﻿Kino

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Albumosen übergeht. Die entstehenden Pro-
dukte werden für sich allein oder nach Zusatz
von Fett, Eiweiß und Sahen getrocknet oder
gebacken und in ein feines Mehl verwandelt.
Von den bekannteren Erzeugnissen sind die
K. von Knorr, Hohenlohe und Kufeke
nur aus Mehl hergestellt, während Nestle’s
K. und Theinhardts lösliche Kinder-
nahrung gleichzeitig Milch und Zucker ent-
halten. Die Ansichten über den Wert der
K. sind sehr geteilt, doch steht soviel fest,
daß sie die Milch nicht völlig ersetzen, son-
dern höchstens neben ihr benutzt werden
können. Unter allen Umständen muß ver-
langt werden, daß die K. völlig aufgeschlossen
sind, da der kindliche Organismus rohe Stärke
nicht assimiliert. Zweckmäßig erfolgt die Ver-
abreichung daher nur bei älteren Kindern und
bei Verdauungsstörungen, bei denen Ku-
fekes K. verstopfend, Mellins und Thein-
hardts Nahrung hingegen schwach abführend
wirken. — Zoll: S. Tarif Nr. 212.

Kino (Kinogummi, lat. Gummi kino, frz.
Gomme kino, engl. Kino gum) besteht aus
dem eingetrockneten Extrakte oder natür-
lichen Ausflüssen verschiedener Bäume, na-
mentlich der Papilionaceen, und bildet
dem Katechu ähnliche, rote Massen von
stark zusammenziehendem Geschmack. Un-
ter den verschiedenen Handelssorten hat
das Malabarische oder Amboinakino
von Pterocarpus Marsupium die größte
Bedeutung. Es bildet kleine, eckige, leicht
zerreibliche Bruchstücke von glänzend schwar-
zer Farbe, die in dünnen Splittern rot durch-
scheinen. Das Pulver ist dunkelrot und löst
sich nur teilweise in Wasser, aber vollständig
in Alkohol und Alkalien. Das afrikanische
K. aus dem Senegalgebiete, welches früher
die Hauptrolle spielte, kommt jetzt nicht mehr
in den Handel. Weiter findet sich asiati-
sches (Butea- oder bengalisches) K. von
Butea frondosa, westindisches oder Ja-
maikakino von Coccoloba uvifera und
neuholländisches oder Eukalyptus-
kino von verschiedenen Eukalyptusarten.
Der wichtigste Bestandteil aller Kinosorten ist
ein bis zu 75°/o vorhandener Gerbstoff, Kino-
gerbsäure, aus welcher beim Erwärmen der
rote Farbstoff, Kinorot, entsteht. Kino
findet in der Pharmazie, sowie zur Plerstellung
von Zahntinkturen und Zahnpulvern nur noch
beschränkte Verwendung, wird aber in stei-
gendem Maße zum Gerben und Färben be-
nutzt. — Zoll: 3 M.

Kipari, das Holz eines in Indien und auf
Java wachsenden Baumes, Lepisanthes
montana, wird als Nutzholz verwendet. —
Zoll: S. Tarif Nr. 74ff .615ff.

Kipse. Diesen Namen führen Rindvieh-
häute, die in großer Menge aus Ostindien zu
uns gebracht werden und von einem kleinen,
übrigens auch nach der Kapkolonie ver-
pflanzten Rindviehschlage abstammen. Diese
Häute werden mit Kalk und Salz konserviert
und von Bombay, Kalkutta und Madras aus
versendet. Das daraus bereitete Leder ist
eine Mittelsorte zwischen Rind- und Kalb-

leder und wird meist zu Oberleder beim
Schuhwerk verwendet. — Zollfrei.

Kirschbaumholz, das Holz des Kirsch-
baumes, Prunus Cerasus, ist gelblich-
rot bis rotbraun, bei manchen Arten grün-
braun, gestreift und geflammt, sehr fest, ziem-
lich hart und feinfaserig und hat ziemlich an-
sehnliche Spiegel. Es läßt sich leicht be-
arbeiten und durch Beizen dem Mahagoni-
holze ähnlich machen. Das Holz alter Bäume
ist ein vortreffliches Tischlerholz, hat jedoch
die unangenehme Eigenschaft, mit der Zeit
blasser zu werden, welchem Übelstande man
aber durch Behandlung mit Kalkwasser be-
gegnen kann. — Zoll: S. Tarif Nr. 74ff. 615ff.

Kirschen (lat Fructus cerasi, frz. Cerises,
engl. Cherrys), die bekannten Steinfrüchte
der verschiedenen Abarten des Kirschbau-
mes, bilden einen wichtigen Artikel des Obst-
handels, der im frischen Zustande allerdings
von geringer Haltbarkeit ist. Man pflegt
Süßkirschen und Sauerkirschen zu
unterscheiden und rechnet zu den ersteren
die Herzkirschen, Knorpelkirschen und Ama-
ranthenkirschen, zu den halbsüßen oder süß-
saueren die Glaskirschen, Ammern, Amarellen
und Süßweichsein, zu den Sauerkirschen die
Sauerweichsein, Nonnenkirsche, Kirchheimer
Kirsche u. a. Außer im frischen Zustande
bilden die K. auch in zubereiteter Form, so
namentlich als getrocknete oder Darr-
kirschen, ferner in Essig oder in Zucker
eingemacht, einen wichtigen Handels-
artikel. — Zoll: S. Tarif Nr. 47/48. 216.

Kirschgummi (lat. Gummi cerasi, frz.
Gomme de cdrise, engl. Cherry gum), das
aus der Rinde der Kirschbäume freiwillig
ausfließende, an der Luft erhärtende Gummi,
ist dem arabischen Gummi ähnlich. Die Farbe
ist meist dunkelbraun bis rot, die Konsistenz
ziemlich weich, der Geschmack widerlich. K.
ist nur zum Teil in Wasser löslich und wird
in der Industrie an Stelle des arabischen
Gummi vielfach verwendet. — Zollfrei.

Kirschkernöl, das in den Kernen oder Stei-
nen enthaltene fette Öl, ist hellgelb, geruch-
los und von mildem und angenehmem Ge-
schmack. Das spez Gew. liegt bei 0,9184, der
Gefrierpunkt bei —22°. — Zoll: S. Tarif
Nr. 166/7.

Kirschlorbeerblätter (lat. Folia laurocerasi,
frz. Feuilles de laurier cörise, engl. Cherry
laurel leaves). Die lederartigen, glänzenden,
oben dunkelgrünen, unten helleren Blätter
von Prunus laurocerasus, eines in Per-
sien und Kleinasien heimischen, in Südeuropa
kultivierten Strauches, werden bis 13 cm lang
und 4t/a cm breit und sind an den zurück-
gebogenen Rändern entfernt sägezähnig. Sie
werden, noch frisch zerstampft, mit Wasser
übergossen und nach einigem Stehen der
Destillation mit Wasserdampf unterworfen.
Das in Menge von 0,5% erhaltene Kirsch-
lorbeeröl (Oleum laurocerasi) besitzt ein
spez. Gew. von 1,054, einen charakteristischen
Geruch und löst sich in Alkohol. Es ist dem
Bittermandelöl außerordentlich ähnlich und
enthält wie dieses Benzaldehyd, Blausäure