﻿Kapern

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Karbolsäure

Limoges usw. Der K. wird oft weithin ver-
sendet. — Zollfrei.

Kapern (frz. Capres, engl. Capers) nennt
man die Blütenknospen von Capparis spi-
nös a, die an sonnigen, felsigen Stellen der
Mittelmeerküsten wild wächst und bisweilen,
besonders in Südfrankreich, auch angepflanzt
wird. Das Gewächs ist ein dorniger, ranken-
der Strauch von 1%—2 m Höhe mit vier-
blätteriger, blaßrötlicher, den wilden Rosen
ähnlicher Blüte und fleischiger Schotenfrucht.
Die Knospen werden gesammelt, wenn sie
Pfefferkorn- bis Erbsengroße erreicht haben
und noch ganz geschlossen sind. Sobald sie
durch Ausbreiten im Schatten etwas abge-
welkt sind, werden sie jn Fässern mit ge-
salzenem Essig überschüttet und an die Sa-
leurs verkauft, welche das Einlegen ge-
schäftsmäßig betreiben. Man behandelt sie
entweder mit starkem Essig oder trockenem
Salz, am häufigsten in der ersten Weise, da
die Essigkapern schmackhafter und beliebter
sind als die gesalzenen, während die letzteren
sich länger gut erhalten. Vor dem Einmachen
werden die K. durch Sieben in verschiedene
Sorten geteilt, von denen die wertvollste
(Nonpareilles) die jüngsten, also kleinsten,
Knospen enthält. Darauf folgen nach der
Größe Surfines oder Capucines, die ge-
wöhnlich noch die Stiele haben, Capottes,
Fines und Mi-fines (halbfeine), endlich or-
dinäre oder Communes, die dicksten, die 5
bis 6 mal schwerer sind als die Nonpareilles.
Die feinen Sorten heißen auch in Deutschland
Kapuziner und Kapotkapern. Gute K.
müssen klein, hart, rund und noch gut ge-
schlossen, nicht schon teilweise geöffnet oder
zerdrückt sein. Alte und verdorbene sind
schwärzlich, weich und geschmacklos. Ihre
Farbe ist dunkelolivengrün mit kleinen röt-
lichen Fleckchen an der Spitze, während eine
auffallend hohe grüne Farbe eine Färbung
mit Kupfer vermuten läßt. — An Stelle der

K.	werden zuweilen Knospen von Caltha pa-
lustris und von Spartium scoparium ange-
troffen, die aber bei aufmerksamer Betrach-
tung, namentlich nach dem Öffnen, leicht zu
erkennen sind. Auch die schotenförmigen
Früchte des K.-Strauches werden in Frank-
reich eingelegt, unter dem Namen Corni-
chons de Caprier in den Handel gebracht
und wie Essiggurken genossen.— Zoll: 75 M.

Kapok nennt man die Samen von Bombax

L.	und Eriodendron L., der Wollbäume, die
in südtropischen Gegenden zu Hause sind,
besonders in Para, Ost- und Westindien, Süd-
afrika und Südamerika. Die Bäume gehören
zur Familie der Malvaceen und haben ein
sehr schnelles Wachstum. Durch Einschnitte
gewinnt man aus ihnen ein dem arabischen
Gummi ähnliches Produkt. Der Same hat
Interesse namentlich deshalb, weil die Kap-
seln in feine Haare eingehüllt sind, die man
als Kapok oder Pflanzendaunen in den Handel
bringt. Sie werden als Polstermaterial ver-
wendet. — Zoll: 2 M. K.-Daunen zollfrei.

Kapseln. Unter diesem Namen faßt man
verschiedene Produkte zusammen: 1. K. aus

Gelatine oder Mehl, die dazu dienen,
Arzneimittel einzuschließen, um das Ein-
nehmen zu erleichtern, z. B. Kopaivabalsam-K.,
Rizinusöl-K., Brausepulver-K. usw. — Zoll:
S. Tarif Nr. 201. 212. 376. 388. — 2. K. aus
Zinn oder Zinnlegierungen, die zum Ver-
schließen von Flaschen dienen. — Zoll: S.
Tarif Nr. 863. — 3. K. aus Ton oder ähn-
licher Masse, die teils zum Versenden ver-
wendet werden, teils in der Chemie und
Industrie Verwendung finden. — Zoll: S. Tarif
Nr. 725.

Karagaheen (Irländisch Moos, Perl-
moos, Knorpeltang, lat. Carrageen,Lichen
caragen, frz. Mousse d’Irlande, engl. Irish
Moss), in den Drogenhandlungen auch als
Fucus crispus bezeichnet, stammt von ver-
schiedenen Meeresalgen, Sphaerococcus
crispus, Chondrus crispus und Gigar-
tina mammillosa, welche an den Küsten
der Nordsee und des Atlantischen Ozeans
sowohl in Europa als auch in Nordamerika
gefunden werden. Die Algen sind hornartig
durchscheinende gelappte oder geschlitzte Ge-
bilde, welche im frischen Zustande schwarz-
bis graurot aussehen, durch öfteres Befeuchten
und Trocknen an der Sonne aber gebleicht
werden. Als Hauptbestandteile finden sich
Schleim, geringe Mengen von Brom und Jod,
sowie Farbstoff. Die Menge der an Sulfaten
reichen Asche beträgt ca. 15°/o. Durch Kochen
wird K. fast ganz in Schleim aufgelöst und
in Form einer stets frisch bereiteten Gallerte
nach Zusatz von Zucker als lösendes, reiz-
linderndes Mittel medizinisch verwandt. In
der Technik benutzt man den Schleim als
Weberschlichte, zum Appretieren von Zeugen,
zum Klären von Bier und als farbenaufneh-
menden Grund bei Marmorpapieren. K. wird
gewöhnlich erst in den Drogenhandlungen
gereinigt, sortiert, geschnitten und gepulvert.
Der Versand geschieht in stark gepreßten
Ballen von 50 kg Gewicht. — Zollfrei.

Karbolineum. Unter diesem Namen kom-
men Flüssigkeiten in den Handel, die zum
Anstreichen von Holz dienen, um Fäulnis
abzuhalten. Sie bestehen meist aus schweren
Kohlenwasserstoffen, Anthrazenölen, die als
Abfallprodukt bei der fraktionierten Destil-
lation des Steinkohlenteers gewonnen werden
und Phenol enthalten. — Zollfrei.

Karbolsäure (Phenol, Phenylsäure,
Steinkohlenkreosot, lat. Acidum carboli-
cum, Acidum phenylicum, frz. Acide carbo-
lique, engl. Carbolic acid, Phenol) bildet
neben höheren Phenolen (Kresolen) den
Hauptbestandteil der zwischen 160 und 200°
überdestillierenden Anteile des schweren
Steinkohlenteeröls, des sog. Kreosotöls,
aus welchem sie durch Behandlung mit
Natronlauge und nachfolgende Zersetzung
der von den übrigen Teerbestandteilen abge-
lassenen alkalischen Flüssigkeit mit Schwefel-
säure gewonnen wird. Durch fraktionierte
Destillation des abgeschiedenen öligen Pro-
duktes erhält man die rohe K. (Acidum
carbolicum crudum), welche zur weiteren Rei-
nigung mit Chromsäure, Schwefelsäure Blei-