﻿Kampferöl

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Kanevas

Kampferöl (1 Teil K. in 9 Teilen Olivenöl
gelöst) angewendet. Technisch benutzt man
K. als Mottenmittel, sowie in großen Mengen
zur Herstellung von Zelluloid und rauch-
schwachem Schießpulver. Die Aufbewahrung
des K. hat wegen seiner Flüchtigkeit und
seines durchdringenden Geruches in gut ver-
schließbaren Gefäßen aus Glas oder Blech
an einem kühlen Ort zu erfolgen. — Neuer-
dings wird der K. auch in größerem Maßstabe
künstlich gewonnen, wobei das Terpentinöl
als Ausgangsmaterial dient. Der künstliche
oder synthetische K. kommt in Pulverform
in den Handel und unterscheidet sich von
dem natürlichen K. nur durch seine optische
Inaktivität. — Außer dem gewöhnlichen K.
existiert noch ein anderer, nicht im Handel
befindlicher, der sog. Borneo- oder Su-
matrakampfer, der sich frei als mehr oder
weniger bräunliche Masse in Höhlungen und
Rissen der älteren Stämme von Dryobala-
nops aromatica findet. Dieser zu der Fa-
milie der Dipterocarpaceen gehörige Baum
wächst auf Sumatra und Borneo und ist
sehr selten geworden. Der Borneokampfer
wird in seiner Heimat zu religiösen Zere-
monien gebraucht und gelangt nur als sel-
tenes und kostbares Sammlungsprodukt nach
Europa. Sein Geruch ist zugleich kampfer-
und pfefferartig, an Ambra erinnernd. Künst-
lichen Borneokampfer erhält man durch Re-
duktion des Japankampfers. — Zoll: Kampfer
ist zollfrei, Kampferspiritus 60 M.

Kampferöl, japanisches, wird bei der
Gewinnung des Japankampfers in dreimal so
großer Menge erhalten wie der Kampfer
selbst und wurde früher an Ort und Stelle
meist als Leuchtmaterial verbraucht. Jetzt
gelangt dieses sog. Kampferrohöl, welches
eine gelbliche, stark nach Kampfer riechende
Flüssigkeit bildet, entweder als solches in
den Handel oder wird in Japan selbst der
fraktionierten Destillation unterworfen, wobei
Kampfer, Kampferweißöl und Kampferrotöl
entsteht. Letzteres enthält hauptsächlich Saf-
rol, neben wenig Kampfer und Eugenol, wäh-
rend das Kampferweißöl aus Pinen, Phellan-
dren und Dipenten besteht und infolge seiner
Ähnlichkeit mit Terpentinöl häufig an dessen
Stelle Verwendung findet. Das nachEuropa ge-
langende Kampferöl wird besonders auf Kamp-
fer und Safrol verarbeitet. Als Nebenprdukte
gewinnt man leichtes Kampferöl, schweres
Kampferöl und blaues Kampferöl. Das leichte
Kampferöl enthält hauptsächlich Pinen, Cam-
Phen, Dipenten und Phellandren und dient an
Stelle des Terpentinöls in der Lakfabrikation,
sowie zum Parfümieren gewöhnlicher Seife, das
schwere Kampferöl, welches besonders Safrol,
Eugenol, Cineol und Terpineol enthält, wird
ebenfalls zum Parfümieren von Seifen ver-
wendet, und das blaue K. schließlich, das aus
Sesquiterpenalkoholen besteht, findet als Binde-
mittel für gewöhnliche Seifenparfüms Ver-
wendung. — Zoll: K. ist zollfrei.

Kamptulikon, eine in England aus ge-
pulverten Abfällen der Korkschneiderei mit
geringen Quantitäten von Kautschuk herge-

stellte Masse, ist jetzt durch das ähnliche,
aber billigere Linoleum (s. d.) verdrängt.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 508ff.

Kanadabalsam (lat. Baisamum canadense,

frz. Baume de canada, engl. Balsam of ca-
nada), eine dickflüssige, zähklebrige, durch-
sichtige und fast farblose Flüssigkeit von
terpentinartigem Gerüche, ist das Harz von
Abies balsamea, der Balsamtanne Ka-
nadas. Es wird in Amerika medizinisch, bei
uns zur Einhüllung mikroskopischer Präparate
und in der Porzellanmalerei gebraucht. —
Zollfrei.

Kanadol, derjenige Teil des Rohpetroleums,
welcher bei ca. 60° C siedet und ein zwischen
0,650 und 0,700 liegendes spez. Gew. hat, be-
steht aus einem Gemenge mehrerer Kohlen-
wasserstoffe der Äthanreihe. — Einfuhrzoll:
wie Petroleum. — S. Tarif Nr. 239.

Kanariensamen (Kanariensaat, Kana-
rienhirse, Glanz, lat. Semen canariense,
frz. Semences de Canarie, engl. Canary seed),
die Samen des kanarischen Glanzgrases
(Phalaris canariensis), das auf den Ka-
narischen Inseln heimisch ist, aber auch in
Südeuropa wild wächst und kultiviert wird,
sind strohgelb, länglich, beiderseits zugespitzt.
In Deutschland wird die Frucht im Thürin-
gischen, namentlich in der Erfurter Gegend,
angebaut und nur als Vogelfutter verwertet.
In der Technik benutzt man den aus seinem
Mehl bereiteten Kleister zum Schlichten feiner
Baumwollwaren, wozu er noch besser als
Weizenmehl geeignet sein soll. — Zollfrei.

Kanarienwein (ICanariensekt) nennt man
die Weine von den südkanarischen Inseln
Kanaria, Teneriffa, Palma, Lanzerote, Fuerte-
rentura, Gomera und Ferro, welche bei hohem
Alkoholgehalt süßen würzigen Geschmack be-
sitzen. — Zoll: S. Tarif 180/1.

Kanarin (Canarin, Persulfocyangelb),
ein in Wasser und Alkohol unlösliches orange-
gelbes Pulver, besteht aus Pseudoschwefel-
cyan und wird durch Behandlung von Rho-
dankalium mit Chlor oder Salpetersäure er-
halten. Der Farbstoff wird im Zeugdruck
benutzt. — Zollfrei.

Kanaster (vom spanischen Canasta, der
Korb) wird meist jeder gute Varinastabak ge-
nannt, obgleich die Bezeichnung eigentlich
nur der feinsten Sorte, die in Körben ver-
sandt wird, zukommt. Die Körbe sind aus
amerikanischem Rohr geflochten und werden
unter dem Namen Kanasterkörbe häufig
auch für Zucker und andere Waren benutzt.

—	Zoll: S. Tarif Nr. 220.

Kanevas nennt man verschiedene Arten
von leinenen, halbleinenen und baumwollenen
Geweben. Leinener K. oder Kanevasleineil
ist entweder starkes Hemdenleinen oder ge-
wöhnliche und mit starkem Glanze appretierte
Futterleinwand. Ebenso bezeichnet man weiß-
gestreiften Rouleauxzwillich und andere dichte
Baumwollstoffe mit Streifen, Rippen und klei-
nen Mustern, sowie endlich die offenen ge-
gitterten Gewebe, welche zu Fliegenfenstern,
leichtem Kleiderfutter und als Stickereigrund