﻿235

Kleesamen

Kirschsaft

und Benzaldehydcyanhydrin, jedoch entstam-
men diese Bestandteile hier einem komplexe-
ren Glukoside, dem Laurocerasin, welches
sich aus gleichen Molekülen Amygdalin und
Amygdalinsäure zusammensetzt. Der Gehalt
an Blausäure beträgt bis zu 2%. Das bei der
Destillation erhaltene aromatische Wasser
wird als Kirschlorbeerwasser (lat. Aqua
laurocerasi, frz. Eau destillöe de laurier cerise,
engl. Cherry laurel leaves water) in den Han-
del gebracht. K.-Blätter und Wasser finden
medizinische Anwendung, sowie nach Ent-
fernung der Blausäure zur Herstellung von
Likören. — Die Blätter sind zollfrei. K.-
Wasser: S. Tarif Nr. 386. K.-Öl: 30 M.

Kirschsaft (lat. Succus cerasorum, frz. Suc
de cörises, engl. Cherry juice), der, wie unter
Himbeersaft beschrieben, ausgepreßte, ge-
klärte und der Haltbarkeit wegen gewöhnlich
mit etwas Spiritus versetzte Saft von Kirschen,
namentlich Sauerkirschen, dient teils zur Be-
reitung von Likör und Sirup, teils zum
Färben anderer Liköre und Weine. — Zoll:
S. Tarif Nr. 59/60.

Kirschsirup (lat. Sirupus cerasorum, frz.
Sirop de cörises, engl. Cherry syrup)) wird
durch Einkochen des Kirchsaftes mit Zucker
erhalten und findet viel Verwendung in der
Likörfabrikation, zu Fruchteis, Limonaden,
sowie auch in Apotheken als geschmack-
verbesserndes Mittel. — Zoll: 60 M.

Kirschstiele (lat. Pedunculi seu stipites
cerasorum, frz. Queues de cifrises, engl. Cherry
Stalles). Die Stiele der Sauerkirschen werden,
gesammelt und getrocknet, öfters als Aufguß
gegen Blasenleiden angewendet. — Zollfrei.

Kirschwasser (Kirschgeist, Kirsch-
branntwein), ein in der Schweiz und Süd-
deutschland sehr beliebter, farbloser, wasser-
heller Branntwein von schwach bittermandel-
ölartigem Geruch und Geschmack, wird aus
schwarzen, zuweilen auch roten, weichen Kir-
schen bereitet, indem man die zerstampften
Früchte einer 12—15 Tage lang dauernden
Gärung überläßt und die gegorene Masse
entweder in kupfernen Blasen über freiem
Feuer, oder in größeren Etablissements mit
Dampf destilliert. Um den Bittermandel-
geschmack zu erhöhen, werden häufig ge-
mahlene Kirschkerne bis zu 1/6 der Masse vor
der Gärung zugesetzt. 50 kg Kirschen liefern
je nach Qualität 5—7 1 Kirschwasser von
ca. 50°/o Alkoholgehalt. Durch längeres La-
gern wird das K. feiner und milder und ver-
liert den anfangs etwas herben Geschmack.
— Zoll: S. Tarif Nr. 178/79.

Kitelor (malaiisch) ist das sehr dauerhafte
faserige Holz des in Indien wachsenden Xan-
thophyllum vitellinum. — Zoll: S. Tarif
Nr. 74ff. 615 ff.

Kitool (malaiisch, engl. Black fiber) heißt
die Blatthüllenfaser der in Indien und auf
Ceylon wachsenden Caryota urens. —
Zollfrei.

Kitte. In der Hauptsache versteht man
Vnter i Flrnis‘ °der Glaserkitte, die aus
Schlämmkreide und Firnis hergestellt wer-
den. Man hat aber außerdem noch eine große

Anzahl anderer Arten Kitte, z. B. Porzellan-
kitt, Mastixkitt, Schellackkitt, Wachskitt usw.
Auf diese ist bei Besprechung der Urstoffe
hingewiesen worden. — Zoll: S. Tarif Nr. 240.
247. 342. 345/46.

Klärspäne, zum Klären von trübem Bier,
werden aus Haselnußholz meist in Fa-
briken mit Dampfbetrieb hergestellt und in
Kisten oder Säcken verpackt versendet. —
Zoll: S. Tarif Nr. 75.

Klatschrosen (Klapperrosen, lat. Flores
papaveris rhoeados, frz. Fleurs de coquelicot,
engl. Red poppy flowers), die getrockneten
Blumenblätter des roten Feldmohns (Pa-
pa v er rhoeas), bilden, obschon das Gewächs
ein häufiges Unkraut ist, doch einen regel-
mäßigen Artikel des Drogenhandels. Die
frisch gepflückten Blätter werden zum Trock-
nen sehr dünn an der Luft ausgebreitet, dann
noch in der Ofenwärme nachgetrocknet und
wegen ihrer Geneigtheit, Feuchtigkeit anzu-
ziehen, sorgfältig verpackt. Die trockene
Ware wiegt etwa ein Zehntel der frischen
Blätter und besitzt violettrote Farbe. K.
haben einen schleimig-bitteren Geschmack,
enthalten ein Alkaloid, das Rhoeadin, wel-
ches auch im Opium vorkommt, sowie einen
dunkelroten Farbstoff, die Rhoeadinsäure.
K. weiden in Abkochung medizinisch, ferner
zum Färben von Wein, Likören usw. ver-
wendet. — Zollfrei.

Klauenfetf (Klauenöl, lat. Axungia pe-
dum tauri, frz. Huile de pieds, engl. Foot
oil) wird aus den Klauen von Rindern,
Hammeln, Pferden und Schweinen mit Was-
ser ausgekocht, und die oben schwimmende
Schicht filtriert. Es ist ein weißliches bis
hellgelbes geruchloses Öl, von dickflüssiger
Konsistenz, wird nicht ranzig und findet daher
als Schmiermittel für feinere Instrumente, be-
sonders Uhren vielfache Anwendung. — Zoll:
S. Tarif Nr. 166/67.

Kleber (Gluten, Mehlleim, Collor,
Tritizin), der stickstoffhaltige und sehr nahr-
hafte Bestandteil des Getreidemehls, wird na-
mentlich aus dem Weizenmehl bei der Fa-
brikation von Stärke (s. d.) als Rückstand
erhalten und bildet im nassen Zustande eine
fadenziehende, elastische und graugelbliche,
nach dem Trocknen eine hornähnliche Substanz.
Kleber kann frisch unter Teig zu Backwerk,
Klößen und dergl. gearbeitet werden, kommt
aber neuerdings auch als feines Pulver (s.
Glidin) in den Handel. Er ist keine ein-
heitliche chemische Substanz, sondern ein Ge-
misch aus vier verschiedenen stickstoffhaltigen
Substanzen: Glutenkasein, Glutenfibrin,
Gliadin und Mucedin. -— Zoll: 18 M.

Kleesamen (Kleesaat, frz. Graine de
trfefle, engl. Cloverseed), im engeren Sinne nur
die Samen der als Kulturpflanzen allgemein
gebräuchlichen Arten von Klee — Trifoli-
um, im weiteren auch noch die der verwandten
Futterpflanzen — Melilotus oder Stein-
klee, Luzerne- oder Schneckenklee (Mo-
natsklee), Medicago und Esparsette, He-
dysarum. Der Kleebau wird in den Mittel-
meerländern seit uralten Zeiten und in Nord-