﻿Kamillenöl

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Kampfer

in Südeuropa heimisch, aber in Belgien, Thü-
ringen und Sachsen auf Feldern stark an-
gebaut wird. Die Blütenköpfchen sind größer
und haben einen anderen Geruch als die der
gemeinen K., auch fehlen die gelben Scheiben-
blüten. Der Blütenboden ist gewölbt, jedoch
nicht hohl und mit Spreublättchen besetzt.
— Beide Sorten enthalten als wirksame Be-
standteile ätherisches öl und einen Bitter-
stoff und werden medizinisch verwendet. —
Zollfrei.

Kamillenöl, das ätherische öl der Kamil-
len, findet sich in mehreren Sorten im Handel:
1. Deutsches K. (lat. Oleum chamomillae
aethereum seu coeruleum, frz. Essence de
camomille, engl. Oil of chamomille ger-
man), eine dickflüssige, dunkelblaue, bei län-
gerer Aufbewahrung braun werdende Flüssig-
keit, hat das spez. Gew. 0,930 und erstarrt bei
-j- 6° C. Es hat wegen geringer Ausbeute
(0,3 °/o) einen sehr hohen Preis. — 2. Oleum
chamomillae citratum, zitronenhal-
tiges Kamillenöl, wird durch Destillation
von Zitronenöl mit Kamillen gewonnen. —•
3. Römisches K. (lat. Oleum chamomillae
romanae, frz. Essence de camomille romain,
engl. Oil of chamomille belgian) ist ebenfalls
blau, zuweilen auch grünlich, aber dünnflüssig,
und wird im Alter auch braun. Die Aus-
beute beträgt 0,7—1,0%. Man verwendet
diese Öle medizinisch, das römische auch als
Zusatz bei der Bereitung gewisser aroma-
tischer Liköre. — Zoll: 30 M.

Kammersäure, die rohe engl. Schwefel-
säure, wie sie aus den Bleikammern kommt,
enthält ca. 50% Schwefelsäure und dient zur
Herstellung von Superphosphaten und einigen
chemischen Präparaten. — Zollfrei.

Kammfett, ursprünglich das aus dem Ober-
halse (Kamm) der Pferde auf Abdeckereien
ausgeschmolzene Fett, wird heutzutage in be-
sonderen Anstalten durch Dämpfen der ge-
vierteilten Pferdekadaver in geschlossenen
Zylindern gewonnen. Die hierbei als oberste
Schicht erhaltene Flüssigkeit, die in der Kälte
butterartig wird, ein reines, helles und ge-
ruchloses Fett, wird besonders als Maschinen-
schmiere, zum Einfetten der Wolle sowie zur
Darstellung einer sog. Elain- oder Schmier-
seife (einer ganz weichen Kaliseife) für die
Tuchfabrikation verwendet. — Zoll: S. Tarif
Nr. 129 ff.

Kampfer (Kampher, lat. Camphora, frz.
Camphre du Japon, engl. Camphor) ist der
Hauptbestandteil des Kampferöls, welches
sich in dem Stamm, sowie auch den Zweigen
und Blättern des Kampferbaumes (Laurus
camphora L. oder Cinnamomum camphora
Nees und Eberm.) findet. Dieser der Familie
der Laurineen angehörige Baum ist beson-
ders in China, Japan und auf der Insel For-
mosa verbreitet. Im Innern älterer Stämme
findet sich der K. zuweilen schon kristallinisch
ausgeschieden vor. — Zur Gewinnung werden
die Kampferholzspäne (ships) einer ziemlich
primitiven Destillation mit Wasser unter-
worfen. Auf dem Destillate schwimmt schließ-
lich ein halbfestes und halbflüssiges Gemisch

von festem K. und Kampferöl, welche durch
Austropfenlassen und Auspressen von dem
K. getrennt werden. Sowohl der chinesische
als auch der japanische K. wird aus den
Produktionsländern in rohem Zustande aus-
geführt und teils in Amerika und Europa, teils
in Indien gereinigt (raffiniert). Die Raffina-
tion in Europa (z. B. Hamburg) geschieht in
der Weise, daß der Rohkampfer mit Kohle,
Kalk oder Eisenfeile gemischt und in Glas-
kolben (Bombolas) rasch auf 120—190° C er-
wärmt wird, um das Wasser auszutreiben.
Hierauf wird die Temperatur 24 Stunden lang
auf 204° gehalten und nach beendeter Subli-
mation das Glas durch Absprengen entfernt.
Man erhält so oben konvexe, unten konkave,
in der Mitte mit einem Loch versehene Brote
von 3—5 kg Gewicht. In Amerika wird der
Rohkampfer aus eisernen Retorten sublimiert.
Aus dem erhaltenen feinen Pulver werden
Scheiben gepreßt. Der Scheibenkampfer ist
dichter und weniger flüchtig als der K. in
Broten. — Der raffinierte K. stellt weiße,
durchscheinende Massen dar von eigenartigem
Geruch und brennend bitterem, hinterher küh-
lendem Geschmack. Nach dem Befeuchten
mit Alkohol oder Äther, Essigsäure, äthe-
rischen und fetten Ölen, löst sich K. in Wasser
nur wenig (1:1200), jedoch in hinreichender
Menge, um demselben einen ausgesprochenen
Geruch und Geschmack nach K. zu erteilen.
Der Schmelzpunkt liegt bei 175°, der Siede-
punkt bei 204°. Entzündet brennt der K.
mit heller, rußender Flamme. Er ist leichter
als Wasser und verflüchtigt sich schon bei
gewöhnlicher Temperatur merklich. Infolge-
dessen geraten Kampferstückchen, auf Wasser
geworfen, in eine lebhafte rotierende Bewe-
gung, die jedoch nach Zusatz von etwas Fett
oder öl aufhört. Verfälscht wird der K. ab
und zu mit Pflanzenfetten, Paraffin und auch
dem sog. Kunstkampfer (Pinenhydrochlorid).
Erstere würden beim Erwärmen des K. in
einer Porzellanschale Zurückbleiben, letzterer
läßt sich durch das in ihm enthaltene Chlor
nachweisen. — Der Formosakampfer kommt
in Kisten, die mit dicker Bleifolie ausge-
schlagen sind und 50—60 kg Inhalt haben,
in den Handel. Der japanische K. wird in
sog. Tubben, d. h. in Holzbottiche von etwa
80 kg Inhalt, verpackt, und diese dann mit ge-
flochtenen Matten umkleidet. Er kommt aber
auch in Bambus verpackt als Röhrenkampfer
in den Handel. 9/10 des gesamten K. werden
auf Formosa produziert. Der Weltkonsum
an K. berechnet sich mit 3—4 Millionen kg
im Jahre, wovon 1 Million auf Deutschland
entfallen. Die Kampferpreise sind in den
letzten Jahren außerordentlich gestiegen.
Während 1898 für 100 kg K. 249 M. bezahlt
wurden, kosteten sie 1903 bereits 430 M.
und Ende 1906 sogar 1000 M. Jetzt sind
die Preise wieder erheblich gefallen. —
Die Verwendung des K. ist eine sehr mannig-
fache. Pharmazeutisch wird er teils äußerlich,
hauptsächlich in Form des Kampfer-
spiritus, teils innerlich als Erregungsmittel
in Pulverform oder subkutan in Form von