﻿Kardobenediktenkraut

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Karthamin

einer im südlichen Europa heimischen, in
Deutschland und England aber auch ange-
bauten Pflanze, werden in der Tuchfabrikation
zum Rauhen und Auflockern des gewalkten
Tuches verwandt. Die K. haben ungefähr
die Größe und Gestalt eines Hühnereies und
sind ganz mit harten, in gekrümmte Borsten
übergehenden Spreublättchen besetzt, auf dereni
richtige Beschaffenheit beim Einkauf Rück-
sicht zu nehmen ist. Sie müssen nämlich
weich, biegsam, elastisch und fein sein, dabei
aber soviel Stärke besitzen, daß sie beim
Gebrauch nicht abbrechen oder die Wolle
abreißen. Alte K. zieht man den frischen
vor. Die besten K. stammen aus der Gegend
von Avignon, Rouen, Sedan, italienische
hauptsächlich aus Bologna. Von den eng-
lischen sind besonders schön die aus der
Grafschaft Essex, während unter den deut-
schen die aus der Gegend von Magdeburg,
Halle, Erfurt, Bamberg usw. zu erwähnen
sind. Die K. werden zu je 25 Stück an den
Stengeln zusammengebunden und dann in
Packen von 1000 Stück versendet oder auch,
m leichte Fässer gepackt, in den Handel
gebracht. — Zollfrei.

Kardobenediktenkraut (Bitterdistel,
Bernhardinerkraut, Kratzkraut, lat.
Herba cardui benedicti, frz. Chardon benit,
engl. Blessed thistle), das getrocknete Kraut
von Cnicus benedictus, einer Distelart,
die im Orient und Südeuropa wild wächst
und bei uns angebaut wird. Die Pflanze,
welche eine Höhe bis zu 1 m erreicht, wird
am gehaltreichsten in magerem, sandigem
Boden auf sonnigem Standorte. Sie hat bis
Vi m lange, 8 cm breite Blätter, die auf
beiden Seiten zottig behaart und am Rande
dornig gezähnt sind. Das Kraut wird ge-
schnitten, bevor die gelben, mit großen stache-
ligen Kelchen umgebenen Blüten sich öffnen,
und im Schatten getrocknet. Es enthält neben
einem Bitterstoff, Knizin oder Zentaurin,
und ätherischem Öl viel Salpeter und andere
Salze. — Das Kraut wird hauptsächlich zur
Darstellung bitterer Liköre, als magenstärken-
des Mittel und in Form seines Extraktes
medizinisch benutzt. — Zollfrei. K.-Likör s.
Tarif Nr. 178/9.

Kardol (lat. Cardolum, frz. Cardol vösicair,
engl. Cardol vesicant), der in den Elefanten-
läusen oder Anacardien (s. d.) enthaltene
äußerst scharfe Stoff, ist eine schwach und
angenehm riechende, rötlichgelbe, ölige Flüs-
sigkeit, die wegen ihrer unberechenbaren
Wirkung nur selten, und stets nur äußerlich
angewendet wird. Man unterscheidet Car-
dolum vesicans, aus westindischen Anacar-
dien, welches blasenziehend wirkt, und Car-
dolum pruriens, aus den ostindischen Ana-
cardien, welches auf der Haut Pusteln erzeugt.
— Zoll: S. Tarif Nr. 387.

Karlsbader Salz (lat. Sal thermarum Caro-
hnarum),. das durch Abdampfen des Karls-
bader Mineralwassers erhaltene Salz, wird für
medizinische Zwecke zu einem ziemlich hohen
Preise (ca. 13 M. pro Kilo) in den Handel
gebracht. Dieses hohen Preises wegen hat
Merck’s "VVarenlexikon. 5. Aufl.

man als Ersatz ein künstliches K. herge-
stellt, das aus den fixen Bestandteilen des
Karlsbader Mineralwassers, aus schwefel-
saurem Natrium, Natriumbikarbonat und
Kochsalz, in demselben Mischungsverhältnisse
besteht, dieselbe medizinische Wirkung wie
das echte Salz ausübt und nur 30—50 Pfg.
kostet. — Zollfrei.

Karmelitergeist, ein Präparat, das durch
Destillation von Weingeist über Melisse und
mehrere andere gewürzhafte Kräuter, Samen
und Rinden hergestellt wird, hat seinen Na-
men vom Karmeliterkloster in Nürnberg. —
Zoll: S. Tarif Nr. 386.

Karmin (Carmin) ist der prachtvolle rote
Farbstoff, welcher aus der Koschenille (s. d.)
durch Ausziehen mit Wasser und nachherige
Fällung mit verdünnten Säuren, meist unter
Zusatz von Eiweiß, Gelatine und Alaun her-
gestellt wird. Er kommt entweder als ein
feurig rotes Pulver oder in unregelmäßigen
Bruchstücken in den Handel. Die beliebteste
Marke (Nakarat-K.) wird in viereckigen
Pappkästen von V2—1 kg Inhalt und ver-
schiedenen Qualitätsnummern verkauft. K. ist
unlöslich' in Wasser, löst sich aber in Ammo-
niak und soll nicht mehr als 9 °/o Asche hinter-
lassen. Durch Fällung alkalischer Karmin-
lösungen mit Alaun und Zinnsalz erhält man
die sog. Karminlacke, die ebenso wie Ge-
mische mit Ton, Kreide usw. unter beson-
deren Namen, wie Pariserrot, Florentiner-,
Wiener-, Münchenerlack in den Handel kom-
men. K. dient als feine Malerfarbe, ferner
zum Färben von Tapeten, Konditorwaren und
anderen Nahrungsmitteln. — Zollfrei.

Karminsurrogat (Carminsurrogat).
Unter diesem Namen kommt eine Mischung
von Anilinrot (Fuchsin) mit Safransurrogat
(Binitrokresolkalium) in den Handel, die
früher zum Färben von Likören und Kon-
ditoreiwaren verwendet wurde, nach dem
neuen Farbengesetz aber für Nahrungsmittel
verboten ist. — Zollfrei.

Karneol (frz. Cornaline, engl. Comelian),
ein als Ringstein zur Verwendung kommen-
der lebhaft roter, durchscheinender Chalze-
don. Schleifereien befinden sich in Idar. ■—
Wegen des Einfuhrzolles s. Achat.

Karotten (Stangentabak). Mit diesem
Namen belegt man fest zusammengearbeitete,
ca. t/3 m lange, nach beiden Enden hin ver-
jüngte Rollen von gebeizten Tabakblättern,
die mit starkem Bindfaden umwickelt sind
und zur Bereitung von Schnupftabak verwen-
det werden. Die mittels einfacher Maschinen
zusammengewickelten sog. Puppen bekommen
eine Hülle von Leinwand, die vor dem Ver-
kaufe wieder entfernt wird. Man läßt diese
K. vor der Verarbeitung 3—4 Jahre liegen,
bis sie infolge des festen Zusammenschnürens
und der vorhandenen Beize nach und nach
fast speckartig erscheinen. — Zoll: S. Tarif
Nr. 220.

Karthamin (Karthaminsäure, Safflor-,
Chinesisch Rot), der rote Farbstoff des
Safflors (s. d.), aus welchem er, nach der
Entfernung des gelben Farbstoffs mit Wasser,

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