﻿Katzenkraut

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Kautschuk

das braun gefärbt und hauptsächlich in Un-
garn und der Türkei verbraucht wird. Katzen-
felle werden vielfach gegen Rheumatismus
und Gicht verwendet, indem man die schmerz-
haften Stellen damit bedeckt. — Zollfrei.

Katzenkraut (Amberkraut, lat. Herba
mari veri, frz. Teucrium, engl. Cat thyme)
besteht aus dem Kraute von Teucrium ma-
nnt, welches einen durchdringenden, kamp-
ferartigen Geruch besitzt und auch im ge-
trockneten Zustande bitter, brennend, würz-
haft und scharf, dann kühlend schmeckt. Die
Katzen, Marder, Füchse und anderes Raub-
zeug werden von dem Geruch mächtig an-
gezogen und zerstören die Pflanze. Verwendet
wird K. zu Kräuterumschlägen und als Zu-
satz zu Schnupftabaken. — Zollfrei.

Kauris, die kleinen, bei uns als Otter- oder
Schlangenköpfchen zum Besatz von Pferde-
geschirren, sowie zu Muschelarbeiten benutzten
Gehäuse einer Meerschnecke, Cypraea
moneta, stammen aus den indischen Meeren,
werden namentlich in dem Korallenarchipel
der Malediven in Massen gefunden und die-
nen seit den ältesten Zeiten in Asien und
Afrika als Münze. In Bengalen entsprechen
etwa 1540 Stück dem Werte eines Franks,
in Siam sogar erst 2400, während an der
Westküste von Afrika, am Senegal, der Gpld-
küste und in Benin schon 122 Stück den
Wert eines Franks repräsentieren. — Zollfrei.

Kautschuk, Federharz, Ledergummi
(lat. Gummi elasticum, Resina elastica, frz.
Resine ölastique, engl. Caoutchouc oder In-
dian-rubber) ist der wichtigste Vertreter der
Kautschukkörper, welche alle den Milch-
säften verschiedener Pflanzen entstammen.
Wenngleich auch einige Pflanzen unserer
Zone (Euphorbiaceen) in ihrem Milchsäfte K.
enthalten (0,5—2,5°/o), wird der K. des Handels
doch nur aus Tropenpflanzen gewonnen. Es
kommen hierbei hauptsächlich Gewächse aus
den Familien der Euphorbiaceen (Wo 1 fs-
milcharten) — Hevea und Manihot —
Opociuceen (Hundsgiftgewächse) -—
Landolphia, Hancornia, Kickxia usw.
— Moraceen (Maulbeerengewächse) *—
Ficus, Castilloa — und Loranthaceen
(Riemenblumengewächse) — Strutan-
thus, Phthirusa usw. in Betracht. Die
erste Bekanntschaft des K. in Europa scheint
durch den französischen Gelehrten Conda-
mine vermittelt worden zu sein, der 1736
bis 1745 in Brasilien und Peru weilte und
über den K. unter Einsendung von Proben
an die französische Akademie der Wissen-
schaften berichtete. Die Eingeborenen Bra-
siliens kannten und benutzten denselben
z^. verschiedenen kleinen Gebrauchsgegen-
s anden, z. B. zu Beuteln, Stöpseln für Kürbis-
asc en, sowie auch zu Fackeln. Die ver-
einze en Versuche, dem Stoffe mehr abzu-
gewinnen, reichen bereits bis in den Ausgang
es achtzehnten Jahrhunderts zurück, so
wurden schon 1790 zu Paris vereinzelt chirur-
gische Binden und wasserdichte Überzüge,
sowie auch Röhren zu chemischen Zwecken

daraus hergestellt. 1820 gelang es Stadler
in Wien zum ersten Male den K. zu Fäden
auszuziehen. Später erschienen die ersten
plumpen Gummischuhe, die jedoch ebenso-
wenig Glück machten, als später Mackin-
tosh mit seinen Regenröcken. Die Verwen-
dungen des K. vermehrten sich jedoch in
dem Maße, als man mehr Mittel kennen
lernte, der Masse andere Formen zu er-
teilen, wie sie der Rohstoff hat und als ihr
durch bloßes Zerschneiden, Zusammenkleben
frischer Schnitte und durch Anwendung von
Lösungsmitteln gegeben werden konnten.
Heute ist aus dem noch vor einigen 60 Jahren
wenig gebrauchten, fast wertlosen K. ein Ar-
tikel geworden, dessen Verarbeitung zu den
mannigfachsten Zwecken großartige Etablisse-
ments und unzählige Hände beschäftigt, und
der gegenwärtig zu den wichtigsten indu-
striell verwertbaren Rohstoffen des Pflanzen-
reiches gehört. — Die Gewinnung des K.
ist je nach dem Produktionsland eine etwas
verschiedene. Die weitaus beste Sorte, das
Para-Gummi, stammt von Hevea Brasi-
liens is, einem nur im Überschwemmungs-
gebiete des Amazonas vorkommenden Baume.
Während der trockenen Jahreszeit, welche den
dicksten Saft liefert, werden in jeden Baum
in der Höhe von ungefähr 2 m schiefe, nach
oben laufende Einschnitte gemacht. Unter
jedem Einschnitt wird ein Becher befestigt,
der nach 24 Stunden abgenommen wird.
Sämtliche Einschnitte bilden einen horizon-
talen Kreis um den Stamm. Zirka 20 cm
unterhalb des ersten Kreises wird dann ein
zweiter Kreis von Einschnitten angelegt, hier-
auf ein dritter usf., bis man am Boden an-
gelangt ist. Der gewonnene Milchsaft wird
auf Holz- oder Tonformen becherweise auf-
gegossen und über freiem Feuer getrocknet
und geräuchert. Das Aufträgen der Milch
wird so oft wiederholt, bis die Kautschuk-
masse die verlangte Dicke (2—12 cm) erreicht
hat. Werden Tonformen in Gestalt von Fla-
schen mit dem Milchsaft bestrichen und der
nach dem Trocknen und Räuchern zurück-
bleibende Überzug von dem Ton befreit, so er-
hält man den Flaschenkautschuk. Auch
in Plattenform kann nach dieser Methode
der K. erhalten werden. Zuweilen läßt man
die Milch, statt sie durch Feuer einzudicken,
in Kästen oder Gruben freiwillig eintrocknen
und gewinnt so eine etwas wasserhaltige,
auf dem Schnitte speckig aussehende Masse,
sogen. Gummispeck oder Speckgummi.
Das Para-Gummi, im brasilianischen Handel
Feingummi (Para-fina) genannt, wird von dem
Hafenplatze Para exportiert. Das Amazonas-
und Ceara-Gummi, im brasilianischen Han-
del als „Kautschuk“ bezeichnet, wird auf
andere Weise gewonnen. Die Rinde wird ge-
reinigt und dann um den Stamm eine schiefe
Rinne aus Lehm befestigt, in welcher sich der
oberhalb aus Einschnitten hervorquellende Saft
sammelt. Dieser fließt dann in eine Kalebasse.
Die mit Lehm und Rindenstücken verun-
reinigte Sorte wird Sarambi genannt und
gelangt in kugelrunden Stücken, welche