﻿Kali

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Kalium

leeit, nach dem Filtrieren, beim Eintropfen in
Salzsäure kein Aufbrausen mehr bewirkt. Die
Lauge wird nach dem Absetzen des Kalkes
klar abgezogen und in einem blanken eisernen
oder silbernen Kessel bis zur gewünschten
Konzentration eingedampft. Die Kalilauge des
D.A.B. (Liquor kali caustici purus Ph. G. 4)
hat das spez. Gew. 1,140 und enthält 15°/o
Ätzkali. Die Kalilauge des Handels (Liquor
kali caustici venalis) ist unreiner, aber ge-
wöhnlich hochprozentiger. Der Gehalt dieser
Lauge wird mittels des Aräometers nach
Graden Beaumö bestimmt. Die Kalilauge ist
eine äußerst scharfe, sich schlüpfrig anfüh-
lende, farblose oder gelbliche Flüssigkeit,
welche stark alkalisch reagiert und die Haut
hei längerer Einwirkung vollständig zerstört.
Das Kalium causticum siccum erhält man durch
Eindampfen der Kalilauge unter Umrühren,
bis ein herausgenommener Tropfen auf kal-
tem Porzellan erstarrt. Nun wird die vom
Feuer genommene Lauge bis zum Erstarren
gerührt. Man gewinnt hierbei ein grobes
Pulver, welches bis 20°/o Wasser enthält. Das
Kalium causticum fusum wird erhalten, wenn
man das Eindampfen der Kalilauge so weit
fortsetzt, bis der Inhalt des Kessels ölartig
ruhig schmilzt. Alsdann wird die wasserfreie,
heiße Masse entweder in eiserne, innen ver-
silberte Formen gegossen und so das Kalium
causticum in baculis bzw. der Lapis cau-
sticus chirurgorum (Ätzstift) gewonnen, oder
man gießt dieselbe auf Metallbleche aus und
bricht sie nach dem Erkalten in Stücke (Kali-
um causticum fusum in frustulis). Das auf die
eine oder andere Weise erhaltene feste Ätz-
kali bringt man sofort nach dem Erstarren
in trockne, warme Gefäße und verschließt sie
sorgfältig, da es an der Luft begierig Wasser
und Kohlensäure anzieht und allmählich ganz
zerfließt. Eine besonders reine Sorte von
Ätzkali, die für analytische Zwecke gebraucht
wird, erhält man durch Behandeln des ge-
schmolzenen Ätzkalis mit starkem Alkohol.
Es bilden sich zwei Schichten, von denen die
untere wässerige die Verunreinigungen —
Kaliumsilikat, Pottasche, Chlorkalium, Eisen-
hydroxyd — die obere alkoholische das darin
gelöste Ätzkali enthält. Die alkoholische Lö-
sung wird abgezogen, der Alkohol abdestilliert
und der Rückstand in einer Silberschale zum
ruhigen Schmelzen erhitzt. Ein noch reineres
Ätzkali, das Kalium causticum purissi-
naum, wird aus Ätzbaryt und schwefelsaurem
Kalium gewonnen. Das Ätzkali bzw. die Ätz-
kalilauge finden mannigfache Verwendung,
letztere hauptsächlich in der Technik zur Dar-
stellung der Schmierseifen, der Oxalsäure,
zum Büken leinener und baumwollener Ge-
spinste usw., ersteres als Ätzmittel und in der
analytischen Chemie. — Das Kaliumhydroxyd
ist nächst den seltenen Oxyden des Zäsiums und
Rubidiums die stärkste aller bekannten Basen
and bildet mit den Säuren die Kalium-
salze. Fette und fette öle geben beim Be-
handeln mit Kaliumhydroxyd die sog. Kali-
|jifen. — Hinsichtlich der Gewinnung der
Kalisalze und speziell des Ätzkalis war man

früher ausschließlich auf die Pflanzen ange-
wiesen, welche es aus dem Erdboden auf-
nehmen und in organische Kalisalze wie wein-
saures, zitronensaures, oxalsaures usw. Kali
umwandeln. Beim Veraschen der Pflanzen
entsteht dann wieder kohlensaures Kali, die-
selbe Verbindung, in der das Kali nach der
Verwitterung der Feldspatteilchen im Boden
zu finden ist (s. Pottasche). Auch aus dem
Wollschweiß der Wollwäschereien wird ein
Teil der im Handel befindlichen Kalisalze be-
reitet. Seit der Entdeckung der großen Staß-
furter Kalisalzlager (s. Abraumsalz) ist man
jedoch nicht mehr allein auf die Pflanzen
und den Wollschweiß angewiesen, sondern
es werden vielmehr beträchtlich größere Men-
gen von Kalisalzen aus dem Staßfurter Ab-
raumsalze dargestellt. — Zoll: 3,50 M.

Kalikos (frz. Calicot, engl. Calico), nach1
französischem Sprachgebrauch auch Indien-
nes genannt, sind buntgedruckte Kattune
feinerer Art. Beide Namen erinnern an In-
dien (Kalkutta), das Stammland dieser Waren,
von wo sie früher als hochgeschätzte Luxus-
artikel nach Europa kamen, während sie
jetzt einen Hauptartikel der europäischen
Baumwollenfabrikation bilden und in unge-
heuren Massen sowohl nach Indien selbst, als
auch nach anderen Ländern ausgeführt wer-
den (s. Kattun). Eine besonders feste Sorte
von gefärbten K. wird zu Büchereinbändeni
benutzt. — Zoll: S. Tarif Nr. 450; als Buch-
binderleinen Nr. 503.

KalinUsse (wilde Kalabarbohnen), die
Samen der im tropischen Amerika heimischen
Mucuna urens, kommen seit 1879 zuweilen
auf den europäischen Markt. Sie sind den
Kalabarbohnen sehr ähnliche und giftige
rotbraune Bohnen, runzelig, annähernd schei-
benförmig und auf der Kante von einer 5 mm
breiten, um 3/i des Umfanges reichenden
Narbe umgeben. — Zollfrei.

Kalium (frz. und engl. Potassium), das me-
tallische Element des Ätzkahs, findet sich
in der Natur nicht in freiem Zustande, bildet
aber in Form des Silikates einen regelmäßi-
gen Bestandteil weit verbreiteter Mineralien
(Feldspat, Glimmer). Außerdem gehen Ka-
liumverbindungen als Verwitterungsprodukte
der Gesteine in den Ackerboden und das
Meerwasser über, und insbesondere sind die
reichen Kalilager von Staßfurt und Kalucz
als Reste eingedunsteter Meere aufzufassen.
Das metallische K. wird durch Glühen von
kohlensaurem K. mit Kohle erhalten, wobei
der Kohlenstoff dem Salze den Sauerstoff
entzieht, und das Metall in Dampfform über-
geht. Man leitet die Dämpfe in eine gekühlte
Vorlage und fängt das verdichtete Metall
in Steinöl auf. Neuerdings stellt man das
Metall hauptsächlich aus dem Hydroxyde
durch Reduktion mit metallischem Magne-
sium oder mit Hilfe der Elektrolyse dar. Das
IC ist bei Zimmertemperatur so weich, daß es
sich mit dem Messer schneiden läßt. Das
spez. Gew. beträgt 0,870, das Atomgewicht
39,450. Es schmilzt bei 62° und geht bei
670° in einen grünlichen Dampf über. Frisch