﻿Kastanien

chen vor, die außen grauweiß oder aschgrau,
innen rotbraun gefärbt und beiderseits^ mit
zahlreichen feinen, sich kreuzenden Rissen
versehen sind. Die Rinde erscheint auf dem
Bruche hornartig, auf scharfem Querschnitt
harzglänzend. Sie enthält ätherisches Öl, einen
kristallischen Bitterstoff Kaskarillin, Gerb-
stoff, harzige und gummiartige Bestandteile
und hat einen brennend würzhaften bittern
Geschmack sowie aromatischen Geruch, der
heim Aufwerfen der Rinde auf glühende Koh-
len moschusartig wird. Das abdestillierte
ätherische Öl, das Kaskarillöl, riecht und
schmeckt wie die Rinde. Die Rinde findet
als Tonikum, sowie als Zusatz zu Zahnpulver
beschränkte medizinische Anwendung. Häu-
figer benutzt man sie als Räucherpulver, zu
aromatischen Likören und zu Tabaksbeizen.
'— Zoll: Die Rinde ist zollfrei, das ätherische
öl: 30 M.

Kastanien (Maronen, frz. Chätaignes
Marrons, engl. Chestnuts) sind die süßlich
mehligen, sehr nahrhaften Früchte des edlen
oder echten Kastanienbaumes (Castanea
vesca), eines Verwandten unserer Rotbuche,
welcher aus dem wärmern Asien stammt,
aber seit alten Zeiten in Südeuropa heimisch
ist. Die Früchte stecken zu 1 oder 2, seltener
zu 3 in einer mit spitzen Dornen besetzten
Becherhülle, welche später vierklappig aus-
einandergeht und den Inhalt ausfallen läßt.
Sie werden schon früher gesammelt oder
mit Stangen abgeschlagen, von den Hüllen
durch Dreschen getrennt und in der Sonne
getrocknet, auch zuweilen zur Zerstörung der
Keimkraft vorher abgebrüht. Sie enthalten
ca. 30°/o Wasser, 8—9°/o Stickstoffsubstanz.
2% Fett, 30°/o Stärke, 23% stickstofffreie
Extraktstoffe, je 3°/o Holzfaser und Asche.
Wälderartige Kastanienpflanzungen finden
sich in mehreren Gegenden Italiens, Spaniens
Portugals und in Südfrankreich, namentlich
m der Provence und Languedoc, von we-
dle größten und besten, sog. Maronen, in
den Handel kommen. Kleinere K. werden
diesseit der Alpen im südwestlichen Deutsch
land, m der Schweiz, Tirol, am Rhein, Ungarn
gezogen. Sie sind einseitig abgeplattet, da
sie immer nur zu zweien in einem Becher
stecken. In Mitteldeutschland wächst der Baum
zwar auch noch, bleibt aber häufig ertraglos.
Die Früchte werden in der mannigfachsten
Zubereitung genossen, bei uns nur als ge-
mgentliche Zuspeise, während sie in südlicheren
veSfnc*erl die Bedeutung eines wirklichen
t^fo-nvhrungsmittels haben, auch eine vor
bewiV*6 Viehmast abgeben. Bei der Auf
leicht I?ng ~er .K- ist Vorsicht nötig, da sic
"aneen ?n Schimmel und Würmern ange-

nicht küW undUtd ^ Früh>,hr' wenn ,sie
leicht keim™ trocken gehalten werden,

__ 70n . p .ur*d dadurch gänzlich verderben.

216 KasSn?leßblre K‘ s- Tarif Nr- 55. 202.

K.	s. Tarh Nr“?1' S' ^ Nr‘ 212' Wild('

ex^Slatn^nrakt’ V Kastanienblätter-
w f ' -L Kxtractum foliorum castaneae
vescae, frz. Extra.t de chätaignes, engl. Ex-

227	Katechu

tract of chestnuts), ein wässeriger und ein-
gedickter Auszug aus den Blättern der Edel-
kastanie, wird als Mittel gegen Keuchhusten
empfohlen und ist in die amerikanische Phar-
makopoe aufgenommen worden. 2. Kasta-
nienholzextrakt, ein durch Auskochen des
Kastanienholzes mit Wasser und Verdampfen
bis zur Sirupsdicke erhaltenes Produkt, wird
teils mit Eisensalzen zum Schwarzfärben be-
nutzt, teils um aus der Rübenmelasse pektin-
und stickstoffhaltige Substanzen niederzu-
schlagen, wenn man dieselbe vergären und
zur Pottaschebereitung benutzen will. Häufig
wird K.-Holzextrakt auch zur Verfälschung
von Blauholzextrakt benutzt. — Zoll: K. von
genießbaren K.: S. Tarif Nr. 386. K. zum
Gewerbegebrauch: S. Tarif Nr. 328.

Kastanienholz, das Holz der echten Kasta-
nie, ist gelblichbraun, mit dunkeln Schat-
tierungen, dem Eichenholz etwas ähnlich, aber
oft rissig. Es schwindet und quillt nicht,
nimmt eine schöne Politur an und wird als
wertvolles Nutzholz verwendet. Besonders gut
eignet es sich zu Weinfässern, zu denen die
Faßstäbe einen Exportartikel Italiens nach
Frankreich und England bilden. In Ober-
italien wird viel K. als Schlag- oder Unter-
holz gezogen, da das hierbei erhaltene Stan-
genholz sehr geeignet zu Hopfenanlagen und
Weinpfählen ist. — Zollsatz: S. Tarif Nr.
74 ff. 615 ff.

Kastorine, verschiedene ganz wollene, ge-
mischte oder ganz baumwollene weichhaarige
Gewebe, welche der Klasse der Biber,
Plüsche, Velpel angehören. Auch unge-
schnittener Seidenplüsch ist darunter verstan-
den worden. — Einfuhrzoll für wollene und
halbwollene K. s. Tarif Nr. 427 ff., für baum-
wollene Nr. 445 ff.

Kastoröl (Castoröl, engl. Castor oil) wird
von den Engländern sonderbarerweise das
Rizinusöl genannt (s. d.).

Katechu (Catechu, Cachou, lat. Terra
catechu seu japonica, frz. Cachou ou Terre
de Japon, engl. Cutch, Black catechu) be-
steht aus dem eingetrockneten, wässerigen
Extrakt verschiedener, besonders zu den Aka-
zien gehöriger Bäume und Sträucher Ost-
indiens und wird je nach der Abstammung
in Akazienkatechu oder Mimosenkate-
chu und Palmenkatechu unterschieden.
Vom Akazienkatechu kommen zwei Haupt-
arten in den europäischen Handel: 1. Cutch,
Braunes IC. oder Bombay-K., durch Aus-
kochen des Holzes der Acacia Catechu und
A. Suma gewonnen, bildet große Kuchen,
im Einzelverkauf unregelmäßige Stücke mit
rauher, erdiger, brauner Oberfläche und brau-
nem Bruch und ist gewöhnlich mit ankleben-
den und eingebackenen Blättern und Spänen
durchsetzt. Besondere Sorten sind: a) das
bengalische K., fast quadratische Stücke, die
außen erdig rauh, schmutzig graubraun er-
scheinen und auf dem Bruche dunklere und
hellere Streifung oder Marmorierung zeigen;
b) das höher geschätzte, braune Pegu-K.,
welches in Körben und Ballen aus Ranguhn
und Pegu in Hinterindien kommt. 2. Garn-