﻿Kairin

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Kakao

hörigen Gattung Chiococca. Die von Ch.
racemosa kommende heißt westindische
Schlangenwurzel, während die brasilia-
nische von Ch. anguifuga, densifolia und
scandens stammt. Die im ganzen nicht sehr
verschiedenen Wurzeln sind kleinfinger- bis
zolldick, stark verästelt und hin und her ge-
bogen, sowie noch öfter mit einem ansitzenden
Stück der Stämmchen verbunden. Die Rinde
ist äußerlich graubraun, runzlig, geringelt,
innen dunkelbraun und harzig, das harte
Holz blaßbräunlich. Beim Kauen entwickelt
sich ein schwach aromatischer kaffeeartiger
Geruch und ein bitterlich kratzender Ge-
schmack, der durch eine der Wurzel eigen-
tümliche, in farblosen seideglänzenden Nadeln
kristallisierende Säure, die Kainkasäure
(auch Kainzin und Kainkabitter genannt)
verursacht wird. Die Wurzel wurde früher
mehr als jetzt als kräftig purgierendes und
harntreibendes Mittel, auch gegen Wasser-
sucht, verwendet. — Zollfrei.

Kairin (Salzsaures Äthylhydroxychi-
nolin, lat. Kairinum, frz. Cairine, engl. Kai-
rin) wurde im Jahre 1882 von O. Fischer
synthetisch dargestellt, indem er Chinolin mit
Schwefelsäure erwärmte, das entstehende Oxy-
chinolin der Natronschmelze unterwarf, redu-
zierte und schließlich mit Äthyljodid behan-
delte. K. ist ein in Wasser und Alkohol
lösliches farbloses Kristallpulver. Es erregte
seinerzeit als erstes künstliches Ersatzmittel
des Chinins das lebhafteste Interesse, ist aber
jetzt wegen seiner gefährlichen Nebenwirkun-
gen auf Herz und Nervensystem völlig auf-
gegeben worden. — Zollfrei.

Kaiserbrunnen in Aachen, eine alkalisch-
muriatische Schwefeltherme von 55° C, be-
sitzt folgende Zusammensetzung für 1000 Ge-
wichtsteile:	Bikarbonate des Natriums

0,9244 g, Lithiums 0,0004 g, Kalziums 0,2197 g,
Strontiums 0,0003 g, Magnesiums 0,0684 g,
Eisenoxyduls 0,0010 g; Chloride des Natri-
ums 2,6381 g; Natriumbromid 0,0031 g, Na-
triumjodid 0,0006 g; Sulfate des Kaliums
0,1542 g, Natriums 0,2830 g, Natriumsulfat
0,0130 g; Kieselsäure 0,0662 g, Organische
Stoffe 0,0146 g.

Kajeputöl (lat. Oleum cajeputi, frz. Essence
de cajeput, engl. Oil of cajeput), ein dünn-
flüssiges, durch Kupfer grün bis grünblau
gefärbtes, klares, ätherisches Öl von starkem
Geruch nach Kampfer und Rosmarinöl und
ähnlichem, anfangs brennendem, dann küh-
lendem Geschmack, gelangt aus Ostindien in
Glasflaschen gefüllt und in Kisten verpackt
zu uns. Es ist ein Destillationsprodukt
aus den Blättern, Zweigspitzen und Früchten
des Strauches Melaleuca leucadendron
und wahrscheinlich noch einer oder mehrerer
verwandter Myrtengewächse. Das Öl wird
für medizinischen Gebrauch gewöhnlich rek-
tifiziert, wodurch man es farblos erhält. Im
Handel findet sich auch verfälschtes und
völlig nachgekünsteltes Öl, das aus Rosmarin-
öl, Terpentinöl und Kampfer zusammengesetzt
und grün gefärbt wird. Reines K. muß sich
in der doppelten Menge Weingeist klar lösen,

das spez. Gew. beträgt 0,925. Eine rasch
auszuführende Probe ist das Zusammen-
bringen einiger Tropfen des Öls mit Jod.
Mit echtem Öl entsteht dabei keine Ver-
puffung, wie sie die meisten Verfälschungs-
mittel zeigen. Das Öl dient äußerlich zu Ein-
reibungen gegen nervöses Kopfweh, Spul-
würmer, Koliken, auf Baumwolle eingeführt
gegen Zahnschmerz und Ohrenleiden, und
wurde früher auch gegen Cholera äußerlich
und innerlich angewandt . Es eignet sich gut
zur Vertreibung von Motten und überhaupt
zur Verhütung von Insektenfraß. Das K. ent-
hält wenig Terpen, hauptsächlich Cineol,
Eukalyptol, und siedet bei 174°. — Zoll:
30 M.

Kakao (Cacao, lat. Semen seu Fabae ca-
cao, frz. Cacao, engl. Cocoa, Cacao) nennt
man die Samen des prachtvollen, zu der
Familie der Büttneriaceen gehörenden
Baumes Theobroma cacao, welcher im tro-
pischen Amerika vom 23° n. Br. bis zum
20° südl. Br. heimisch ist, aber auch in an-
deren Ländern vielfach angebaut wird. Er
findet sich hauptsächlich auf den westindi-
schen Inseln, in Venezuela, Kolumbia, Ecua-
dor, Peru und Nordbrasilien, außerdem auf
den Philippinen, den Sundainseln, Ceylon,
Bourbon, San Thomd und den Kanaren und
neuerdings auch in unseren Kolonien (Ka-
merun). Die von Linnö aufgestellte bota-
nische Bezeichnung Theobroma bedeutet
Götterspeise. Der Baum, welcher im
Schmucke seiner dichten Belaubung, seiner
roten Blütenbüschel und goldgelben Früchte
einen prachtvollen Anblick gewährt, erreicht
eine Höhe von 12 m. Er beginnt im 5. bis
6. Jahre an zu tragen, gibt im 12. Jahre die
höchsten Erträge und bleibt 30 Jahre lang
nutzbar, indem er das ganze Jahr Blüten und
Früchte trägt. Die im Verlaufe von 5—6 Mo-
naten reifenden Früchte von der Gestalt einer
20 cm langen und 10 cm dicken Gurke
enthalten in einem wohlschmeckenden, röt-
lichen Fleische 25—40 Samen. Die letzteren
werden aus den aufgeschnittenen Früchten
herausgestoßen, durch Reiben und Sieben von
dem anhängenden Fruchtmus möglichst be-
freit und an der Sonne getrocknet (unge-
rotteter IC). Ein feineres Produkt, der sog.
gerottete K. wird erzielt, wenn man die
Samen zuerst in losen, mit Laub bedeckten
Haufen oder in Erdgruben einer Selbster-
hitzung überläßt, wobei sie ihre Keimfähig-
keit und einen Teil ihrer Bitterkeit, sowie
den krautartigen, herben Geschmack verlieren
und eine dunklere, bräunliche Farbe anneh-
men. Die gerotteten Bohnen, welche meist
an ihrem erdigen Überzüge kenntlich sind,
werden zur Verarbeitung auf menschliche
Nahrungsmittel einer sorgfältigen Reinigung
durch Sieben und Auslesen unterworfen, dar-
auf geröstet und schließlich in besonderen
Maschinen durch Brechen von den Schalen
befreit. In dieser Form, in welcher sie das
Ausgangsmaterial der Kakao- und Schoko-
ladenfabrikation bilden, bestehen sie nur aus
den reinen Kotyledonen des Samens. Diese