﻿Kawawurzel

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Kerzen

müssen prall und rund, nicht eingeschrumpft,
zerflossen oder schmierig erscheinen, Zusätze
von Sago, Öl und den Eiern anderer Fische
haben als Verfälschung zu gelten. — Zoll:
300 M.

Kawawurzel (Avawurzel, lat. Radixkavae,
frz. Racine de kava, engl. Kava root), die ge-
trocknete Wurzel der auf den Inseln der
Südsee wachsenden Piperacee, Piper m,e-
thysticum, besteht aus dicken, knotigen, mit
langen, sehr verästelten Wurzelfasern besetz-
ten Stücken von 250—500 g Gewicht, welche
außen von graubrauner, innen von grauweißer
Farbe und von lockerem, schwammigem Ge-
füge sind. Der Geruch ist schwach pfeffer-
artig, der Geschmack bitter und zusammen-
ziehend. Als Bestandteile sind zu nennen
Methystizin, eine weiße, kristallinische Nadeln
bildende Substanz, und ein Glukosid. Verwen-
dung findet die K. als schweißtreibendes Mit-
tel; der aus der Wurzel hergestellte Fluid-
Extrakt wird als Arzneimittel verwendet und
auch gegen Geschlechtskrankheiten empfoh-
len. —■ Zoll: Kawawurzel ist zollfrei. Kawa-
Fluid-Extrakt: 60 M.

Kefir (Kephyr) ist ein alkoholisches Ge-
tränk, welches schon seit alten Zeiten im
Kaukasus durch eine eigentümliche Gärung
aus Stutenmilch hergestellt wird. Zur Er-
regung der Gärung dienen Anhäufungen ge-
wisser Hefen- und Spaltpilze, welche als
Kefirkörner in den Handel kommen und
neuerdings auch bei uns zur Erzeugung eines
analogen Produktes aus Kuhmilch benutzt
werden. Im Verlaufe der Gärung geht ein
Teil des Milchzuckers in Milchsäure und
ein Teil des Kaseins in lösliche Hemialbu-
mosen, Azidalbumosen und Peptone über,
während gleichzeitig Alkohol und Kohlen-
säure entstehen. Das fertige schäumende Ge-
tränk enthält nach König: 88,86°/o Wasser,
2,80 °/o Kasein, 0,38% Albumin, 0,25% Azid-
albumin, 0,18% Hemialbumosen, 0,03% Pep-
ton, 2,76% Fett, 2,52% Milchzucker, 0,98%
Milchsäure, 0,84 % Alkohol und 0,65% Asche.
K. wird als diätetisches Mittel bei Magen-
und Lungenleiden und Schwächezuständen
angewandt. — Zoll: Kefirkörner zollfrei. Kefir-
Kumys s. Tarif Nr. 185.

Kehrsalz (Fegsalz), das in der Salzsiederei
beim Beladen der Trockenvorrichtungen und
beim Abtragen des getrockneten Salzes ab-
fallende Salz, welches vom Fußboden zu-
sammengekehrt wird und daher verunreinigt
ist, kann nur als Viehsalz Verwendung finden.
— Zoll und Steuer: S. Kochsalz.

Kelp, die an den Küsten und Inseln Schott-
lands und Irlands durch Verbrennen ver-
schiedener Arten von Seetangen gewonnene
Asche, aus der man früher durch Auslaugen
Kalisalze gewann, bildet jetzt das wichtigste
Ausgangsmaterial für die Gewinnung von Jod
(s. d.).

Keramische Waren. Diese Bezeichnung,
vom griechischen Worte Keramos, der Ton,
abstammend, umfaßt alle aus Ton und Zu-
sammensetzungen mit demselben hergestell-

ten Produkte, wie Terrakotta, Töpfer-
waren, Siderolith, Steingut, Fayence,
Majolika, Steinzeug und Porzellan.

Kermek, die Wurzeln von Statice cori-
aria und St. limonium, werden in Rußland
als Gerbmaterial verwendet. — Zollfrei.

Kermes. Mit diesem Namen belegt man
drei verschiedene Farbstoffe: 1. Tierischer
Kermes (Kermesbeeren oder Körner,
Scharlachbeeren, Purpurkörner, Al-
kermes, lat. Grana kermes, frz. Grains
d’öcarlate, engl. Scarlet berries) besteht aus
den getrockneten, trächtigen Weibchen einer
Schildlaus (Coccus ilicis), welche auf den
Zweigen der in Süd-Europa und im Orient
häufiger wachsenden, strauchartigen Schar-
lacheiche (Quercus coccifera) lebt. Das
Weibchen schwillt nach der Befruchtung
kugelförmig an, strotzt von Eiern und rotem
Farbstoff und wird in diesem Zustande ge-
sammelt. Man tötet die Tiere durch Be-
sprengen mit Essig und trocknet sie an der
Sonne. Sie bilden glatte oder etwas runzlige,
getrocknet dunkelrotbraune, zum Teil auch
violette, den Korinthen ähnliche Körner,
welche denselben Farbstoff wie Koschenille
enthalten und im Orient noch heute als Färbe-
material dienen. 2. Die pflanzlichen Ker-
mesbeeren, welche früher zum Färben von
Rotwein benutzt wurden, jetzt jedoch ihrer
abführenden Wirkung wegen verboten sind,
bestehen aus den Früchten eines von Vir-
ginien nach dem südlichen Europa verpflanz-
ten und dort verwilderten, schon in Österreich
häufig vorkommenden, ausdauernden Ge-
wächses, Phytolacca decandra. 3. Die
mineralische K. ist ein altes unter dem
Namen Karthäuserpulver bekanntes und
zuweilen noch jetzt medizinisch gebrauchtes
Antimonpräparat, das durch Kochen von
schwarzem Schwefelantimon mit Pottasche-
lösung erhalten wird. Beim Kochen der fil-
trierten Lösung fällt der K. als ein feines,
leichtes, rotbraunes Pulver heraus, welches
aus Schwefelantimon und Antimonoxyd in
wechselnden Verhältnissen besteht. — Zollfrei.

Kerzen (Lichte, frz. Bougies, engl. Cand-
les) nennt man die aus brennbaren und leicht
schmelzenden Stoffen gefertigten Zylinder, in
deren Längsachse ein Docht angebracht ist,
und welche nach dem Material in Talg-,
Stearin-, Wachs-, Walrat-, Paraffin-
und Zeresin-K. unterschieden werden. Zu
ihrer Herstellung bediente man sich früher
hauptsächlich der Methode des Ziehens, bei
welcher zahlreiche, an einem Stabe hängende
Dochte so oft in das geschmolzene Material
eingetaucht wurden, bis die verlangte Dicke
erreicht war. Heutzutage kommt fast nur
noch das Gießen in Betracht. Eine Reihe
schwach konischer Formen aus Blei-Zinn-
legierungen werden mit dem verjüngten Ende
nach unten in die Löcher des Gußtisches ein-
gehängt, dann mit je einem Docht und
Trichter versehen und mit der geschmolzenen
Masse vollgegossen. Die Temperatur ist für
jede Sorte besonders zu wählen. Während
z. B. der, heute übrigens kaum noch be-