﻿Kautschuk

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Kautschuk

Negerköpfe (Niggers) heißen, in den Handel.
Der geräucherte Ceara-Kautschuk nennt sich
Manicoba. Unter Cartagena- oder Ule-
bzw. Castilloa-K. versteht man die Ware,
welche aus Zentralamerika kommt und von
Castilloaarten abstammt. Der durch einen
langen, senkrechten Einschnitt, in den wieder
schiefe, kurze Einschnitte einmünden, gewon-
nene Rohsaft (Ule) wird mit dem Safte einer
Schlingpflanze gemischt, wobei der K. sich als
weiche Masse ausscheidet. Diese wird ge-
knetet und getrocknet und gelangt in Form
kleinerer Kuchen oder größerer Blöcke in den
Handel. Ostindischer IC, von Ficus ela-
stica und Urceola elastica abstammend,
wird erhalten, indem man den Milchsaft an
der Luft gerinnen läßt, die sich an der Ober-
fläche ansammelnde Kautschukmasse knetet
und an der Sonne trocknet. Infolgedessen ist
dieser K., der in regellosen Brocken und Klum-
pen, sowie in dicken Platten vorkommt, hell-
farbiger, lichtbraun oder weißgrau. Der ost-
indische K. ist ziemlich unrein, steht auch der
Para wäre an Festigkeit und Elastizität nach
und ist deshalb viel billiger. Er kommt selten
nach Deutschland und geht hauptsächlich
nach England und Nordamerika. Afrikani-
scher K. fängt neuerdings an, eine Rolle zu
spielen. Er wird von Vahea-, Landolphia-,
Kickxia- und Ficus-arten geliefert. Als Pro-
duktionsländer kommen hauptsächlich Portu-
giesisch- und Deutsch-Ostafrika, der Kongo-
staat, Sierra Leone und Madagaskar in Frage.
In jüngster Zeit gewinnt auch der Plantagen-
kautschuk große Bedeutung. — Die Gesamt-
produktion sämtlicher Produktionsländer an
K. wurde 1862 auf 4 000 000 kg angegeben,
1903 belief sie sich auf 63 500 000 kg, davon
war fast die Hälfte brasilianischer K. Die
stärksten Konsumenten für K. sind Nord-
amerika, England, Frankreich und Deutsch-
land. — Der K. ist, wie schon erwähnt, in
Form von Milchsaft (Latex) in den Pflanzen
enthalten. Außer ihm finden sich in der Kaut-
schukmilch noch Wasser, Eiweißstoffe, Harze
und Zuckerarten. Der auf die eine oder die
andere Weise aus dem Milchsaft gewonnene
Rohkautschuk ist teils geruchlos, teils besitzt
er einen starken Geruch (geräucherter Parä-
K.) und ist von bräunlichgelber bis schwarzer
Farbe. Den Hauptbestandteil des K. bildet
der Kautschukkohlenwasserstoff. Ferner fin-
den sich in jedem K. neben Eiweißstoffen
und verschiedenen Verunreinigungen die sog.
Kautschukharze. Während Para-K. von
diesen nur D/a—4 °/o enthält, haben minder-
wertige Kautschuksorten 40 und mehr Pro-
zent Harze. K. ist elastisch, im Gegensatz
zu Guttapercha, und hat ein spez. Gew. von
0,920—0,960. Auf 120° erwärmt, wird er
klebrig und fängt bei 180° an zu schmelzen.
Bei stärkerem Erhitzen verbrennt er mit rußen-
der Flamme unter Entwicklung eines sehr
unangenehmen Geruches. In Wasser ist K.
unlöslich, in Alkohol und Azeton bis auf
die Harze ebenfalls. Von den Lösungsmitteln,
die entweder eine wirkliche Lösung oder
doch eine völlige Erweichung und Quellung

bewirken und den K. nach dem Verdunsten
unverändert hinterlassen, sind Äther, Benzin,
Benzol, Schwefelkohlenstoff, Chloroform und
Terpentinöl die wichtigsten. Am besten löst
sich K. in dem Kautschuköl, dem Destilla-
tionsprodukt aus dem Kautschuk. Von unge-
heurer Bedeutung für die gesamte Kautschuk-
industrie ist das Verhalten des K. gegen
Schwefel und dessen Derivate bei der sog.
Vulkanisation. Der eigentliche Erfinder
derselben ist Goodyear. Das Vulkanisieren
besteht in einer Einverleibung von Schwefel
bei höherer, oder von Schwefelchlorür bei
gewöhnlicher Temperatur in die Kautschuk-
masse, welche sich mit ihnen chemisch ver-
bindet und dadurch wesentlich veränderte,
für den Gebrauch höchst günstige Eigen-
schaften annimmt. Denn während der K.
im natürlichen Zustande durch Kälte so er-
härtet, daß er unelastisch wird, behält der
geschwefelte K. unter allen gewöhnlichen
Temperaturen seine volle Elastizität, wird
nicht mehr klebrig und ist unempfindlich
gegen Terpentinöl und andere Lösungsmittel
geworden. Der vulkanisierte K. wird in
W eichgummi, Halb hart gummi und Hart-
gummi (Ebonit) unterschieden. Der vulka-
nisierte K. sieht grau aus. Enthält er außer
Schwefel noch andere Zusätze, wie Kreide,
Ton, Eisenoxyd oder Schwefelantimon, so
bekommt er eine weißliche, gelbliche, rote
oder schwarze Farbe. Diese Zusätze bleiben
alle der Masse nur mechanisch eingelagert
und verschlechtern sie notwendigerweise um
so mehr, je reichlicher sie angewandt werden.
Vulkanisierter K. besitzt größere Elastizität
als Rohkautschuk, während die Porosität und
die Löslichkeit weit geringer ist. Im Gegen-
satz zu Rohkautschuk haften frische Schnitt-
flächen beim Aneinanderdrücken nicht zu-
sammen. Terpentinöl, Benzin, Äther und
Chloroform lösen den vulkanisierten K. kaum,
quellen ihn aber bis zum zehnfachen seines
ursprünglichen Volumens auf. Fette öle ver-
wandeln ihn in eine plastische Masse, die sich
an der Luft schnell oxydiert. Vulkanisierter
K. wird am besten im Dunkeln unter Wasser
auf bewahrt. — Der Rohkautschuk findet als
Radiergummi, ferner in der Pharmazie zur
Herstellung von Kautschukheftpflaster, in der
Industrie in Gestalt von Kautschuklösungen
bei der Radreifenfabrikation und zu Klebe-
zwecken Verwendung. Behufs Herstellung
von Kautschukwaren findet eine Reinigung
des Rohkautschuks statt. Dieser wird zunächst
in siedendem Wasser erweicht und durch
Schneidemaschinen, deren Messer durch einen
Wasserstrahl immer naß erhalten werden, in
kleine Brocken geteilt. Das nunmehr statt-
findende Auswalzen oder Waschen erfolgt
zwischen Walzenpaaren unter Zufluß von
Wasser, das die Unreinheiten wegspült, und
zwar läßt man die Masse so oft durch die
Walzen hindurchgehen, bis sie einen dünnen
Lappen, das sog. „Fell“, bildet. Die Lappen
werden getrocknet. Der Gewichtsverlust, den
der K. bei dieser Behandlung erleidet, wird
als „Waschverlust“ bezeichnet. Bei guten