﻿Kalkblau

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Kalzine

lieh an Güte zu, indem sich kleine Teilchen
nachträglich noch löschen und aufschließen.
Je reiner ein K. ist, desto mehr Wasser ver-
mag er aufzunehmen, so daß nach dem
Löschen eine 2V2—3 fache Menge erhalten
werden kann. Derartiger K. wird als „fetter
K-“ bezeichnet, während ein mit fremden
Stoffen verunreinigter K., der sich träge
löscht und geringe Schwellung annimmt,
„mager“ heißt. Nur der fette K. kann im
Gemenge mit Sand als Luftmörtel benutzt
werden, während der magere Kalk unter
Umständen, d. h. wenn er mindestens 8—10%
Ton enthält, zur Fabrikation von Wasser-
mörtel (s. Zement) geeignet sein kann. Außer
ru baulichen Zwecken dient der gelöschte Kalk
mm Reinigen des Leuchtgases und zum Raf-
finieren des Zuckers, zur Darstellung des
Chlorkalks und des chlorsauren Kalis, in der
Seifen- und Stearinfabrikation, in der Gerberei
als Enthaarungsmittel, zum Neutralisieren
schwefelsäurehaltiger Flüssigkeiten und zur
Fabrikation von Wein-, Zitronen- und Essig-
säure. — Der Ätzkalk löst sich in der 700-

fachen Menge Wasser zu einer klaren Lösung,
dem Kalkwasser (Aqua calcariae) des
Arzneibuches, welches deutlich nach Kalk
schmeckt, sich an der Luft mit einem feinen
Häutchen von kohlensaurem Kalk überzieht
und medizinische Anwendung findet. — K.
zollfrei. Gemahlener Kalk s. Tarif Nr. 230.
Wiener Kalk Nr. 225.

Kalkblau (N euwiederblau), eine Tün-
cherfarbe, welche in viereckigen Stücken oder
Täfelchen vorkommt, besteht wie das Bremer-
blau aus Kupferoxydhydrat, enthält daneben
aber noch Gips. Sie entsteht als Nieder-
schlag aus Kupfervitriol, dem etwas Salmiak
beigegeben ist, mittels Kalkmilch. Das hier-
bei gleichzeitig frei werdende Ammoniak be-
wirkt die höhere Bläuung des Niederschlages.
— Zollfrei.

Kalkierleinwand (Calq ui er 1 einwand,
Pausleinwand) nennt man ein feines Baum-
wollengewebe, welches auf einer Seite gleich-
mäßig mit Stärkekleister überzogen und dann
auf dem Kalander getrocknet und geglättet
ist. Die K. dient zum Durchzeichnen von
Baurissen, Plänen und Maschinenzeichnungen.

Zolh S. Tarif Nr. 503.

Kalkierpapier (Calquierpapier, Kopier-
papier, Pauspapier), ein dünnes, sehr
durchscheinendes, ziemlich weiches, aber doch
haltbares Papier aus rein gehecheltem Flachs,
welches gewöhnlich noch mit Paraffin, Wachs
u-, dgl. getränkt ist, wird zu demselben Zweck
wie die Kalkierleinwand benutzt. — Zoll:
b. Tarif Nr. 664.

Kalmuswurzel (lat. Rhizoma calami, frz.
Rrnzomc d’aeore vrai, engl. Sweet flag root),
der Wurzelstock von Acorus calamus, einer
ausdauernden, zu den Araceen gehörenden
ttlanze, welche in Teichen, Wassergräben,
an See- und Flußrändern häufig vorkommt,
wird im Herbste gesammelt. Die reichsten
Lrtrage erhält man in trockenen Jahrgängen,
in welchen die Wässer der Standorte sich
verlieren. Auch enthalten die Wurzeln solcher

Pflanzen, die zeitweise trocken stehen, mehr
Aroma als die fortwährend im Wasser wach-
senden. Der aromatische Geruch und Ge-
schmack, welcher nach dem Trocknen noch
stärker hervortritt, beruht auf der Anwesen-
heit eines ätherischen Öles (2—5%) und
eines scharf und bitter schmeckenden Harzes.
Außerdem findet sich in der Wurzel noch
Cholin und ein eigentümlicher stickstofffreier
Stoff: Akorin, welcher durch verdünnte
Säuren in eine Harzsäure und ätherisches
Öl gespalten wird. K. kommt in ca. 30 cm
langen, plattgedrückten Stücken, auf deren
Ober- und Unterseite die Blattansätze zu er-
kennen sind, in den Handel. Die Farbe ist
außen gelbbraun, im Querschnitt rötlich bis
weißlich gelb. Die Stücke sind entweder ge-
schält oder ungeschält. Die geschälte Wur-
zel (lat. Rhizoma calami mundata) ist die offi-
zinelle des deutschen Arzneibuches. Sie bil-
det weiße, der Länge nach gespaltene Stücke,
während die ungeschälte K. (lat. Rhizoma
calami cruda) gespalten und ungespalten in
den Handel kommt. K. dient medizinisch
als magenstärkendes Mittel, zu Zahnpulvern
und Mundwässern, die rohe K. zur Bereitung
von Bädern und in der Tierarznei. Der bei
der Schälung erhaltene Abfall kann noch zum
Abdestillieren des Öles benutzt werden. — Das
Kalmusöl (lat. Oleum calami, frz. Huile
d’aeore, engl. Oil of sweet flag) ist blaßgelb,
dunkelt aber mit der Zeit nach und besitzt
das spez. Gew. 0,960. Man benutzt es in der
Likörfabrikation. — Der kandierte, d. h.
überzuckerte K., geschält und dann mit
Zuckerlösung gekocht, ist als magenstärken-
des Mittel bei manchen beliebt, ebenso der
würzhafte Kalmuslikör. — Zoll: Kalmus-
wurzel ist zollfrei. Kandierter K. s. Tarif
Nr. 202. Kalmusöl 30 M. Kalmuslikör s.
Tarif Nr. 178/9.

Kalomelol nennt die Firma v. Heyden ein
kolloidales Quecksilberpräparat, welches 75
bis 80% Quecksilberchlorür neben Eiweiß
enthält und durch Dialyse einer wäßrigen
Lösung von Merkuronitrat, Kochsalz und Ei-
weiß und nachherige Fällung mit Alkohol
dargestellt wird. Das weißgraue, geruch- und
geschmacklose Pulver gibt mit Wasser, Al-
kohol und Äther, sowie mit Blutserum, Salz-
und Eiweißlösungen milchähnliche, kolloidale
Lösungen und dient als Ersatz des Kalomels
bei Geschlechtskrankheiten. — Zoll: S. Tarif
Nr. 388.

Kalvillen, gewisse Apfelsorten, die durch
stark hervortretende Rippen charakterisiert
sind und eine meist sich etwas fettig an-
fühlende Schale und lockeres aromatisches
Fleisch besitzen. Man unterscheidet rote,
gestreifte rote und gestreifte gelbe
Herbstkalvillen und Gravensteiner K.
— Zoll: S. Tarif Nr. 47/48.

Kalzine (Calcine). Unter diesem Namen
verkauft man eine gelbbraune, pulverige
Masse, welche durch Oxydation eines Ge-
misches von Blei und Zinn durch Schmelzen
an der Luft hergestellt wird und demnach
aus Bleioxyd und Zinnoxyd besteht. Man