn (Coffein, Tein, Guaranin,
lat. Coffeinum, frz. Caföine, engl. Caffeine),
die stickstoffhaltige Base des Kaffees findet
sich nicht nur in den Samen (1—2°/o) und
Blättern des Kaffeebaumes, sondern auch im
Tee (1—4°/o), im Paraguaytee (0,5%), den
Kolanüssen (2%) und der Guarana (5—6%).
Man stellt es gewöhnlich aus dem abgesieb-
ten Teestaub durch Extraktion mit heißem
Wasser, Behandlung des Auszuges mit Blei-
glätte zur Entfernung des Gerbstoffs und
Zusatz von Kaliumkarbonat und Alkohol her.
Nachdem erkannt worden ist, daß K. als ein
Trimethylxanthin oder Methyltheobro-
min anzusprechen ist, kann es auch auf künst-
lichem Wege durch Methylieren von Theo-
bromin oder Xanthin, oder nach dem Ver-
fahren von Emil Fischer durch völlige
Synthese aus Malonsäure und aus Barbitur-
säure erhalten werden. Das durch Umkristal-
lisieren gereinigte K. bildet blendendweiße,
seidenglänzende, leichte und sehr lockere Kri-
stallaggregate von bitterem Geschmack. Es
verliert bei 100° Kristallwasser, sublimiert bei
180° und schmilzt bei 230,5°. K. ist in sieden-
dem Wasser und Chloroform leicht, in Al-
kohol, Äther, Schwefelkohlenstoff, Benzol und
Petroläther schwer löslich und gibt mit Gerb-
säure einen Niederschlag, der im Überschüsse
des Fällungsmittels löslich ist. Es findet in
der Medizin als Erregungsmittel vielfache An-
wendung und wird außerdem, besonders in
Form seiner Salze, z. B.des zitronen-
sauren K. (Coffeinum citricum) gegen Kopf-
schmerz und Migräne verordnet. — Zollfrei.

Kaillit, neben Carnallit der wichtigste Be-
standteil der Abraumsalze von Staßfurt und
Kalusz, besteht aus einem wasserhaltigen
Doppelsalze von schwefelsaurer Magnesia und
Chlorkalium. Er wird zur Bereitung von
Chlorkalium benutzt, wobei als Nebenpro-
dukte noch schwefelsaures Kalium, Magne-
sia und Bittersalz erhalten werden. — Zoll:
S. Tarif Nr. 280.

Kainkawurzel (brasilianische Schlan-
genwurzel, lat. Radix caincae, frz. Racine
de caince, engl. Cainca-root), die holzigen
Wurzeln einiger Arten der im tropischen
Amerika heimischen, zu den Rubiaceen ge-

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