﻿Kaninchenhaar

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Kaolin

(Stramin) benutzt werden. — Zoll: S. Tarif
Nr. 445/469.

Kaninchenhaar, ein wichtiger Artikel für
die Hutmacherei, wird entweder von den
Fellen abgeschoren oder abgebeizt. Haupt-
sächlich dieser Haare halber züchtet man die
weißen angorischen Kaninchen oder
Seidenhasen, von welchen jeder 200—250 g
reine Haare im Jahr liefern kann. Die Haare
werden den Tieren im Sommer monatlich
einmal, im Winter nur einmal ausgekämmt
oder gerupft und bilden ein außerordentlich
elastisches und wärmendes Material, das ent-
weder für sich oder im Gemisch mit Wolle
oder Baumwolle kartätscht, verwebt und ver-
sponnen wird. — Zoll: S. Tarif Nr. 145.
413. 416.

Kanister sind Blechflaschen oder -dosen
zur Versendung von Ölen und dergl.

Kanthariden (Spanische Fliegen, Bla-
senkäfer, Pflasterkäfer, lat. Cantharides,
frz. Cantharides, engl. Spanish flies). Diese
bekannten schlanken, metallisch grün glän-
zenden Käfer, Lytta vesicatoria, von 2
bis 2,5 cm Länge kommen im südlichen und
Mitteleuropa häufig, in Deutschland nur
strichweise und als herübergekommene
Schwärme vor, und werden namentlich aus
Südrußland, Rumänien, Ungarn, Österreich
in den Verkehr gebracht. Auf den Messen zu
Pultawa und Nischnij-Nowgorod bilden sie
einen Hauptartikel. Die Tiere bevorzugen als
Futterbaum die Esche, gehen aber auch auf
Rainweiden, Holunder, Geisblatt, welche sie
in großer Menge bedecken, und können an
ihrem starken Gerüche früher wahrgenommen
als gesehen werden. Man sammelt sie in den
Monaten Juni bis August, indem man die
Käfer frühmorgens auf untergebreitete Tücher
abschüttelt, in Glasflaschen füllt und durch
Einbringen von etwas Äther, Benzin oder
Essig und dergl. tötet. Sie werden dann an
der Sonne oder in gelinder Wärme bis zur
Pulverisierbarkeit getrocknet und in gut ver-
schlossenen Flaschen oder Büchsen auf-
bewahrt. Als charakteristische Bestandteile
enthalten sie neben einem Riechstoffe das
blasenziehende Kantharidin (s. d.). Sie wer-
den zur Herstellung von Zugpflastern (Spa-
nischfliegenpflaster, Emplastrum can-
tharidum s. vesicatorium und Drouottsches
Pflaster), ferner zu Tinkturen (Tinctura can-
tharidum) benutzt. — Außer den gewöhnlichen
K. gibt es noch eine sehr große Anzahl ähn-
licher Käfer, welche ebenfalls blasenziehend
wirken und in manchen Ländern medizinisch
verwendet werden, wie die persischen K.,
Mylabris colligata und maculata, die blauen
oder violetten ostindischen K., Lytta Gi-
gas, und in Nordamerika sehr häufig Epicanta
vittata und cinerea. Bei uns werden zur Be-
reitung von Kantharidin sehr häufig die chi-
nesischen K., Mylabris Cichorii, benutzt.
Sie haben braune, nicht metallglänzende
Flügeldecken mit schwarzen und gelben Quer-
streifen. — Alle Kantharidenarten sind dem
Wurmfraß sehr unterworfen und schimmeln
leicht. — Zollfrei.

Kantharidin (Kantharidinsäure, Kan-
tharidinkampfer, lat. Cantharidinum, frz.
und engl. Cantharidine), das blasenziehende
Prinzip der Kanthariden (s. d.), bildet kleine,
farblose und geruchlose Kristalle, die bei
218° C schmelzen und unzersetzt sublimieren.
K. ist saurer Natur und wird daher auch
Kantharidinsäure (Acidum cantharidini-
cum) oder richtiger Kantharidinsäure-
anhydrid genannt. Zu seiner Darstellung
werden gepulverte chinesische Kanthariden
mit einem Gemisch von Schwefelsäure und
Essigäther digeriert, darauf mit Baryumkar-
bonat versetzt und mit Essigäther extrahiert.
Das aus der Lösung auskristallisierende K.
wird zur Entfernung des Fettes mit Petrol-
äther gewaschen und aus Alkohol umkristal-
lisiert. K. wie kantharidinsaures Ka-
lium finden immer mehr als Ersatz der
Kanthariden Anwendung. Insbesondere wird
das Spanische Fliegenpflaster, Drou-
ottsche Pflaster, durch Auflösen von K.,
und Aufstreichen auf Seidenstoff hergestellt.
— Zoll: K. ist zollfrei; Kantharidinpflaster:
40 M.

Kantillen (Cantillen, frz. Bouillon, Can-
netille, engl. Bullion, Purl). sind Erzeugnisse
der Gold- und Silberdrahtspinnerei, die haupt-
sächlich zu militärischen Abzeichen, wie Epau-
letten, Portepees, Tressen, Quasten und dergl.
verwendet werden. Der hierzu dienende
Gold- und Silberdraht ist entweder von
kreisrundem Querschnitt oder breitgewalzt,
bandartig und heißt dann Lahn. Reiner
Golddraht wird nur selten und dann auch
nur in den feinsten Nummern verwendet, wäh-
rend vergoldeter Silberdraht das übliche Ma-
terial darstellt. Die Stärke dieser Vergoldung
ist in manchen Ländern gesetzlich vorge-
schrieben. Sehr viele Gold- und Silber-
fäden werden auch durch Überspinnen von
Seidenfäden mit Gold- oder Silberdraht her-
gestellt und zu Tressen, Borten, Schnüren usw.,
sowie zur Herstellung von Gold- und Silber-
geweben (Draps d’or und Draps d’argent),
Stickereien und dergl. benutzt. Die eigent-
lichen K. bestehen aus biegsamen, hohlen Zy-
lindern, welche durch schraubenförmiges Auf-
rollen des Drahtes auf einen massiven, stäh-
lernen Zylinder von der Dicke einer feinen
Stricknadel bis zu der eines starken Blei-
stifts hergestellt werden. Man fertigt auch
K. aus unechtem Gold- und Silberdraht. —
Zoll: K. aus echtem Gold- oder Silberdraht
s. Tarif Nr. 771. 775; aus Draht von unedeln,
echt vergoldeten oder versilberten Metallen
Nr. 883. Gewöhnlich werden K. nicht aus
Lahn allein, sondern in Verbindung mit Ge-
spinstfäden gefertigt. Die Verzollung findet
dann den letzteren entsprechend, je nachdem
die Fäden seidene, baumwollene, leinene oder
wollene sind, statt.

Kaolin (chines.) ist ein feiner, eisenfreier,
weißer Ton, der noch unzersetzte Feldspat-
teilchen enthält und das Material zur Por-
zellanbereitung bildet (Porzellanerde, Por-
zellanton). Lager von Kaolin finden sich
bei Meißen, Aue, Schneeberg, Halle, Passau,