﻿Kartoffeln

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Kaskarille

durch Sodalösung ausgezogen und mit Säuren
wieder gefällt wird. K. kam früher nur auf
Tassen oder Teller gestrichen (Rouge en
assiettes) oder auch flüssig (Rouge ä la
goutte), neuerdings auch als braunrotes
Pulver (Rouge vdgötal) oder in Form
metallisch glänzender Blättchen in den Han-
del. Die früher viel zum Rotfärben von Ge-
weben benutzte Substanz ist jetzt wegen ihres
hohen Preises durch die Teerfarben meist
verdrängt und findet nur noch bei der Ver-
fertigung von Schminken (Fard de chine)
Anwendung. — Zoll: S. Tarif Nr. 328. 358.

Kartoffeln (Erdäpfel, frz. Pommes de
terre, engl. Potatoes) sind die an unter-
irdischen Stengeln (nicht Wurzeln) wachsen-
den Knollen von Solanum tuberosum,
welche im Jahre 1560 aus ihrer südamerika-
nischen Heimat (Peru, Chile) nach Europa
eingeführt und hier seit Ende des 18. Jahr-
hunderts in steigendem Maße angebaut wur-
den. Die K. ist äußerst anspruchslos und
gedeiht auf jedem Boden, am besten jedoch
auf leichtem Sand- bis Lehmboden, der für
Getreidebau nicht mehr verwertbar ist. Sie
findet sich in Europa von den nördlichen
Mittelmeerländern bis zum 70° n. Br. und
wächst in Deutschland als Frühkartoffel
70—90, als Spätkartoffel 140—180 Tage.
Die Vermehrung geschieht meist durch
Knollen, seltener zu Zuchtzwecken durch
Samen. Die K. liefert im allgemeinen sehr
hohe Erträge von 12—19 000 kg per ha, hat
aber unter manchen pflanzlichen und tieri-
schen Schädlingen, von denen der jetzt aus-
gerottete Koloradokäfer besondere Be-
rühmtheit erlangte, zu leiden. Nach ihrer
chemischen Zusammensetzung ist sie ein aus-
gesprochen stärkehaltiges Produkt und ent-
hält neben 75% Wasser und 18—20% Stärke
nur 2% Stickstoffsubstanz, je 1% Asche und
Rohfaser und Spuren Fett. Ihr Wert hängt
von dem Gehalt an Stärke, resp. indirekt von
ihrem Wassergehalt ab, welcher nach Boden,
Klima und Sorte beträchtlichen Schwankun-
gen unterliegt und bis zu 88% ansteigen kann.
Mit länger dauernder Aufbewahrung sind ver-
schiedene chemische und physiologische Ver-
änderungen verbunden. In erster Linie zeigt
sich ein Rückgang der Stärke, und mit der
im Frühjahr, besonders bei höherer Tempe-
ratur eintretenden Keimung bildet sich das
giftige Solanin. Zur möglichsten Einschrän-
kung dieser Umlagerungen müssen die K.
trocken, luftig und kühl aufbewahrt werden.
Im großen bedient man sich hierzu meist
besonderer Erdgruben (Mieten), für den Plaus-
halt hat sich die Bedeckung mit feiner Asche
zur Verhinderung der Keimung und Fäulnis
als vorteilhaft erwiesen. Der süße Geschmack,
welchen gefrorene K. annehmen, läßt sich
wieder beseitigen, wenn man die K. vor dem
Gebrauch mehrere Tage in der warmen
Küche aufbewahrt. Die K. bilden in manchen
Gegenden das wichtigste Nahrungsmittel der
ärmeren Bevölkerung und finden außerdem
technische Verwendung als Futtermittel, in
der Brennerei und Stärkefabrikation. Zur

Verringerung der hohen Transportkosten hat
man neuerdings mit Erfolg versucht, die K.
durch Trocknen ihres Wassers zu berauben
und bringt die so erhaltenen Trocken- oder
Dörrkartoffeln zu Futter- und Ernährungs-
zwecken in den Handel. — Zoll: S. Tarif
Nr. 23. 37.

Karvon (Karvol), ein den Terpenen ver-
wandtes und dem Thymol isomeres sauer-
stoffhaltiges ätherisches Öl, welches zu 50%
im Kümmelöl (s. d.), zu 30% im Dillöl und
Krauseminzöl enthalten ist und neuerdings
auch synthetisch dargestellt werden kann,
wird aus dem über 200° siedenden Anteil des
Kümmelöls gewonnen als eine farblose, nach
Kümmel riechende Flüssigkeit vom spez. Gew.
0,963, dem Siedepunkte 225—230° und der
spez. Drehung von -f- 62. Zur Reindarstellung
bedient man sich der Eigenschaft des K.,
mit Ammoniak und Schwefelwasserstoff in
alkoholischer Lösung eine kristallinische Sub-
stanz zu bilden. — Zoll: 30 M.

Kasein (Casein, Käsestoff) ist die haupt-
sächlichste Stickstoffsubstanz der Säugetier-
milch, in welcher es in Menge von 2—5%
vorkommt. Zur fabrikmäßigen Darstellung
wird abgerahmte, stark verdünnte Kuhmilch
mit Essigsäure versetzt, der entstehende Nie-
derschlag abfiltriert, nach dem Waschen mit
Wasser in Ammoniak oder Soda gelöst, noch-
mals mit Essigsäure gefällt und nach mehr-
facher Wiederholung dieser Operation durch
Alkohol und Äther vom Fett befreit und im
Vakuum getrocknet. Es stellt dann ein weißes,
in Wasser nahezu unlösliches Pulver dar,
welches ca. 15% Stickstoff enthält und durch
Einwirkung von Ammoniak, Alkalien und
Kalk in lösliche Salze übergeführt wird. K.
findet in der Nahrungsmittelindustrie und
Technik ausgedehnte Anwendung. Von den
neuerdings als Kräftigungsmittel und zur
Krankenernährung in großer Zahl angeprie-
senen Nährpräparaten besteht das vor-
treffliche Sanatogen aus einem mit Glyzerin-
phosphorsäure löslich gemachten IC., Nutrose
ist lösliches Kasei'nnatrium, Eukasin lös-
liches Kase'inammonium. Die Technik benutzt
K. in Verbindung mit Kalk als Käsekalk,
Quarkleim, Caseogomme als Klebemittel,
zur Herstellung von Kitten und Kase'in-
farben und in der Färberei zum Animali-
sieren. Durch letzteres nimmt Baumwolle
und Leinen die Eigenschaft an, sich Farb-
stoffen gegenüber wie Wolle und Seide zu
verhalten. Kasei'nnatrium dient als Anmache-
und Befestigungsmittel von pulverförmigen,
unlöslichen Farben, besonders Ultramarin. —
Zollfrei.

Kaskarille (Cascarillenrinde, Croton-
rinde, graue Fieberrinde, lat. Cortex
cascarillae, frz. Ecorce de Cascarille, engl.
Cascarille bark) stammt von einem oder wahr-
scheinlicher mehreren verwandten kleinen
Bäumen des tropischen Amerika aus der
Familie der wolfsmilchartigen Gewächse und
aus der. Gattung Croton, wie C. Eluteria
usw. Die trockene Rinde kommt in meistens
gerollten, kurzen, auch rinnenförmigen Stück-